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Ein ganzer Trakt als Atelier

Im Oktober laden Künstler in ihre Ateliers, Werkstätten, Studios und Probenräume ein. Im Schwerpunkt geht es darum, wo und wie Kunst entsteht. Der Maler Wolfgang Häberle aus Löchgau hat sich für sein Atelier einen Trakt im Schloss von Freudental auserkoren.

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    Wolfgang Häberle im Flur seines Ateliertraktes im Freudentaler Schloss. Überall hängen seine Werke. Foto: 
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So ein Atelier sieht man selten: Der Löchgauer Künstler Wolfgang Häberle hat im Freudentaler Schloss ein buchstäblich malerisches Ambiente für seine Arbeit: hohe Decken, helle Räume und so viele Zimmer, dass er sie kaum zählen mag. Am heutigen Samstag lädt er zum Tag der offenen Tür ab elf Uhr ein und zeigt Serien in Öl zu Themen, die es ihm angetan haben.

Wolfgang Häberle arbeitet seit 2006 im Grävenitzschen Schloss in Freudental. Die Möglichkeit dazu bot ihm der Schlossbesitzer, Kunsthändler Rudolf Bayer. Hier findet er genügend schlichte hohe Wände, um eine Vielzahl seiner Bilder aufzuhängen und sich dadurch selbst immer wieder mit ihnen auseinander zu setzen. So ist sein Atelier im Schloss auch gleichzeitig eine Galerie.

Häberle hängt auch immer wieder um, "von vorne nach hinten". Sein Atelier erstreckt sich über einen Trakt im Schloss. Entlang des langen Korridors schließen sich Zimmer an, die Wolfgang Häberle thematisch "bespielt", wie er sagt. Der Löchgauer Künstler setzt sich gern mit wenigen ausgewählten Motiven über einen längeren Zeitraum intensiv auseinander, zum Beispiel mit Triumpfbögen. Die architektonischen Meisterleistungen aus einigen Metropolen haben es ihm angetan, das Brandenburger Tor zum Beispiel als Symbol des Aufbruchs.

Ein Motiv, das vielleicht überrascht, beschäftigte Häberle ein ganzes Jahr lang: die Brezel. Als "kleine Heimat" bezeichnet Häberle liebevoll das typisch schwäbische Backwerk. Er setzte der Brezel viele Denkmäler in Ö. Der Flur in seinem Trakt im Schloss gehört vorwiegend Häberles Kriegssujet. Der Erste Weltkrieg ist hier Inhaltsgeber. Der Stil ist individuell: Schwarze Konturen vor meliert farbigem Grund gehören zu Häberles Handschrift. "Eigentlich komme ich vom Zeichnen und habe den Bleistift nur mit dem schwarzen Pinsel vertauscht", sagt er. Von Vorbildern will er nicht viel wissen, wenn auch kunsthistorisch Bewanderte ihm immer wieder eine Nähe zu Max Beckmann, wegen den schwarzen Konturen, nachsagen. Frühere Arbeiten erinnern an den Expressionismus an George Grosz oder Otto Dix - das gemeinsame Kriegsthema weckt Assoziationen.

Wolfgang Häberle arbeitet nur bei Tageslicht, das ist ihm wichtig. Er fertigt bei großen Bildern Vorzeichnungen aus Kohle an. "Zeit ist im Entstehungsprozess nicht das Entscheidende. Manche Bilder entstehen in einem Guss und sind nach zwei Stunden fertig." An anderen Gemälden arbeitet er fünf Tage und mehr. Täglich geht er ans Werk, erzählt er. Würde er alle Arbeiten aufhängen, müsste Häberle anbauen. Deshalb schlummern viele Zeichnungen und Aquarelle wohlbehütet in großen Schachteln. Viele Triumpfbögen sind dabei, die auch als Ölbilder in der Nacht ganz dunkel und verheißungsvoll aus dem Schwarz heraustreten, nur weil Häberle ihre Struktur von der des Hintergrundes abhebt.

"Es gibt auch ein Blumenzimmer. Ich liebe Tulpen", schmunzelt der Künstler. Durch die Flut an Zimmern kommt in Häberles Atelier jedem Raum eine Funktion zu. Es gibt den Trockenraum, den eigentlichen Arbeitsraum mit der farbbeklecksten großen Staffelei, Ausstellungsräume mit verschiedenem Ambiente und wenn wie jetzt eine Veranstaltung ansteht, gibt es noch den großen Eingangsbereich im Schloss. Selbst dort kann Häberle Großformate aufhängen.

Info
Wolfgang Häberle öffnet seinen Kunsttrakt im Freudentaler Schloss am Samstag, 10. Oktober, ab 11 Uhr.

Ein Kommentar von Gabriele Szczegulski: Kunst ist die Stärke der Region

Die Kunst, das ist die große Stärke in Sachen Kultur in der Region, das zeigt sich wieder in diesem Schwerpunkt in unserer Zeitung. Wenn's um eine starke Kunstszene geht, dann werden gerne Städte wie Düsseldorf genannt, Regionen wie Nord- oder Ostsee halten als Sehnsuchtsorte für Maler her. Aber: Ganz im Stillen, aber quantitativ und qualitativ in herausragender Stärke etabliert sich der Landkreis mehr und mehr zu einer regen Kunstlandschaft.

Beweise dafür sind Ausstellungen en masse, Ateliers in jeder Nachbarschaft, unzählige, wirklich gute Künstler, kein Wochenende wird bis Ende des Jahres vergehen, ohne dass nicht eine Vernissage, ein offenes Atelier, stattfände. Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen ist schon lange in Kunstkreisen kein bloßer Geheimtipp mehr. Leiterin Isabell Schenk-Weininger kann sich vor Anfragen kaum retten. Und auch die Kunst der Naive bleibt Bönnigheim erhalten. Kunst aber lebt nicht, wenn es keine Nachfrage nach ihr gibt. Und so sind es die Menschen in der Region, die diese zu einem Kunstort machen, der es schon lange mit anderen aufnehmen kann.

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