Partner der

Die Galgen waren sichtbar

|

Das Gewann „Galgenäcker“ in Freudental hat  eine blutige Bedeutung. Hier wurden Menschen gehängt, wenn größere Verbrechen geahndet wurden. Und das gerne zur Abschreckung auch weithin sichtbar auf einer Anhöhe. Anderswo wurden Galgen meist an den Markungsgrenzen errichtet, sie waren also eine Art Grenzpfähle für das eigene Herrschaftsgebiet. Die Herrschaftsgrenze oder die Grenze des Amtsbezirks sollte mit der Richtstätte, dem Symbol der Blutgerichtsbarkeit, gezielt markiert werden, um Verbrecher abzuschrecken.

Im  Kreisgebiet konnten bislang rund 20 Standorte von Galgen ermittelt werden. Für die meisten dieser Richtstätten waren die württembergischen Amtsbezirke zuständig, wenige gehörten Reichsrittern, die das Recht hatten, eigene Galgen zu unterhalten. Verurteilt wurde nach der „Constitutio Criminalis Carolina“ von 1532, dem ersten allgemeinem deutschen Strafgesetzbuch. Als schwere Verbrechen galten Mord, Totschlag, Räuberei, Brandstiftung und Zauberei.

Ein Galgen stehe für eine hohe Gerichtsbarkeit, sagt Dieter Bertet, der sich in der Freudentaler Historie bestens auskennt. Es sei zu den „Galgenäckern“ aber auch nichts überliefert und es gebe keine Aufzeichnungen, wer dort zu Tode kam und warum.  Ein weiteres altes Freudentaler Gewann sind die „Schinderlöcher“. Dort sind am Waldrand  natürliche Vertiefungen, in die man die alten verendeten Ochsen geworfen habe. „Das waren natürliche Gräber“, so Bertet, die weitab vom Dorf waren.

Weil Freudentals Kirche wenig Platz hatte, verlegte man früher den Friedhof weiter weg. Im Gewann „Kirchhofäcker“ an der heutigen Gartenstraße wurden die Menschen beerdigt und man stieß dort später auf zahlreiche Knochenfunde. Ein weiteres Gewann trägt ebenfalls seine Bedeutung im Namen: Im „Vogelsang“, dem Grenzweg an der Erligheimer Gemarkung am Waldrand, konnte man früh morgens die Vögel hören, die dem Gewann den Namen gaben. Schließlich gibt es noch das „Alleenfeld“, das im heutigen Schlossareal liegt. Wie der Name vermuten lässt, war hier früher eine prächtige Baumallee, ausgerichtet zur Bietigheimer Straße und dem Königsträßle hin. Von dort kamen Adel und Obrigkeit, wenn sie die Schlossherrin von Graevenitz besuchten und im Sommer auf Jagd gehen wollten.

Und da wollte man keine unschönen Bilder. An die Landvogteien erging daher der Befehl König Friedrichs I., alle Galgen abzubauen. In einem Schreiben vom 6. Juli 1811 wurde angeordnet, dass „bei dem zu Bietigheim gehörigen an der Straße nach Freudental stehenden Galgen der Anfang gemacht werde“, wo offenbar noch ein weiterer Galgen stand.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Sitzung in der Sommerpause

Es kommt sehr selten vor, dass Gemeideräte während der Sommerferien tagen. Doch diese Woche gibt es unter anderem in Löchgau, Sachsenheim und Markgröningen Sitzungen. Warum? weiter lesen