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Drei Prozesse laufen zeitgleich

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Befindet sich Ludwigsburg und der Landkreis überdurchschnittlich stark im Fokus von professionellen Rauschgifthändlern? Zwei seit einiger Zeit laufende große Verfahren beim Stuttgarter Landgericht gegen Dealer scheinen dies zu bestätigen. Jetzt kam ein dritter Prozess hinzu, in dem einem 31-Jährigen vorgeworfen wird, in 23 Fällen erneut große Mengen Drogen an Abhängige in Ludwigsburg verkauft zu haben.

Grundlage der derzeit laufenden Verfahren gegen mutmaßliche Rauschgifttäter aus Ludwigsburg sind polizeiliche Razzien vom September letzten Jahres und eine neue Aktion der Drogenfahnder vom Februar dieses Jahres. Dabei geht es in erster Linie um Handeltreiben mit Marihuana und Kokain, sowie Amphetamin-Präparaten.

230 Polizisten im Einsatz

Am 1. Februar hatten 230 Einsatzkräfte der Ludwigsburger Polizei in der Stadt und auch an anderen Orten, wie Aalen und Schwäbisch-Hall, 26 Haus- und Wohnungs-Objekte durchsucht und dabei neben 13 Kilo Drogen auch eine erkleckliche Anzahl von Waffen sowie hohe Geldsummen sichergestellt. Die Aktion war aufgrund monatelanger verdeckter Arbeit einer Ermittlungsgruppe durchgeführt worden, wie es in Polizeikreisen heißt.

Ein 26-jähriger aus Pleidelsheim ist bereits wegen großer Drogengeschäfte verurteilt. Ein 31-Jähriger sitzt derzeit auf der Anklagebank einer Stuttgarter Strafkammer. Gegen einen 41-Jährigen und einen 51-Jährigen aus den Niederlanden verhandelt eine andere Stuttgarter Strafkammer seit dem 10. Juli wegen Handeltreibens großer Drogenmengen in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen (die BZ berichtet). Am Mittwoch musste ein 31-jähriger Deutscher aus Ludwigsburg Platz auf der Anklagebank der siebten Großen Strafkammer nehmen, weil er angeblich in 23 Fällen ebenfalls im Kreisgebiet mit Gewinn große Rauschgiftmengen verkauft haben soll. Dem Einzelhandelskaufmann wirft der Staatsanwalt vor, ab Januar 2015 in der Ludwigsburger Drogenszene eifrig mitgemischt zu haben. Unter dem Strich sollen es mehrere Kilo Rauschgift gewesen sein, die durch seine Hände gingen.

Eingekauft habe er die gefährlichen Stoffe teilweise von dem bereits zu viereinhalb Jahren Haft verurteilten Mann aus Pleidelsheim. Dessen Drogen-Aktivitäten waren Ende letzten Jahres durch einen polizeilichen Vertrauensmann aufgedeckt worden, wobei kurioser Weise auch dieser polizeiliche Vertrauensmann letztlich wegen seiner Doppelrolle auf der Anklagebank landete. Die Vorwürfe gegen den 31-Jährigen hingegen wiegen schon deshalb besonders schwer, weil die Fahnder am 13. Februar dieses Jahres anlässlich der erwähnten Razzia in seiner Ludwigsburger Bleibe nicht nur erhebliche Rauschgiftmengen, sondern auch dazugehörige Portionierungs- und Verpackungs-Utensilien sowie mehrere illegale Waffen sicherstellte. Eine Pistole, einige Kampf- und Springmesser, ein sogenanntes Einhandmesser waren teils im Kleiderschrank und teils unmittelbar neben seinem Bett griffbereit gelagert, wie es in der Anklage heißt.

Mindestens einmal im Monat soll er von seinem Lieferant um die 200 bis 500 Gramm Drogen bezogen haben. „18-mal 200 Gramm“, ist sich der Staatsanwalt sicher, was bereits die Menge von 3,6 Kilo ausmacht. Dazu soll der 31-Jährige noch Handel mit verschiedenen Amphetamin-Stoffen betrieben haben. Strafbar als „23-facher bewaffneter Rauschgifthandel“ Die Handschellen klickten bei ihm am frühen Vormittag des 13. Februar dieses Jahres. Seitdem sitzt der bislang nicht vorbestrafte 31-Jährige in Untersuchungshaft. Am gestrigen ersten Verhandlungstag signalisierte der Verteidiger des 31-Jährigen gegenüber den Richtern der Stuttgarter Strafkammer, dass sein Mandant eine Art Teilgeständnis ablegen werde.

Einkauf vom Großdealer

In einer verlesenen Erklärung wird der Einkauf und Verkauf von Marihuana, die er vom Großdealer aus Pleidelsheim erhielt, zugegeben. Allerdings stimme es nicht, dass der monatliche Drogen-Umsatz bei bis zu 100 Gramm gelegen habe. Dass der 31-Jährige auch um die 20 Gramm Kokain besaß und damit Handel betrieb, sei richtig. Maximal jedoch habe er nur in 14 Fällen gegen das Rauschgiftgesetz verstoßen.

Der Angeklagte ist drogenabhängig, wie er selbst berichtet. In der Haft habe er sich um eine Suchtberatung und Therapie bemüht. Seit dem 12. Lebensjahr nehme er weiche Drogen. Zudem leide er an Spielsucht. Das Gericht wird dazu möglicherweise einen Gutachter einschalten, um auch festzustellen, ob der 31-Jährige seine Drogengeschäfte tätigte, nur um die eigene Sucht zu finanzieren – in diesem Fall winkt ihm Strafrabatt.

Fünf Prozesstage sind angesetzt. Ehemalige Ludwigsburger Dealer, teils bereits verurteilt, mit denen der Angeklagte offensichtlich Geschäfte betrieb, werden sich in diesem Fall wieder einmal in der Zeugenbank treffen. Am 29. August soll das Urteil verkündet werden.

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