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Die bunte Welt der Justyna Koeke

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    Das Atelier von Justyna Koeke in der Ludwigsburger Eberhard-Ludwig-Kaserne: bunt und schrill. Foto: 
  • Die Ludwigsburger Künstlerin proviziert gerne, wie hier mit einem blanken Busen aus Schaumstoff mit allerlei Anhängseln. 2/3
    Die Ludwigsburger Künstlerin proviziert gerne, wie hier mit einem blanken Busen aus Schaumstoff mit allerlei Anhängseln. Foto: 
  • Ausstellung im Kunstverein Ludwigsburg im Januar 2001: Die Arbeit „Märchenprinzessin“ von Justiyna Koeke und Kestutis Svirnelis bestand aus bunter, hauptsächlich pinkfarbener Fallschirmseide und füllte bis unmittelbar unter das Dach den großen Galerieraum des Kunstvereins Ludwigsburg.  3/3
    Ausstellung im Kunstverein Ludwigsburg im Januar 2001: Die Arbeit „Märchenprinzessin“ von Justiyna Koeke und Kestutis Svirnelis bestand aus bunter, hauptsächlich pinkfarbener Fallschirmseide und füllte bis unmittelbar unter das Dach den großen Galerieraum des Kunstvereins Ludwigsburg. Foto: 
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Justyna Koekes Kunst ist tragbar, auch wenn das nicht immer gleich erkennbar ist. Ihre Körperskulpturen sind meistens üppig ausgestattet. Manchmal aber reicht der Ludwigsburgerin die nackte Haut. In ihrem Atelier in der Grönerstraße herrschte früher ein rauer Militärton. Bundeswehrsoldaten schoben Jahrzehnte in der Eberhard-Ludwig-Kaserne Dienst. Vor über 20 Jahren löste der Bund den Standort Ludwigsburg auf, die Mannschaftsräume wurden leer geräumt. Später zogen Künstler ein. Das Kaserneninnere ist bis heute kahl und trist geblieben. Doch die bunte Welt der Justyna Koeke ist eine völlig andere – nicht nur, was die Vielfalt ihrer Farben betrifft, sondern ebenso ihr gesellschaftspolitisches Engagement als Künstlerin.

Die Männer in Uniform mit Postern nackter Frauen im Spind wären damit sicher nicht klargekommen. „Ich mache feministische Kunst“, beschreibt die 40-Jährige den Zweck ihres Schaffens. Dass eine Frau oftmals schlechter und Hausarbeit gar nicht bezahlt wird, das ist für sie ein Unding. Doch so richtig regt sie sich darüber auf, dass Sexualität und Erotik nach wie vor von Männeransichten dominiert und kommerzialisiert werden. „In der Prostitution wird die Sexualität einer Frau geraubt“, sagt sie. Sie denkt dabei an die Armutsprostitution. In Stuttgart ist Koeke an der Kampagne „Crowdfunding für den Ausstieg aus der Prostitution“ beteiligt. Im Juni stellte sie einige Utensilien ihres künstlerischen Schaffens einer Kunstauktion für diesen Zweck zur Verfügung. Sie sagt, „ich bin Feministin, aber keine Moralistin“. Sinnlichkeit, Sex und Erotik sind Triebfedern für ihre Kunst, aber eben konsequent aus weiblicher Perspektive.

Ihr Aufbegehren gegen eine scheinheilige Sexualmoral hat mit ihrer Herkunft zu tun: Koeke ist 1976 im polnischen und tief katholischen Krakau geboren. Der sexuellen Selbstbestimmung der Frau sind dort enge Grenzen gesetzt. Kunst hat sie sowohl dort als auch in Stuttgart studiert. 1999 zog sie komplett nach Deutschland. 2018 will sie die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, weil Vieles, was sich derzeit in Polen politisch tut, für sie unerträglich ist. An der Kunstakademie in Stuttgart hat sie ein halbes Deputat als Dozentin. Seit 2008 hat sie ihre Wohnung und ihr Atelier in dem Kasernenkünstlerhaus. Dort lebt sie mit ihrem Mann und 17-jährigen Sohn.

Ihr Atelier erinnert entfernt an einen Kostümfundus mit großem Arbeitstisch in der Mitte. Ihre voluminösen Kostüme, Hüte, Accessoires aus vielerlei Materialien sind allerdings ein kunterbunter Haufen, der keine Ordnung kennt. Dass sie gerne provoziert ist trotz des Durcheinanders leicht zu erkennen: Hier rankt ein praller blanker Po aus Schaumstoff hervor, dort ein blanker Busen aus gleichem Material mit allerlei Anhängseln an den Brustwarzen. Koeke ist bekannt geworden durch ihre Kostümskulpturen, in die man hineinkriechen muss, um sie zu tragen. Damit war sie vergangenes Jahr in Berlin auf der „Alternative Fashion Week“ vertreten. Anregungen hat sie sich aus eigenen Kinderzeichnungen geholt. „Ich habe mich ausschließlich als Prinzessin oder Heilige gemalt“, entdeckte sie im Nachhinein. Damit war sie gesellschaftskonform. „Wenn man nicht schön war, also keine Prinzessin, sollte man als Frau zumindest Gutes tun, also eine Heilige sein.“ Irgendwann hat sie begonnen, die Fantasiekleider ihrer Kindheit nachzuschneidern – mit der Fantasie einer Feministin.

Inzwischen allerdings widmet sie sich immer mehr den Performancekünsten, die dazu noch ohne viel Textilen auskommen. Mit ihrer Kunstkollegin Marie Lienhard produzierte sie im vergangenen Jahr den Nacktkalender „Stuttgart under Construction“. Auf den Baustellenfotos posieren beide mehr oder weniger nackt. Der Kalender für 2018 ist bereits in der Produktion. „Kesselsafari“ heißt er und hat bereits einiges Aufsehen erregt. Denn diesmal hatten die beiden Künstlerinnen für die zwölf Fotoshootings über 20 Nacktmodelle um sich versammelt. „Nein, es ist nicht schwer gewesen, sie zu finden.“ In Stuttgart seien die Menschen lockerer drauf, als man glaube.

www.justynakoeke.com

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