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Dauertempo 30 auf der B 27?

Nur mäßig besucht war die Infoveranstaltung zum Lärmaktionsplan der Gemeinde. Doch das Thema ist bedeutsam: Nach der Untersuchung des Büros BS-Ingenieure hat eine durchgängige Tempo-30-Reduzierung Chancen auf Erfolg.

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Bis zu 17 659 Fahrzeuge wurden täglich auf der B 27 gezählt, ein Durchschnittswert, der auch Samstage, Sonntage und Feiertage umfasse, wie Bürgermeister Uwe Seibold erklärte. Davon entfallen auf den besonders lauten Schwerverkehr über 3,5 Tonnen zwischen 5,4 und 7,2 Prozent. Ähnlich sieht es an der Max-Eyth-Straße Richtung Autobahn aus: 14 850 bis 16 450 Fahrzeuge fahren hier täglich, allerdings hätte dort eine Tempobegrenzung keine Chance, da kaum Wohnbebauung vorliegt. Nach der EU-Richtlinie über die Bekämpfung von Umweltlärm müssen von den betroffenen Kommunen Lärmaktionspläne erstellt werden, bei denen auch eine Förderung winkt: Lärmschutzwände, Fassadendämmung und Lärmschutzfenster werden bis zu 75 Prozent gefördert.

"Die Notwendigkeit zur Lärmminderung ist eindeutig", so Wolfgang Schröder von BE-Ingenieure. An 57 Häusern wurden Werte zwischen 70 und 75 Dezibel gemessen, an 155 Häusern Werte zwischen 65 und 70 Dezibel. Helfen könnten straßenbauliche Maßnahmen wie eine Umfahrung, eine Tempobegrenzung, aktiver Lärmschutz wie eine Lärmschutzwand, passiver Lärmschutz wie Druckluftfenster oder tangierende Maßnahmen wie ein neuartiger Flüsterasphalt.

Eine Umfahrung komme aus topografischen Gründen kaum in Frage und sei von der Kosten-Nutzen-Rechnung her schwer zu rechtfertigen, so der Ingenieur. Sollte Kirchheim daher als erste Gemeinde im Landkreis an der B 27 Tempo 30 bekommen? So richtig wohl war den Beteiligten bei diesen Aussichten nicht.

Was, wenn sich der Verkehr dann auf die Parallelstraßen durch den Ort verlagert, wollte ein Fragesteller wissen. Möglichkeiten für Schleichwege gebe es in Kirchheim, und sie würden auch heute bereits genutzt, so Bürgermeister Seibold. Ob die Lautstärke bei Tempo 30 im niedrigen Gang nicht höher sei und mehr Emissionen bedeute, wollte ein weiterer Bürger wissen. Verneinen konnte das keiner der Experten, man setze bei der Untersuchung einen stetigen langsamen Verkehrsfluss voraus, der den Lärm reduziere. Der würde an Ampeln aber enden, wo gebremst und wieder angefahren werden muss.

Dass die anvisierte Zone zwischen Fron- und Brackenheimer Straße nördlich an einer Ampel landet, wo wieder stark beschleunigt wird, war ein weiterer Kritikpunkt. Müssen die Autofahrer zwischen Heilbronn und Stuttgart nun erstmal an der B 27 durch eine der Tempo-30-Zonen, bei denen das Land Baden-Württemberg bundesweit Spitzenreiter ist? Zunächst muss der Gemeinderat darüber diskutieren und einen entsprechenden Beschluss fassen, der dann von der Straßenverkehrsbehörde beim Landratsamt geprüft werden müsste, so Wolfgang Schröder zum weiteren Verfahren.

 

Ein Kommentar von Jürgen Kunz: Nicht nur herumdoktern

Die Kirchheimer sind nicht zu beneiden. Die B 27 macht Lärm, stört die Entwicklung der Gemeinde und sie ist hässlich. Mit einem Lärmaktionsplan müssen sich nun die Kommunalpolitiker beschäftigen, und bei allen zurzeit umsetzbaren Lösungsansätzen handelt es sich zwangsweise um Stückwerk. Aktiver und passiver Lärmschutz wird die Bewohner an der stark befahrenen Ortsdurchfahrt sicherlich entlasten, die Auswirkungen eines Dauertempolimits auf 30 Stundenkilometer sind nicht klar zu benennen. Denn fast 18 000 Fahrzeuge, darunter ein erheblicher Anteil Schwerverkehr, auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren, verlängert die Fahrzeit durch die Gemeinde und macht ein Herunterbremsen sowie ein Beschleunigen notwendig mit mehr Ausstoß von Schadstoffen und mehr Motorenlärm. Dass ein solches Tempolimit einen Verkehrsinfarkt auf der stark befahrenen Strecke zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen bewirkt, scheint nahezu unvermeidlich. Eigentlich gibt es für den Kirchheimer Problemfall nur eine große Lösung: die Umfahrung. Doch die wird es wohl aus finanziellen Gründen mittelfristig nicht geben.

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