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Dem weltberühmten Klezmer-Klarinettisten ganz nah

Für den weltberühmten Klarinettisten Giora Feidman ist es wie eine Heimkehr, wenn er in der ehemaligen Synagoge in Freudental musiziert. Vor kleinem Publikum gab er am Sonntag ein Gastspiel.

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Der weltbekannte Musiker Giora Feidman, auf dem Foto mit der Bassklarinette, gab mit dem Gershwin-Quartett ein Gastspiel im PKC.  Foto: 

Mit dem Klarinettisten Giora Feidman kam auf Einladung des Pädagogisch-Culturellen Zentrums (PKC) einer der ganz Großen der Musikgeschichte in die ehemalige Synagoge. Die platzte am Sonntagabend fast aus allen Nähten, denn so intim erlebt man den großen Künstler und Experimentalisten auf der Klarinette nur ganz selten. Gemeinsam mit dem "Gershwin Quartett" gab er ein hinreißendes Konzert.

Unsterblich ist seine Musik längst geworden. Giora Feidman selbst erfreut sich offensichtlich guter Gesundheit. Seine unbändige Leidenschaft gehört immer noch der Musik in vielen Schattierungen. Er kommt nach Freudental und hat selbst eine Riesenfreude daran, die Menschen zu erfreuen, die seine charmanten Töne inhalieren. Dazu kommt, dass der Urvater des Klezmer sich in der Synagoge in Freudental besonders heimisch fühlt und seinen Wurzeln ganz nahe ist.

Das zeigt er in jeder Sekunde seines stilistisch vielseitigen Konzerts am Sonntagabend. Gemeinsam mit dem Gershwin-Quartett läuft er zur Höchstform auf und entlockt seinem facettenreichen Instrument emotional geprägte Klangfarben, die wohl nur er in dieser Form überhaupt entwickeln kann. Unter seinen Händen bringt er die Klarinette, und das ist sein Markenzeichen, zum Lachen und Weinen, zum Schreien und Hauchen.

Sage und schreibe 55 Jahre ist es her, als Giora Feidman mit seiner Klarinette erstmals in die Welt hinauszog. Noch immer liebt er die Begegnung mit Menschen und verschmilzt mit seinen Musikerkollegen Michael Gershwin (Violine), Nathalie Ralthel (Violine), Juri Gilbo (Viola) und Dmitrji Gornowskij (Violoncello) zu einer sinnlich feingesteuerten Einheit, nicht nur im Jazzbereich, sondern auch im Klezmer und in der lateinamerikanischen Musik. Als bedeutender Interpret von zeitgenössischer Musik hat sich Giora Feidman über die Jahrzehnte zu einem Phänomen gemausert - ein Genie, das rastlos seinen Auftrag als musikalischer Friedensbotschafter sehr ernst nimmt. Die Anziehungskraft, die von ihm ausgeht, ist ungebrochen.

Nur schwer lässt sich beschreiben, was er mit seiner treuen Begleiterin beim Konzert alles anstellt. Nach Freudental bringt er durchweg besondere Arrangements mit, die seine Handschrift tragen und die natürlich auch das Quartett musikalisch zu Wort kommen lassen. Mit ihm verbindet Giora Feidman eine langjährige Freundschaft. Und immer noch hält er spürbar die Augen offen nach noch mehr Möglichkeiten, die seine Musik in ein neues Licht stellen.

Da kommt es ihm wohl sehr gelegen, dass das Gershwin-Quartett keinesfalls auf die Musik eines George Gershwin eingeschworen ist, sondern sich als wendiger Klangkörper präsentiert, der von Tango bis Klassik, von Klezmer bis hin zu einfachen, von Giora Feidman besonders geliebten Traditionals, alles mitmacht. Der Grandseigneur lässt es sich bei seinen Konzerten nicht nehmen, humorvoll in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und anderen Sprachen kleine Vorreden vor den einzelnen Werken zu halten. Oft koppelt er Friedensbotschaften und -wünsche daran. Moderne Kompositionen von Peter Breiner, Gil Aldema Sulchan Tzintzadze, Jery Bock und Violetta Parra serviert Feidman immer von persönlichem Kolorit geprägt, und schließlich lässt er seine Klarinette auch alleine singen beim Hava Naghila, wo alle mitsingen und ihn das immer wieder glücklich macht.

"Wir haben ein wunderschönes Leben und dürfen uns täglich über eine wundervolle Welt freuen", ist seine zentrale Botschaft, die ihn zu Bemühungen um den Frieden bis ins hohe Alter anheizt. Schön, dass er zwischen seinen Tourneen mit seinen verschiedenen Ensembles den Weg in die ehemalige Synagoge findet. Er hat die 90 längst überschritten und ist immer noch ein Universalgenie, von seinen kulturellen, religiösen und musikalischen Wurzeln geprägt, ein Musiker, der den Dialog sucht, auch jetzt in Freudental. Die Klarinette ist und bleibt sein Mittel zur besseren Völkerverständigung.

In PKC will ihn am Ende natürlich keiner gehen lassen, und Giora Feidman und sein Quartett freuen sich darüber. Egal wo er hinkommt, Giora Feidman versucht immer Brücken zwischen den Kulturen zu bauen. In Freudental, wo er als jüdisch-stämmiger Kosmopolit offene Türen einrennt, kann man vielleicht mit der anklingenden Renaissance der alten Klezmer-Tradition noch mehr anfangen als in den großen Konzertsälen.

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