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Briefe an Marcel Reich-Ranicki in Marbach

Am Mittwoch starb Deutschlands bekanntester Literaturkritiker, Marcel Reich-Ranicki. In sieben Kästen lagert seit 2003 schon die gesamte Korrespondenz des Literaten im Deutschen Literaturarchiv in Marbach.

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Marcel Reich-Ranickis Korrespondenzen liegen seit zehn Jahren im Marbacher Deutschen Literaturarchiv.  Foto: 

. So entstehen Falschmeldungen: Im Radio wurde gestern mitgeteilt, dass der schriftliche Nachlass des großen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki nach Marbach ins Deutsche Literaturarchiv geht, während seine Bibliothek nach Marburg kommt.

Falsch: Der Nachlass war ein Vorlass und ist schon längst in Marbach. Seit 2003 lagert einer der größten Briefwechsel mit Schriftstellen der Nachkriegszeit in den Tiefen des Marbacher Archivs. Schon vor zehn Jahren hat Marcel Reich-Ranicki höchst persönlich mit einer schriftlichen Vereinbarung darüber bestimmt, wohin die Briefe gehen sollen und hat den größten Teil als Vorlass auch noch selbst nach Marbach bringen lassen.

Laut Ulrich von Bülow. Leiter der Archivabteilung im Deutschen Literaturarchiv, kommen nun, nach Reich-Ranickis Tod, eventuell wohl nur noch wenige Briefe nach, da der Verfasser zu Lebzeiten dafür gesorgt hat, dass sein aktueller Briefwechsel möglichst bald ins Archiv kommt. "Noch habe ich keine Kenntnis davon, ob wir noch etwas aus dem Nachlass bekommen", so von Bülow.

Eine große Überraschung war die Tatsache, dass der Literaturkritiker wollte, dass die Briefe nach Marbach kommen, aber nach Ulrich von Bülow nicht. "Hier werden sie professionell behandelt und aufbewahrt, Reich-Ranicki war oft hier in Marbach zu Gast, bei Veranstaltungen und im Archiv, er wusste von unserer sorgfältigen Professionalität, es ist aber trotzdem eine Ehre, diesen einzigartigen Schatz bei uns zu haben", so von Bülow.

Denn es handelt sich um sieben große Archivkästen voller Briefe an Reich-Ranicki und zwar von Schriftstellern, von denen der Adressat wusste, dass deren Nachlässe ebenfalls im Marbacher Archiv gelagert werden. So findet man beispielsweise die Briefe von Martin Walser bei Reich-Ranicki und umgekehrt. Eine Besonderheit weist der Nachlass auf: Reich-Ranicki hatte alle unwichtigen Schriftstücke wie Einladungen oder Honorarvereinbarungen entsorgt, so dass es im Nachlass nur um den Inhalt der Briefe geht. "Die Kästen sind ein Who is Who der Nachkriegsliteratur", schätzt von Bülow den Wert ein. Umfangreiche Brieffolgen dokumentieren die Korrespondenz mit Jurek Becker, Wolf Biermann, Heinrich Böll, Günther Grass, Ulla Hahn, Peter Härtling, Rolf Hochhuth, Walter Jens, Sarah Kirsch oder Siegfried Lenz.

Info In der Dauerausstellung des Deutschen Literaturarchivs auf der Marbacher Schillerhöhe sind einige Briefe von Marcel Reich-Ranicki ausgestellt.

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