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Auch im Landkreis werben Islamisten

Der Verfassungsschutz warnt vor Annäherungsversuchen von Islamisten an Flüchtlinge. Auch im Landkreis sieht die Sicherheitsbehörde Gefahren.

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Baustelle zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen.  Foto: 

Für Aufregung sorgte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen, als er am Ende der vergangenen Woche verkündete: Radikale Islamisten versuchen unter Flüchtlingen Mitstreiter zu gewinnen. Mehr als 340 Fälle seien bundesweit bekannt (die BZ berichtete). In Baden-Württemberg liegt die Zahl der bekannten Fälle im zweistelligen Bereich, sagt  Herbert L. Müller der BZ. Der Abteilungsleiter Internationaler Extremismus beim Landes-Verfassungsschutz teilt der BZ mit, er könne für den Landkreis Ludwigsburg keinen derartigen Kontakt bestätigen. „Aber ausschließen können wir das auch nicht.“ Im Gegenteil: Er geht scheinbar fest davon aus, dass es diese Kontakte gibt. Dennoch sehe er derzeit im Kreis „keine virulente Problematik“.

Vor einem Jahr ist ein Marokkaner in einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis festgenommen worden. Er soll Teil des Rekrutierungsapparates für den „Islamischen Staat“ gewesen sein. Er wurde nach Spanien abgeschoben.

Doch wenn Verfassungsschützer Müller über Gefahren durch radikale Islamisten spricht, redet er weniger über gewaltbereite, selbsternannte „Gotteskrieger“, jedoch immer noch über religiöse Fundamentalisten. „Organisationen wie Milli Görüs haben dezidiert dazu aufgefordert, man möge sich um Flüchtlinge kümmern“, sagt Müller. „Und wir gehen davon aus, dass dann auch im Landkreis Ludwigsburg das Kümmern begonnen hat. Das kann nicht in unserem Interesse sein.“ Die nicht verbotene „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs“ (IGMG) wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Ihr wird vorgeworfen, dass ihre Anhänger ihre konservative Religion über das deutsche Grundgesetz stellen. Niederlassungen der IGMG gibt es unter anderem in Pleidelsheim und in Ludwigsburg. Müller sagt: „Wir haben nicht das Personal, uns um jede IGMG-Moschee zu kümmern.“ Die allgemeine Terrorbedrohung und die Sorge vor den Folgen des Türkei-Putsches in Deutschland spanne seine Behörde sehr stark ein. „Vom Bosporus bis zum Hindukusch sind wir gut mit Arbeit eingedeckt.“

So ist er sich für den Landkreis Ludwigsburg sicher, dass es Kontakte zwischen Flüchtlingen und den „Grauen Wölfen“ gegeben hat. Als „Graue Wölfe“ bezeichnen sich Anhänger einer Form des rechtsextremen türkischen Nationalismus. Seit der Gründung in den 1970er Jahren sollen Fanatiker der „Grauen Wölfe“ in der Türkei Hunderte umgebracht haben, darunter viele Aleviten, Anhänger einer muslimischen Glaubensauslegung. „Dass ausgerechnet die Ultranationalisten, die sich fromm geben, hier aktiv sind,  kann uns gar nicht gefallen“,sagt Müller.

Doch nicht nur wenn die  IGMG oder die „Grauen Wölfe“ auf Flüchtlinge zugehen, werden Verfassungsschützer hellhörig. So hat es laut Müller landesweit bereits Meldungen wegen Ansprechversuchen von Salafisten gegeben. Die Anhänger dieser bisweilen frühmittelalterlichen Islamauslegung sind berüchtigt, weil eine Minderheit einen dschihadistischen Ansatz verfolgt, das kann heißen: einen gewaltbereiten Ansatz. Laut Müller sprechen Salafisten Flüchtlinge nicht nur in Moscheen an, sondern auch bei Flüchtlingsunterkünften. Allerdings sei an den meisten Meldungen über Salafisten in Asylheimen, welche an den Verfassungsschutz herangetragen werden, nicht viel dran. „Nicht jeder mit Bart ist ein Salafist.“

Jens Ostwaldt ist Experte für Salafisten. Der Politikwissenschaftler errichtet für das Landes-Demokratiezentrum mit Sitz in Sersheim ein Netzwerk gegen radikalen Islamismus. Er sagt: „Das Problem ist, dass Geflüchtete, die hierherkommen, oft psychisch labil sind und Halt suchen.“ Durch ihre Lebensbedingungen seien sie empfänglicher für strenge  Glaubensauslegungen. „Wir erhalten vermehrt Anfragen von Asylhelferkreisen aus der Region Stuttgart, aber bis jetzt noch nicht aus dem Kreis Ludwigsburg.“ Meistens gebe es keinen wirklich konkreten Anlass. „Meistens ist der Grund der Anfrage Verunsicherung.“

Von Seiten der Kreisverwaltung, die sich zunächst um Flüchtlinge im Landkreis kümmert, heißt es, das Thema Radikalisierung von Flüchtlingen sei „seit einiger Zeit bekannt“. „Eine aktuelle Warnung des Verfassungsschutzes liegt uns nicht vor“, heißt es aus dem Kreishaus. Hausmeister wie Sozialarbeiter in Asylunterkünften seien sensibilisiert.

 

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