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BZ-Jahresgespräch: Ein Mundelsheimer bei Olympiade?

Zufrieden mit 2015 äußert sich der Mundelsheimer Bürgermeister Holger Haist. Ins neue Jahr blickt er wegen der Flüchtlingsproblematik jedoch mit etwas Sorge, freut sich aber über die mögliche Olympiateilnahme eines Mundelsheimers.

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Der Blick aus dem Mundelsheimer Rathaus auf die Kirche und die Ortsdurchfahrt.  Foto: 

In der Gesamtbilanz 2015 des Mundelsheimer Bürgermeisters Holger Haist darf die Georg-Hager-Schule auf keinen Fall fehlen. Seit Beginn des laufenden Schuljahres arbeitet die Schule als Ganztagsgrundschule, an der die Kinder ein Mittagessen bekommen. Mit über 60 teilnehmenden Kindern sei die Resonanz bei Schülern und Eltern äußerst positiv.

"Dankbar und stolz" ist Holger Haist darüber, dass auch das örtliche Angebot der Kindergärten genau der Nachfrage bei den Eltern entspreche. Dies sei ein Verdienst der früheren Hauptamtsleiterin Lisa Sieber. Erwähnenswert findet der Bürgermeister, dass 2015 mit den Sanierungsarbeiten am vom Einsturz bedrohten Großbottwarer Tor, dem Wahrzeichen der Gemeinde, begonnen wurde. Das ebenfalls baufällige Torhaus soll erst später renoviert werden.

Nicht alles hat im Sinne der Mundelsheimer funktioniert. So zerschlug sich die Hoffnung, am geplanten Industriegebiet Holzweiler Hof partizipieren zu können, das zum Teil auf Mundelsheimer Markung gelegen hätte. Der Verband Region Stuttgart hat den Standort aus seinen Überlegungen gestrichen. Dennoch sei Mundelsheim über den Zweckverband Industriegebiet Besigheim gut mit Industrieflächen versorgt, meint Holger Haist.

Die wichtigste Investition 2015 steht vorerst nur auf dem Papier. Zwar hat der Gemeinderat bereits beschlossen, für rund eine halbe Million Euro das Mundelsheimer Freibad zu sanieren, Aufträge werden aber erst 2016 erteilt. Zur Badesaison 2017 soll alles fertig sein.

Bereits 2014 hatte man in der Lindenstraße Mundelsheims größtes Straßensanierungsprojekt seit vielen Jahren gestartet. 2015 konnte die von einer heimlichen Ortsdurchgangsstraße in eine Wohnstraße zurückgebaute Lindenstraße der Öffentlichkeit übergeben werden. "Mehr als eine Großmaßnahme pro Jahr können wir nicht schultern, obwohl wir Bedarf für vieles hätten", erklärt dazu der Bürgermeister. "Wir orientieren uns eben an den finanziellen Möglichkeiten."

Die Haushaltslage zum Jahresende beurteilt Bürgermeister Holger Haist als gut, verglichen mit früheren Jahren, als man auch schon mal ins Minus geriet oder die Rücklagen angreifen musste. Damit so etwas in Zukunft nicht wieder passiert, hat die Gemeinde Mundelsheim 2015 einen Kredit von einer halben Million Euro aufgenommen, um die Rücklagen zu schonen. Die historisch niedrigen Zinsen haben die Gemeinde zu diesem Schritt ermutigt. Generell sei man aber dabei, Schulden kontinuierlich abzubauen, versichert Haist, der die Mundelsheimer Haushaltspolitik als "im Positiven konservativ" charakterisiert.

Die wichtigsten Projekte 2016 sind denn auch schnell aufgezählt. Das Mundelsheimer Topthema wird die Freibadsanierung sein. Daneben plant die Gemeinde den Neubau eines Kanals am Wertweg, um endlich der Fremdwasserproblematik Herr zu werden. In der Kläranlage kommt zu viel Wasser an, das dort nicht hingehört, weshalb Mundelsheim vom Landratsamt schon mehrmals angemahnt wurde.

Die Aussichten für 2016 verheißen den Mundelsheimern mehrere Vereinsjubiläen - 110 Jahre Musikkapelle und 60 Jahre Sportschützenverein - und können mit etwas Glück geradezu olympisch werden. Denn Mundelsheim verfügt mit dem jungen Sportschützen André Link über einen potentiellen Olympiateilnehmer. Wenn sich der frühere Juniorenweltmeister und letztjährige Weltcupsieger unter vier Schützen qualifiziert, kann er einen von zwei Olympiaplätzen einnehmen und nach Rio de Janeiro fahren. Das wäre, so Holger Haist, das sportlich größte Highlight, das je aus der Bürgerschaft hervorging.

Die Gemeinde wird das 50-jährige Jubiläum ihrer Georg-Hager-Schule, benannt nach einem früheren Bürgermeister, feiern. Das Jubiläum fällt ausgerechnet in das Jahr, in dem die Werkrealschule endgültig aufgelöst wird. Ihre letzten Schüler haben die Schule schon im vergangenen Jahr verlassen. Seither ist sie nur noch eine Grundschule.

Die persönlichen Erwartungen 2016 des Bürgermeisters sind geprägt von einschneidenden Personalveränderungen in seiner Administration. Lisa Sieber hat ihre Stellung als Hauptamtsleiterin bereits zugunsten der Elternzeit aufgegeben. Ihr Nachfolger kommt zum 1. Februar. Kämmerer Martin Braunbeck geht im Herbst in den Ruhestand, nach 35 Jahren im Dienst der Gemeinde Mundelsheim, davon 30 Jahre als Kämmerer. Seine Nachfolgerin Ina Grausam hat ihre Tätigkeit in Mundelsheim schon vor einigen Monaten begonnen. Für Holger Haist ist der Wechsel auf den beiden wichtigsten Amtsleiterstellen in seinem Rathaus "schon etwas Besonderes".

Als Sorgenkind der Gemeinde beziehungsweise als "Sorgenthema" sieht Haist die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber in Mundelsheim. Momentan sind es zwar nur 14 Personen, aber im Laufe des Jahres erwartet man in Mundelsheim zwischen 50 und 80 weitere Flüchtlinge.

"Wir müssen Gebäude kaufen, Gebäude sanieren und Gebäude möblieren", sagt Haist und erklärt die nächsten Aufgaben. Denn Bürgermeister und Gemeinderat sehen die Chance, in gemeindeeigenen Gebäuden so viele Aufnahmeplätze schaffen zu können, "dass es uns zumindest vorübergehend reicht". Über Modulbauten für Flüchtlinge, wie sie andernorts geplant und gebaut werden, denkt man in Mundelsheim zumindest noch nicht nach.

Sorgenvoll blickt Haist auf die fehlende soziale Betreuung der Zuwanderer: "Wir können als Gemeinde keine Sozialarbeit leisten." Es gibt auch in Mundelsheim ehrenamtliche Helfer, die unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde einen Freundeskreis Asyl gebildet haben. Das ändert jedoch nichts an dem Gesamteindruck, den Haist in Richtung Bund und Land vermitteln möchte: "Als Gemeinden werden wir sehr allein gelassen."

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