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Der Weltkrieg aus der Zigarettenschachtel

Schon in den 1930er Jahren hat man in Deutschland kleine Bildchen gesammelt, um sie in Alben zu kleben. Beliebtes Thema war der Erste Weltkrieg.

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Die Zigarettenbildchen wurden in ein großformatiges Album eingeklebt. Um das Jahr 1930 war eines der Themen der Erste Weltkrieg, hier eine Seite über den Angriff auf Verdun.  Foto: 

Die umfangreiche Berichterstattung zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs in der BZ hat der Ingersheimer Rudi Kayser zum Anlass genommen, das Sammelalbum seines Vaters Ernst Kayser näher unter die Lupe zu nehmen. Ernst Kayser wurde am 3. August 1915 in Ingersheim geboren und gilt seit 1942 in Stalingrad als vermisst.

Hinterlassen hat er ein vollständiges Sammelalbum mit dem Titel "Der Weltkrieg", in dem auf 270 bunten Klebebildern die Kriegszeit von 1914 bis 1918 abgebildet ist. Dargestellt werden mit einem heroischen Unterton unter anderem die Ursachen und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die ersten Kämpfe, der Feldzug gegen Serbien, der Angriff auf Verdun, die Kämpfe an der Westfront, der Kampf zur See und in den deutschen Kolonien. Das Sammelalbum selbst wurde vom Cigaretten-Bilderdienst Dresden herausgegeben. Auch Reemtsma, das Haus Neuerburg und der Bilderdienst Hamburg hatten Alben im Angebot.

Die Sammelbilder hatten eine erste Blütezeit zwischen 1900 und 1910, wobei ein Verdrängungswettbewerb stattfand. Hochwertige Sammelbilder der Firmen Stollwerck, Liebig und Palmin wurden durch die weniger anspruchsvollen Zigarettenbildchen ersetzt.

Billigere Drucktechniken ermöglichten eine Massenproduktion, wobei die ersten Bilder noch in die Alben gesteckt wurden. Die Zigarettenbilder lagen den Marken Eckstein und Salem bei, nach und nach setzte sich das Klebealbum durch.

Die Alben waren meist einem bestimmten Thema gewidmet. Neben Sport waren dies etwa Film und Schauspieler, Mode, Natur, Flaggen und Uniformen, Technik und Verkehr, aber auch Volkslieder und Volkstrachten. Der Trend, kleine Bildchen aus der Zigarettenschachtel zu sammeln, setzte sich in den 1930er Jahren fort. Sammelalben, wie das von Ernst Kayser, waren jetzt mit viel Text versehen. Die teils großformatigen Bände wurden zu einem Spottpreis von einer Reichsmark unter das Volk gebracht. Die Alben-Auflagen gingen in die Millionen, die der Bilder in die Milliarden.

Nach der Machtergreifung nutzten die Nazis die Zigarettenbildchen noch zu Propagandazwecken, bis die Produktion um 1942 aus wirtschaftlichen Gründen schließlich eingestellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch sogenannte "Margarinebildchen", bis die Bundesregierung 1955 verbot, Tabakprodukten Klebebildchen beizulegen. Ab 1957 waren dann nur noch Werbemotive möglich, somit wurde den thematischen Sammelbildern und den oftmals aufwändig gestalteten Alben die Grundlage entzogen. In diese Lücke stieß das 1961 gegründete italienische Unternehmen Panini mit seinen Fußballbildchen. Da in Zeiten der Fußball-WM die Jagd nach den Klebebildern ungebrochen ist, haben Alben wie "Der Weltkrieg" ebenfalls einen Sammelwert und werden im Internet gehandelt.

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