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Bayrischer Barde mit Autofahrer-Tourette

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Michael Fitz bei seinem Auftritt im Bönnigheimer Kulturkeller.  Foto: 

Er habe in ausverkauften Häusern jenseits des Weißwurstäquators oft ein schlechtes Gewissen, bekennt der gebürtige Münchner Michael Fitz zu Konzertbeginn. Grund dafür sei die Tatsache, dass das komplette Programm in seinem Heimatidiom gehalten sei. Für das Bönnigheimer Publikum im rappelvollen Kulturkeller am Burgplatz war das kein Problem: 95-prozentig sei das Verstehen, riefen ihm die Zuhörer auf Nachfrage entgegen.

In seinem mittlerweile neunten Soloprogramm offenbart Michael Fitz berührende, private, ja fast intime Einblicke in seine ganz eigene Welt und braucht dafür keinerlei Brimborium: Lediglich fünf Gitarren aus seiner großen Sammlung und seine charakteristische Stimme – im Gesang noch wandelbarer als beim Sprechen – reichen dem vielseitigen Künstler aus, um sein Publikum zu verzaubern.

Und so erzählt er in seinen Kompositionen, die oft poetisch-melancholisch, mal zupackend-volkstümlich sind, mal die Sehnsucht des Flamencos transportieren oder die Wehmut des Blues, aber immer von einer außerordentlichen Virtuosität gekennzeichnet sind, von den großen und kleinen Dramen des Alltags, von der „Willkommenskultur“, die die Deutschen im vergangenen Jahr und ihn, mit Verspätung, erst in diesem Jahr beschäftigt hat, und von den Kirschen in Nachbars Garten, die er als „kloaner Bub“ geliebt hat (in „Hinterm Zaun“), von zugefrorenen Gewässern („Aufs Eis“) und erstarrten Gefühlen und „von den wichtigen und unwichtigen Dingen in langjährigen Beziehungen“. „I kumm ned weida und Du kummst nimma weg. Du suachst an Schatz und I woas koa Vasteck“ singt, flüstert, lamentiert und beschwört Michael Fitz in „Schleidasitz“.

Der Carlo aus dem Tatort

Zwischen den Songs plaudert der bayrische Barde, der sich schon vor Jahren von seinem Alter Ego Carlo Menzinger, dem „dritten Mann“ im Münchner Tatortteam verabschiedet hat und mittlerweile von seiner Musik lebt, über dies und das, grantelt über die postfaktische Epoche mit ihren selbstverliebten Politikern, erzählt von seinen vielen Auftritten, die ihn in alle bundesrepublikanischen Winkel führen („auf Fehmarn bin ich vor lauter Ur-Fehmarnaranern, oder wie das heißt, aufgetreten und die haben mich auch verstanden“) und bekennt sich zu einer Krankheit, die in allen Bevölkerungsschichten vorkomme:  „Ich habe Autofahrer-Tourette“, witzelt der Liedermacher mit dem Hang zur darstellenden Kunst und führt den Zuschauern im Kulturkeller den Dialog zwischen ihm und der Gattin vor, der sich im vergangenen Jahr auf einer langen, langen Fahrt nach Italien („Schon vor dem Brenner gab’s Zoff!“) zugetragen hat.

Die verbalen Entgleisungen konnte die Frau dann mit sehr leiser Stimme und mantrahaft vorgetragenen Beschwörungen kurieren. „Du bist der beste Autofahrer Deutschlands sagte sie eins ums andere Mal und ich schwebte fortan auf einer Welle der Sanftmut!“

Ob Michael Fitz diesen Titel verdient, bleibt dann doch Frau Fitz überlassen. Dass der Songpoet und Geschichtenerzähler zu den ganz Großen seiner Zunft gezählt werden darf, zeigte das Konzert in Bönnigheim: Die Songs des Liedermachers der alten Schule trafen den Nerv der Zeit und gefielen den Zuhörern ausnehmend gut.

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