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Aussiedlerhöfe im Wandel

Vor 50 Jahren zog es sechs Walheimer Bauern hinaus in die Flur: Die Wannengrabenhöfe entstand. Am Wochenende wurde das Jubiläum mit einem fröhlich Fest gefeiert.

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Die Walheimer Tanzgruppe "Happy Toes" beteiligte sich am Programm des Wannengrabenhoffests.  Foto: 

Vor einem halben Jahrhundert, in Zeiten als das Aussiedeln auch im Zuge der Flurbereinigung begann "trendy" zu werden, entschlossen sich sechs Walheimer Landwirte, unterstützt von der Landesregierung und der Verwaltung vor Ort, der Raumenge in Walheim selbst zu entfliehen und draußen auf dem freien Feld Platz zum Expandieren zu suchen. Die Wannengrabenhöfe entstanden. Am Sonntag luden die Nachkommen und teils noch die Aussiedler selbst zu einem großen Hoffest dorthin ein.

Die erste Generation von Aussiedlern, die mussten "noch richtig schaffen, bis Haus und Hof so funktionierten, wie sie sollten", erinnert sich Silke Bauer. Sie ist auf den Wannengrabenhöfen aufgewachsen und liebt den freien Wind, der ihr hier um die Nase weht, heute noch. "Es gab keine richtigen Straßen am Anfang zu den Höfen. Wasserleitungen legten die Aussiedler selbst und sie hatten auch noch ihre Landwirtschaft zu bewerkstelligen", zeichnet Silke Bauer ein Bild vom Engagement der sechs Walheimer Landwirte in den Kindertagen der Wannengrabenhöfe. Silke Bauer ist die Tochter von Erstaussiedler Karl Schneider. Ihrem Mann und ihr gehört heute einer von insgesamt sechs Höfen, die alle annähernd gleich groß sind. "Auch die Häuser sahen ursprünglich alle fast gleich aus", weiß Silke Bauer noch genau. Längst hat sich auch das verändert. Silke Bauers Mann Wolfgang ist Architekt und hat zum Beispiel das Elternhaus seiner Frau zu einem Energieeffizienzhaus umgebaut.

Ihre Kindheit und Jugendzeit hier draußen empfand Silke Bauer als frei und schön. "Die Eltern mussten viel schaffen und hatten wenig Zeit für ihre Kinder. Das heißt, man war viel auf sich gestellt und hatte vor allem viel Platz zum Spielen", erzählt sie. Es gab wohl eine ganze Clique von Kindern, die hier gemeinsam aufgewachsen ist und morgens mit dem Schulbus abgeholt wurde. Silke Bauer kam etwas später auf die Welt, war als Nesthäkchen daher mehr auf sich allein gestellt. "Drei von sechs Höfen sind heute in der Hand der nächsten Generation", macht sie klar.

Die Höfe sind im Umbruch, was nicht bedeutet, dass den Wannengrabenhöfen die Verwaisung droht. "Bei zweien ist im Moment noch ungewiss, wie es weitergeht. Dort leben die Frauen der Erstaussiedler noch, deren Männer schon gestorben sind. Sie können sich zum Glück noch selbst versorgen. Ob da jemand aus der Familie Interesse hat, einzusteigen, wird sich zeigen."Im Moment werde nur ein Hof von sechs regulär bewirtschaftet, der Hof von Gerd Schweiker.

"Früher, da bestand hier die Landwirtschaft zu einem Teil aus Ackerbau und zu zwei Teilen aus Viehzucht und Weinbau". Auch Schweiker habe die Viehwirtschaft längst aufgegeben, weil sie unrentabel geworden sei. Die anderen Höfe sind nicht mehr wirklich in Betrieb, zumindest nicht im Moment. "Entweder war kein Nachfolger da. So war es bei uns anfangs auch." Die dreigeteilte Landwirtschaft sei ebenfalls Schnee von gestern. "Heute muss man sich spezialisieren und muss investieren in mehr Fläche und mehr Maschinen. Man kann nicht mehr so einfach als Landwirt arbeiten, sondern braucht schon eine gute Ausbildung, besser noch ein Studium und ist mit viel mehr Behördenkram konfrontiert", weiß Silke Bauer, die im Moment Hausfrau und Mutter ist.

Ein paar Weinberge hat die kleine Familie noch, ebenso wie andere in den Wannengrabenhöfen. "Doch davon kann man nicht leben. Das ist mehr Freizeit", erklärt sie. Vor drei Jahren ist die Familie auf die Wannengrabenhöfe zurück gekommen. Auch Wolfgang Bauer mag die Ruhe fernab von städtischem Trubel. "Zwei Autos braucht jede Familie hier draußen", weiß Silke Bauer aus Erfahrung. Sie weiß noch genau, wie sie als Kind, oft fragen musste ob sie zu Spielkameraden gefahren werden kann. Sie freut sich, dass sie mit ihrem Mann heute die Ideologie von einem fast autarken Leben teilen kann. "Wir produzieren unseren eigenen Strom, haben unsere eigene autarke Energie auch zum Heizen", betont sie. Dafür nimmt die Familie willig auch Nachteile wie ständiges Fahren in Kauf. Silke Bauers kleiner Sohn hat auf den Wannengrabenhöfen im Moment keinen Spielkamerad mehr. "Doch das kann man ja heute alles organisieren", erklärt seine Mutter zuversichtlich.

Ideen, was sie mit den frei gewordenen Räumen auf ihrem Hof anstellen könnten, haben die Bauers viele. Ferienwohnungen haben sie sich schon überlegt oder Fremdenzimmer. Wolfgang Bauer träumt von einer Highlandrinder-Zucht. Doch der Umbau des Wohnhauses war teuer. Und deshalb müssen die Träume zunächst auch Träume bleiben. Die Familie behilft sich damit, dass sie Flächen und Gebäudeteile vermietet hat. Dort werden Wohnwagen und Boote untergestellt. Auf einer Grünfläche stehen Pferde. Die Reitlehrerin dazu ist nicht weit.

Silke Bauer erzählt, wie heute begeistert der Nachbarssohn Marc Huber mit dem Traktor durch die Gegend fährt und wie Larissa Schweiker, heute amtierende Weinprinzessin, hier aufgewachsen ist und vielleicht als studierte Weinspezialistin eines Tages zurückkehrt.

Grund zu bangen gibt es jedenfalls derzeit nicht, eher Grund zu feiern: Am Sonntag traten der Musikverein und der Walheimer Liederkranz auf und die Linedancegruppe "Happy toes" gaben ein Gastspiel. Die Bewirtung der Gäste schulterten auch Freunde und Bekannte. Ein Traktor-Shuttle-Servie von Walheim hinaus zu den Aussiedlerhöfen war ebenfalls organisiert. Die jüngsten Besucher erwartete eine Kinderhüpfburg und Ponyreiten.

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