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Die Bahn entschädigt Fahrgäste

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Die Proteste zeigen offenbar Wirkung: Nach monatelangem Gezerre hat die Deutsche Bahn nun angekündigt, zumindest einige Fahrgäste auch im Landkreis wegen der Zugausfälle und Verspätungen zu entschädigen. Wie die DB Regio Baden-Württemberg an diesem Donnerstag mitteilte, erhalten Inhaber einer Jahreskarte der Rems- und Frankenbahn zwischen Stuttgart und Würzburg den Gegenwert eines Monatspreises gutgeschrieben. Das betrifft unter anderem Fahrgäste, die in Walheim, Besigheim oder in Bietigheim zusteigen.

Aufgrund der derzeitigen Situation habe sich die DB Regio entschlossen, insgesamt rund 1600 Stammkunden mit einem Jahresabo einen Reisegutschein im jeweiligen Gegenwert zukommen zu lassen. Wie hoch der Monatspreis eines Jahresabonnements ist, hängt von der Länge der gebuchten Strecke ab. Insgesamt aber rechnet man bei der Bahn mit einem „mindestens sechsstelligen Betrag“, den der Konzern in der Summe, auf alle betroffenen Fahrgäste gesehen, berappen muss. Das bestätigte am Donnerstagabend ein Sprecher der Bahn auf BZ-Nachfrage.

Um die Entschädigung zu erhalten, müssen die Pendler erst einmal nichts tun. Laut dem Bahnsprecher sind in diesen Tagen Schreiben an die Kunden unterwegs, die darauf hinweisen, wie die Entschädigung eingesetzt werden kann: Die Fahrgäste können diese unter anderem aufrechnen auf das nächste Jahresabo oder sie können sich dafür im selben Gegenwert zum Beispiel eine längere Bahnreise buchen lassen. Einschränkend gilt: Die Entschädigung gilt nicht für alle Pendler, sondern nur für die, die auf die Nutzung der betroffenen Regionalzüge angewiesen sind, bestätigt der Bahnsprecher.

Ministerium drängt auf mehr

Die Stammkunden mit einem Jahresabo auf der Rems- und der Frankenbahn sind auf die Nutzung der Regionalverkehrszüge angewiesen, da sie nicht auf die S-Bahn oder Fernverkehrszüge ausweichen können, bestätigt die Bahn. „Sie waren daher von den Unregelmäßigkeiten in besonderer Weise betroffen“, heißt es von Seiten des Konzerns. „Unsere derzeitige Qualität auf diesen Linien entspricht nicht den Erwartungen unserer Kunden und auch nicht dem Anspruch, den wir selbst an uns stellen“, so David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Baden-Württemberg.

„Das Verkehrsministerium begrüßt die unternehmerische Entscheidung der DB Regio zu dieser Entschuldigungsaktion. Die Auswahlkriterien für den Kundenkreis, der die Erstattung erhalten wird, sind für uns nachvollziehbar“, lässt sich Verkehrsminister Winfried Herrmann in der Mitteilung zitieren. „Wir setzen nun darauf, dass die angekündigten Bemühungen rasch greifen, um im Interesse der Fahrgäste zeitnah einen pünktlichen und vertragsgemäßen regionalen Zugverkehr anzubieten.“

Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler sieht in dem Angebot der Bahn einen „gewissen Trost“, wie er der BZ sagt. Zumindest für die Inhaber eines Jahresabos. Für den Rest der Pendler, die unter Verspätungen zu leiden haben, sei kein Trost zu erkennen. „Die Ausfälle und Verspätungen waren dann in einem solchen Ausmaß, dass sogar die Bahn sagt, da muss man etwas tun.“ Vielleicht habe auch der Druck, den unter anderem die Bürgermeister der betroffenen Kommunen Kirchheim, Walheim und Besigheim erzeugt hätten, gefruchtet.

Als Hauptursachen für die Verspätungen gelten unter anderem ein veraltetes Stellwerk nach Stuttgart sowie die eingleisige Strecke bei Möckmühl, bei der Züge oft warten müssen (die BZ berichtete).

Auch der Walheimer Schultes Albrecht Dautel ist noch lange nicht zufrieden: „Mir wär’s lieber, die Bahn würde sagen, dass die Zugausfälle und die Verspätungen künftig vermieden werden können.“ Das Angebot an die Jahresabonnenten sei eine „nette Geste, aber derjenige, der morgens am Gleis steht und seinen Termin nicht wahrnehmen kann, der hat letztendlich auch nicht viel davon“.

Ins gleiche Horn stößt der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen: Mit dem Angebot der Bahn an die Jahresabonnenten „ist es nicht getan“. Es sei eine „Beruhigungspille“. Dennoch sei es „ein erster richtiger Schritt, weil man beim Konzern ein Problembewusstsein signalisiert. Das wichtigste wäre nun aber, dass die Pünktlichkeit wiederhergestellt wird“, sagte Renkonen der BZ. „Es ist landesweit die Strecke mit den meisten Zugausfällen. Und das in einer bevölkerungs- und wirtschaftsstarken Region“, so der Grünen-Politiker. „Diese Strecke kann man nicht als kleine Nebenstrecke abtun. Diese Verspätungen sind nicht gut für Deutschland. Leidtragende sind auch viele Unternehmen.“

Richtige Richtung

Es stimmt schon: Wenn es nicht gelingt, in einer wirtschaftsstarken Region die Verkehrsprobleme zu lösen, erhöht das den Reiz der Region nicht. Umso wichtiger ist es, dass die politisch Verantwortlichen weiterhin Druck machen, damit die Züge der Rems- und Frankenbahn pünktlicher fahren. Dafür wird die Bahn noch einiges mehr tun müssen, als einer überschaubaren Zahl an Fahrgästen weniger als ein Zehntel des Kaufpreises zurückzuerstatten. Dennoch geht das Angebot der Bahn in die richtige Richtung. Sie macht deutlich, dass sie begriffen hat, am Zug zu sein, dass sie auf die Ausfälle und Verspätungen reagieren muss, will sie zwischen Stuttgart und Würzburg für die Berufspendler attraktiv werden. Dass nicht nur auf der Straße, sondern auch auf dem Gleis der Verkehrsinfarkt zum Dauerzustand wird, darf in einer Region, die weiterhin wirtschaftsstark sein will, nicht passieren.

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