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Das fünfte Buch mit "R"

"Rauken", "Rosenhain", "Remis", "Rohlinge" und jetzt "Refugium". Nach vier Jahren erscheint der fünfte Roman der Markgröninger Schriftstellerin Claire Beyer. Es geht ums Verschwinden - in jeglicher Hinsicht - in dem höchst lyrischen Prosaband.

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Claire Beyer auf dem Marktplatz in ihrer Wahlheimat, wo sie auch zum ersten Mal ihren neuen Roman "Refugium" der Öffentlichkeit vorstellte. Foto: Werner Kuhnle

Nach ihrem zehnten Buch, versprach Claire Beyer ihrem Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt bei der Präsentation von "Refugium", will sie das Geheimnis der Wörter mit "R" lüften. Denn es gibt tatsächlich einen Grund, warum die Buchtitel der Markgröninger Schriftstellerin mit "R" anfangen. Aber verraten will sie ihn nicht. "Da müssen sie sich aber beeilen mit dem Schreiben", unkte der Verleger nicht sehr charmant mit der 66-Jährigen. Was aber das Interessanteste ist: Claire Beyer findet immer ein Wort mit R, das in einem Wort genau das beschreibt, was im Roman gesagt wird.

Vier Jahre dauerte es nach ihrem letzten Roman "Rohlinge", bis "Refugium" erschien und nun in der Wahlheimat der Schriftstellerin, die im Herzen Markgröningens, im Wimpelinhaus, lebt, im Spital vorgestellt wurde. Mit ihren "R"-Büchern hat sich die Autorin bis in die oberste Riege der deutschen Literatur hochgeschrieben, verdientermaßen, denn alle sind sie "brillant geschrieben, grandios und großartig", so sagt Literaturkritikerin Elke Heidenreich. "Rohlinge" wird im Deutschunterricht für fortgeschrittene Ausländer als Material verwendet, weil "die Sprache so schön ist", so eine Lehrerin.

"Refugium" kommt so ganz anders daher als die anderen vier, auch wenn Daniel aus "Rohlinge" kurz darin auftaucht. Gleich ist auch, dass Claire Beyer wieder dem ganzen Buch einen Überbegriff gibt: In "Rohlinge" war es die Heimat, in "Remis" die Erinnerung , in "Rosenhain" geht es um die Sinne und in "Rauken" um die Verlogenheit einer Gesellschaft. Und jetzt ist es das Verschwinden. Verpackt in einen Roman, der so spannend ist wie ein Krimi, aber keiner ist und geschrieben in einer Sprache, die "an die Hermann Hesses herankommt", so Joachim Unseld.

Inspiriert wurde Claire Beyer durch zwei lange Aufenthalte in Nordschweden, in der Nähe einer Autoversuchsstrecke für deutsche Automobilfirmen. Das skandinavische Land ist zum ersten Mal Schauplatz einer ihrer Romane. Auf langen Spaziergängen durch die Schneelandschaft überlegte sie sich, was passiert, wenn einer der Testfahrer sich einen der "Erlkönige" nimmt und spurlos damit verschwindet. Und dann ging sie das Buch an, wie sie ein Buch immer angeht: Sie erfindet sich Figuren, verpasst ihnen eine Biografie, und "lasse sie auf die Welt kommen", wie sie sagt. Dann geht es darum, "die richtigen Worte zu finden". Über manchen Formulierungen sitzt Claire Beyer zwei Wochen. "Refugium" ist stark dialogisierend geschrieben.

Drei Personen stehen im Mittelpunkt und entwickeln ihre eigenen Geschichten, so dass das Verschwinden des Testfahrers zwar Mittel zum Zweck ist, aber bald selbst verschwindet. Dafür geht es um andere Arten des Verschwindens: um Demenz, um das Verschwinden des Volkes der Samen, den Untergang von Inseln - Verschwinden also in seinen vielen Facetten. Verlustängste werden wach in dem Buch, das wie immer bei Claire Beyer einen leisen, melancholischen Grundton hat und sehr poetisch ist. Ein Beispiel: "Male die Sonne", sagt ein Mädchen zur Hauptperson Claudia. "Die ist aber verschwunden", sagt Claudia. "Das ist doch nicht schlimm, mal einfach den Himmel, der ist immer und überall da", strahlte das Mädchen. Das zeigt Claire Beyers 30-jährige Beschäftigung mit der Lyrik, in der "ich um jedes Wort kämpfte und so mache ich es auch in den Romanen".

Claire Beyer erzählt von dem, was nicht gesagt wurde. Da steht die Wahrheit, die in einem Gespräch zutage hätte kommen können, der Angst gegenüber, den anderen zu verlieren. Spannungsvoll ist der Erzählbogen, der durch die Sprache eine Faszination bekommt, die nur durch die Landschaftsbeschreibung übertroffen wird. Einer Landschaft, "die nur darauf wartet, dass Wärme den Schnee schmelzen lässt." So wie Beyers Buch das Herz seiner Leser schmelzen lässt.

Info Claire Beyer, "Refugium", Frankfurter Verlagsanstalt, 19,90 Euro.

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