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CDU-Siege mit Wermutstropfen

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  • Eberhard Gienger (Vordergrund, zweiter von links) kann ebenfalls wieder ohne Umwege in den neuen Bundestag einziehen. Auch bei ihm war jedoch die Freude über den Wahlausgang getrübt. 1/4
    Eberhard Gienger (Vordergrund, zweiter von links) kann ebenfalls wieder ohne Umwege in den neuen Bundestag einziehen. Auch bei ihm war jedoch die Freude über den Wahlausgang getrübt. Foto: 
  • Steffen Bilger (rechts) zieht für den Wahlkreis Ludwigsburg wieder das Direktmandat – aber mit deutlichen Verlusten.  2/4
    Steffen Bilger (rechts) zieht für den Wahlkreis Ludwigsburg wieder das Direktmandat – aber mit deutlichen Verlusten. Foto: 
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Ausgelassene Wahlpartys sehen anders aus: Bei den CDU-Kandidaten für die Wahlkreise Ludwigsburg und Neckar-Zaber wollte der Siegesjubel am Wahlabend nicht so recht aufbranden – nicht nach den ersten Hochrechnungen auf Bundesebene und auch nicht, als feststand, dass Steffen Bilger und Eberhard Gienger erneut mit einem Direktmandat aus ihren Wahlkreisen ausgestattet wurden. Zu hoch waren die Verluste für die CDU bei den Erst- wie bei den Zweitstimmen und zu erschreckend aus CDU-Sicht die Erfolge der AfD auch in den CDU-Hochburgen im Landkreis Ludwigsburg. Bilger sprach in einer ersten Reaktion gegenüber der BZ von einem Denkzettel für die Koalition, was er durchaus auch auf sein eigenes Wahlergebnis in Ludwigsburg bezog

In beiden Wahlkreisen bleibt die CDU zwar mit Abstand stärkste Kraft, ist aber nach dem Höhenflug bei der Wahl 2013  auf Normalmaß zurückgestutzt worden. Bei den Erststimmen hat Eberhard Gienger die vor vier Jahren hinzu gewonnenen 11 Prozentpunkte wieder abgeben müssen. Bei den Zweitstimmen in seinem Wahlkreis sieht es nicht viel besser aus. Steffen Bilger musste ähnliche Verluste hinnehmen.

Hinter Bundesergebnis

In den Auswirkungen noch desaströser fällt das Ergebnis in den beiden Wahlkreisen für die SPD aus. Weder in Neckar-Zaber noch in Ludwigsburg konnten die Sozialdemokraten die 20 Prozent halten und blieben somit auch noch weit hinter dem Bundesergebnis zurück.

Wahlgewinner in beiden Wahlkreisen sind eindeutig die kleineren Parteien, allen voran die AfD. Die Rechtsaußen-Partei, die bereits im baden-württembergischen Landtag vertreten ist, kam bereits vor vier Jahren in den beiden heimischen Wahlkreisen über 5 Prozent. Diesmal liegt sie im Wahlkreis Ludwigsburg leicht unter und im Neckar-Zaber leicht über dem Bundesschnitt.

Die beiden Wahlkreiskandidaten Marc Jongen und Martin Hess aus Bietigheim-Bissingen waren über die Landesliste ihrer Partei abgesichert und ziehen somit ebenfalls in den neuen Bundestags ein.

Darauf kann möglicherweise auch Stefanie Knecht, FDP-Bewerberin im Wahlkreis Ludwigsburg hoffen. Bis Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob es für sie für ein Mandat reicht. Insgesamt hat sich die FDP aber als starke politische Kraft auch in der Neckarregion zurückgemeldet. In beiden Wahlkreisen ist sie wieder mit 14 bis 15 Prozent drittstärkste Kraft geworden und konnte entgegen dem Bundestrend die AfD hinter sich lassen.

Auch die Grünen können zufrieden sein. Sie kletterten in beiden Wahlkreisen über das Ergebnis von 2013 und fuhren mit 12,5 Prozent Erststimmen für Catherine Kern in Neckar-Zaber einen Achtungserfolg ein.

Am deutlichsten gewonnen hat die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Neckar-Zaber. Sie lag mit 81 Prozent fast 4 Prozentpunkte über dem Ergebnis von 2013.

Alle weiteren Artikel der BZ zur Bundestagswahl gibt es im Schwerpunkt „Bundestagswahl“.

Quittung für die Langeweile

Der Landkreis Ludwigsburg wird im neuen Bundestag wieder mit vier (möglicherweise auch fünf) statt mit zwei Abgeordneten vertreten sein. Eine gute Nachricht ist das nicht, weil zwei von ihnen, Marc Jongen und Martin Hess, einer rechtsnationalen, in Teilen antidemokratischen und ausländerfeindlich-populistischen Partei angehören. Sie schafften den Einzug in den Bundestag über die Landesliste der AfD, haben aber auch bei den Erststimmen beachtliche Anteile erzielt. Trotzdem: Viel sollten die Bürger von den Neulingen in deren Wahlkreisen nicht erwarten. Der AfD-Kandidat für Neckar-Zaber hat keinen Bezug zur Region, ließ sich da nur selten sehen und verbrachte den Wahl­abend in Berlin. Der Philosoph mit dem Intellektuellen-Image ist mit dem Populismus seiner Partei nach oben gespült worden und nicht etwa, weil er sich für seinen Wahlkreis interessiert hätte.

Erststimmen-Sieger sind wieder die CDU-Männer Eberhard Gienger und Steffen Bilger. Glücklich waren sie darüber am Wahlabend angesichts des Gesamtergebnisses ihrer Partei nicht. Zwar scheint ihr Erststimmenerfolg in Stein gemeißelt, aber der Aufstieg der AfD auch in ihren Wahlkreisen muss sie alarmieren. Die CDU-Ergebnisse stehen auch in der ewigen Union-Hochburg und trotz zarter Abnabelungsversuche Giengers von der Kanzlerin für die bleierne und von zu vielen mit einer Protestwahl quittierten Langeweile der großkoalitionären Bundespolitik. Das trifft SPD-Herausforderer Thomas Utz noch viel härter. Der konnte sich zu keiner Zeit Chancen auf ein Mandat machen, obwohl sich Ex-Turner Gienger im Wahlkampf keineswegs besser verkaufte als Utz, der nicht zuletzt auf dem Wahlforum der BZ eine überraschend gute Figur abgab, themensicher, kämpferisch und rhetorisch klug auftrat. Um so bitterer ist es für ihn, dass ihn die Bundes-SPD darüber hinaus völlig im Stich gelassen hatte (siehe Wahlkampf-Analyse auf Seite 11). Auch das kein neues Phänomen. Die SPD will es offenbar nicht anders, sollte aber zumindest darauf achten, dass ihr Nachwuchstalent nun nicht in der Parteiversenkung verschwindet.

In einer Zeitungsanzeige hat Eberhard Gienger zugesagt, dass er die laufenden Initiativen wie den Ausbau des schnellen Internets, der A 81 oder Lärmschutzmaßnahmen entlang der Bahnstrecken „fortsetzen und vollenden“ möchte. Der ihm mit Abstrichen, aber erneut entgegen gebrachte Vertrauensbeweis versetzt die Menschen in Neckar-Zaber nun in die Lage, ihn in den kommenden vier Jahren an diesem Versprechen messen zu können – in welcher Regierungskoalition auch immer.

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