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Beratung über Baugesuch eskaliert

Wilder Westen oder Bauerntheater? Futterunterstände für Pferde sorgten jetzt für Zoff im Gemeinderat. Ein Mitglied der Ratsrunde fühlte sich persönlich bedroht.

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Der Betreiber einer Pferdepension hatte ein Baugesuch eingereicht, demzufolge er auf seiner "Ghost Rider Ranch", der auch ein "Reiterstüble" angeschlossen ist, einen Futterunterstand für zehn Pferde errichten wolle. Außerdem solle ein bestehender Offenstall um einen überdachten Futter- und Putzplatz erweitert werden. Das Pikante an der Angelegenheit: Alles, was er beantragt hatte, steht bereits. Die Verwaltung empfahl dem Gemeinderat dennoch die nachträgliche Zustimmung, da der Antragsteller die nach dem Baugesetzbuch notwendige Privilegierung für Bauvorhaben im Außenbereich nachweisen könne.

Das rief Gemeinderat Frank Tiedemann auf den Plan und ans Telefon. Er erkundigte sich im Landratsamt, ob mit der Privilegierung des Antragstellers alles seine Richtigkeit habe. Als Antwort bekam er ein klares Ja. Dass der Bauherr seine Pläne ohne Genehmigung verwirklicht habe, ändere nichts an der "materiellen Zulässigkeit" seines Vorhabens. Bauen ohne Genehmigung könne allerdings mit einem Bußgeld geahndet werden.

Tiedemann zeigte sich in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend keineswegs besänftigt. Er lehne das Baugesuch aus moralischen Gründen ab und gab sich als Verfechter der Gerechtigkeiten: "Denn es ist ein Schlag ins Gesicht derer, die ihre Bauvorhaben erst genehmigen lassen und dann bauen." Nicht zum ersten Mal sei der Bauherr dadurch aufgefallen, so der Gemeinderat, dass der Reitstallbesitzer ohne Genehmigung gebaut habe. Auch Bürgermeister Rainer Schäuffele missbilligte die Vorgehensweise des Bauherrn und sprach die Erwartung aus, dass die Baubehörde in Ludwigsburg hier etwas genauer hinschauen werde.

Seinen Versuch, die öffentliche Debatte über den Fall schnellstmöglich zu beenden, machte Vincenzo Basile zunichte. Der scheidende Gemeinderat sprang Tiedemann zur Seite und forderte eine deutliche Rüge des Bauherrn von Seiten der Verwaltung.

Letztlich wagte sich auch noch der Bauherr, der die Debatte von den Zuschauerplätzen aus verfolgt hatte, aus der Deckung. Er beteuerte, dass es im Grunde nur darum gehe, eine bereits genehmigte Anlage von einem Grundstück auf ein anderes zu versetzen.

Tiedemann wurde zornig. Hochroten Kopfes schleuderte er dem Pferde-Rancher entgegen: "Die hast du doch auch zuerst gebaut und dann erst genehmigen lassen." Besänftigende Worte des Schultes verfehlten ihre Wirkung. Der "bäuerliche Showdown" nahm seinen Lauf. Während das Gremium bei einer Gegenstimme - der von Tiedemann - das Vorhaben nachträglich absegnete, rauschte der Bauherr aus dem Ratssaal. "Wir sehen uns noch", zischte er im Hinausgehen seinem Widersacher Tiedemann zu und tippte ihm auf die Schulter.

Schäuffele hatte derweil bereits den nächsten Tagesordnungspunkt aufgerufen und wurde erst durch Basile gebremst, der die Szene beobachtet hatte. "Das ist nicht in Ordnung. Darüber sollten wir nicht hinwegsehen", mahnte er den Bürgermeister und die schweigende Mehrheit. Tiedemann forderte, die Drohung ins Protokoll aufzunehmen.

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