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Aufsichtsrat stimmt Entsorgung von GKN-Bauschutt zu

Der AVL-Aufsichtsrat hat der Entsorgung von Abfällen aus dem Rückbau des GKN-Kernreaktorblocks I auf den Deponien des Kreises zugestimmt. Bei der Prüfung, ob das Material unbedenklich ist, will man auf Nummer sicher gehen.

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Die Deponie "Burghof" in Horrheim wie sie 2014 aussah. In Horrheim wie in Schwieberdingen wird künftig auch Material aus dem Rückbau des GKN gelagert.  Foto: 

Peter Schimke (Linken) zog alle Register. Es drohe "eine schleichende Vergiftung über Generationen", die Republik werde mit Atommüll überzogen, Grenzwerte seien nicht wissenschaftlich, sondern politisch gesetzt, warnte er am Donnerstag im Aufsichtsrat der Abfallverwertungsgesellschaft (AVL). Er zitierte dabei aus einer Stellungnahme des BUND Nordrhein-Westfalen. Doch mit seinen Argumenten, mit denen er die Entsorgung von Bauschutt aus dem Rückbau von Block I des Kernkraftwerks Neckarwestheim im Kreis Ludwigsburg verhindern wollte, stand Schimke allein auf weiter Flur. Der Beschluss des Aufsichtsrats, dass das Material in den Kreis kommen kann, fiel einstimmig - die Linke ist hier ohne Stimmrecht.

Die Mitglieder des Gremiums folgten in ihrer Entscheidung den Darlegungen des AVL-Abteilungsleiters Albrecht Tschackert. Er berichtete, dass es sich bei dem Material, das die Deponien in Schwieberdingen ("Froschgraben") und Vaihingen-Horrheim ("Burghof") übernehmen werden, nach jetzigem Planungsstand um rund 3350 Tonnen Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik und Dämmmaterial handeln werde. Es stamme von den Teilen des Kraftwerksblocks, die sich auf der Gemarkung von Gemmrigheim, also im Kreis Ludwigsburg, befinden. Der Abfall wird auf Strahlung gemessen, und nur wenn diese unter dem Grenzwert von zehn Mikrosievert im Jahr liegt, gibt es eine Freigabe. In der Fachsprache: Das Material ist dann "freigemessen" und zählt als konventioneller Abfall, nicht als Atommüll. Laut Tschackert liegt der Grenzwert um den Faktor 200 unter dem, was es an natürlicher Strahlung in der Umwelt gibt.

Um zu kontrollieren, dass die Strahlung auch tatsächlich so niedrig ist, hat Landrat Dr. Rainer Haas beim Umweltministerium von Baden-Württemberg durchgesetzt, dass die Freimessung lückenlos, also nicht nur stichprobenartig, passiert. "Es wird lückenlos gemessen, und alles wird dokumentiert", versicherte der Landrat. Darüber hinaus werde die AVL noch einen eigenen Gutachter beauftragen, der Stichproben macht. Die Gemeinde Schwieberdingen will dennoch auch noch einen eigenen, von ihr bezahlten Sachverständigen einsetzen - eine Nachwirkung der Tatsache, dass die AVL jahrelang kleinere Mengen freigemessenes Material aus Karlsruhe deponiert hat, ohne es an die große Glocke zu hängen (siehe Infobox).

Der Bauschutt wird in verplombten Behältern transportiert. So soll nach Aussage von Tschackert der Schutz der AVL-Mitarbeiter und der Bevölkerung an den Deponiestandorten vor fehlerhafter Anlieferung gewährleistet werden.

Im Aufsichtsrat gab's dafür Rückendeckung. Landrat Haas habe mit Blick auf das GKN-Material gut verhandelt, sagte Aufsichtsrat Rainer Gessler (Freie Wähler). Ernst-Peter Morlock (SPD) sah das ebenso und betonte, dass eine Verweigerung der Entsorgung rechtlich gar nicht möglich sei. Doris Renninger (Grüne) erklärte, wenn man "ja" zu Energiewende und Atomausstieg sage, dann habe man auch die Verantwortung, einen ordnungsgemäßen Rückbau zu garantieren. Reinhard Rosner (CDU) sagte, es mache keinen Sinn, "die Augen zu schließen und alles abzulehnen".

Dementsprechend wurde der Antrag der Linken, keinen Müll aus Atomanlagen anzunehmen, abgelehnt. Zustimmung gab's hingegen für deren Antrag nach mehr Transparenz. So soll über die Anlieferungen auf der Homepage der AVL informiert werden.

Bis dahin wird es aber noch etwas dauern. Das Genehmigungsverfahren für den Rückbau des GKN ist noch im Gange. Bei der AVL rechnet man damit, dass es nicht vor der Mitte des nächsten Jahres abgeschlossen ist. Es könne höchstens sein, dass bei vorbereitenden Maßnahmen Abfälle wie Dämmstoffe noch vor der Erteilung der Genehmigung anfielen.

Vize-Landrat Utz Remlinger entschuldigt sich für "Kommunikationspanne"

Ärger Landrat Dr. Rainer Haas war immer noch verärgert. "Ich bin noch nicht so ganz relaxed." Der Grund: Während sich die kreiseigene AVL bemühte, bei der Annahme von Material aus dem Atomkraftwerk Neckarwestheim größtmögliche Sicherheit und Aufklärung an den Tag zu legen, sickerte durch, dass die AVL schon jahrelang Bauschutt vom Rückbau der beiden Reaktoren des Kernforschungszentrums Eggenstein-Leopolds-hafen im Landkreis Karlsruhe angenommen hat, ohne dass die Geschäftsführung dies publik machte. Auch wenn von dem Material überhaupt kein Gefährdungspotenzial ausgegangen sei, sei es "ein erheblicher Fehler in der Kommunikation" gewesen, so der Landrat am Donnerstag im AVL-Aufsichtsrat.

Entschuldigung Der Geschäftsführer und Vize-Landrat Dr. Utz Remlinger bekam wegen der Panne nicht nur den Ärger seines Chefs zu spüren, auch im Schwieberdinger Gemeinderat stand er deswegen unlängst am Pranger. Im AVL-Aufsichtsrat sagte Remlinger jetzt: "Ich möchte mich dafür in aller Form entschuldigen." Die AVL-Geschäftsführung hätte das Gremium früher informieren müssen und nicht erst 2014 auf Nachfrage. Die fehlende Kommunikation erklärte er damit, dass es sich um Mengen von "völlig untergeordneter Bedeutung" gehandelt habe. Man habe das als "Geschäft der laufenden Verwaltung" angesehen. Auch Abteilungsleiter Albrecht Tschackert räumte mangelnden Informationsfluss ein.

Geringe Mengen Wie Tschackert darlegte, wurden von 2007 bis 2015 in Horrheim und Schwieberdingen 324 Tonnen aus dem Kernforschungszentrum bei Karlsruhe eingelagert - die Liefermenge von fünf bis sechs Lastwagen. Das ist wenig mit Blick auf die Gesamtmenge. Zum Vergleich: 2007 bis 2014 wurden allein in Schwieberdingen 2,7 Millionen Tonnen Abfall angeliefert.

 

Ein Kommentar von Uwe Mollenkopf: AVL wieder in der Spur

Das ist der GAU jeder Kommunikationsstrategie: Während die AVL deutlich machen wollte, dass sie beim künftigen GKN-Bauschutt auf größtmögliche Sicherheit setzt und es sich um unbenkliches Material handle, wurde bekannt, dass sie jahrelang still und heimlich ebensolches Material aus dem Kreis Karlsruhe bezog. Das muss Argwohn wecken. Warum wurde etwas verschwiegen, wenn es doch so ungefährlich ist?

Dennoch: Was auch immer zu dieser "Kommunikationspanne" geführt hat, nichts deutet darauf hin, dass dem Kreis und seiner Bevölkerung daraus Schaden entstanden ist. Ebensowenig kann in Abrede gestellt werden, dass die AVL in ihrem Bestreben, beim GKN-Material auf Nummer sicher zu gehen, viel erreicht hat. Eine lückenlose Kontrolle und dazu noch ein eigener AVL-Gutachter sind mehr, als die erklärtermaßen beim Thema Atomkraft höchst sensible grün-rote Landesregierung für nötig hielt. Zweifler gibt es immer, aber bei einer Strahlung des Bauschutts, die so weit unter der natürlichen liegt, kann man doch einigermaßen beruhigt sein. Die AVL ist damit wieder in der Spur. Jetzt gilt es nur, bei der Kommunikation aus den Fehlern zu lernen.

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