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"Was die Politik macht, ist Humbug"

Für den Erhalt der Steillagen wird an vielen Fronten gekämpft, ein interkommunaler Weinerlebnispfad ist in der Mache. Mehr Geld vom Land gibt's auch. In Fachkreisen sieht man das allerdings falsch investiert.

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Die Besigheimer Steillagen sind ein wahrer Augenschmaus. Wirtschaftlich aber sind sie nicht.  Foto: 

Steigt man von der Besigheimer Felsengartenkellerei hoch in die Weinberge, offenbart sich eine der schönsten Seiten des Landkreises Ludwigsburg. Dann fällt der Blick auf das, was Einheimische und Touristen gleichermaßen anzieht: die heimischen Steillagen. Deren Fortbestand ist schon lange in Gefahr. Der Kreis Ludwigsburg kann zwar deutschlandweit die meisten terrassierten Steillagen aufweisen. Andererseits ist die Bewirtschaftungsfläche nach Zahlen des Stuttgarter Regierungspräsidiums in den vergangenen Jahren im Kreis um 35 Prozent auf 330 Hektar geschrumpft. Als landschaftsprägende Elemente und Lebensraum für Tiere wollen viele Akteure die Steillagen erhalten.

Die Fördermöglichkeiten sind nach Angaben des Verbands Region Stuttgart (VRS) vielfältig. So stehen in den Kreisen und Städten Mittel zur Erhaltung und Instandsetzung von Trockenmauern beziehungsweise zur Förderung der Steillagen bereit. Auch auf Landesebene gibt es einen Topf, in den nun ein bisschen mehr rein soll. Zur Erinnerung: Anfang Juni hatte der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Rösler verkündet, die Wengerter könnten aufatmen, die Fördersummen in puncto Steillagen und Trockenmauern würden in Baden-Württemberg erhöht (Infobox).

Doch wenn Dr. Götz Reustle, Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei, das hört, geht ihm der Hut hoch. "Was die Politik hier macht, ist Humbug. Das hilft den Steillagen nicht." Ein Beispiel: Der jährliche Bewirtschaftungszuschuss für Steilstlagen wird ab 2015 von 350 Euro pro Hektar auf die EU-Höchstgrenze von 900 Euro pro Hektar nach oben geschraubt. Reustle nennt diesen Betrag "lächerlich". Bei einem Steillagen-Weinberg sei der Aufwand etwa viermal so hoch im Vergleich zu einem Weinberg in Normallage, da arbeite man nicht wirtschaftlich, auch nicht mit 900 Euro mehr.

Man wolle nicht undankbar erscheinen, fügt Reustle an, das Ganze bringe aber nichts. Sicher: Die Wengerter bräuchten das Geld, und zwar um ihren kräftezehrenden, aber eben nicht rentablen Arbeitseinsatz zu finanzieren. Für die Sanierung der Trockenmauern bleibe da nichts übrig.

Mit den Mauern aber steht und fällt der Weinbau in Steillagen. Gehen sie kaputt, können die Hänge irgendwann nicht mehr bewirtschaftet werden. Die Folge sind verbuschte Areale, auch wenn es immer wieder einzelne Projekte zum Erhalt der Struktur gebe, so Reustle. Er sieht die Politik stärker in der Pflicht. Die Weingärtner müssten den Anbau regeln, sie seien dafür verantwortlich, gute Weine zu produzieren und sie zu verkaufen. Doch für den Erhalt des Kulturguts Trockenmauer sei die öffentliche Hand zuständig. Reustle: "Die Politik brüstet sich damit, was sie tut, dabei tut sie nicht das, was sie soll."

Die Besigheimer Felsengartenkellerei ist bekanntlich selbst aktiv geworden und hat im Verbund mit sieben Kommunen aus dem Kreis 2013 ein Förderprogramm aufgelegt, das sanierte Mauerflächen mit 100 Euro pro Quadratmeter bezuschusst. 90 000 Euro stehen jährlich zur Verfügung, die von den Initiatoren gemeinschaftlich gestemmt werden. Die Resonanz ist bislang gut. Reustle spricht von einem Einstieg. Er habe jedoch Sorge, dass auf lange Sicht nicht genügend Wengerter mitmachten. Womöglich könne man den Zuschuss noch erhöhen. Es gehe um Anreize, aber auch um das Interesse der Weinbauern, sich zu engagieren.

Ein anderes Standbein beim Kampf für den Erhalt der Steillagen ist der Tourismus. In puncto Marketing will sich der VRS einklinken und einen interkommunalen Weinerlebnispfad ins Leben rufen. Die Idee: Besonders schöne und typische Ecken - infrage kommen vor allem Steillagen rund um Esslingen und Ludwigsburg - sollen entsprechend ausgeschildert werden, es soll Infomaterial dazu erstellt werden, und das Ganze soll beworben werden, wie der VRS-Chefplaner Thomas Kiwitt erklärt. Über das Programm "Landschaftspark Region Stuttgart" wolle der VRS das Projekt kofinanzieren, so der Plan.

Voraussetzung ist, dass die Kommunen mitmachen. Die Unterstützung von Götz Reustle hat der Weinerlebnispfad indes bereits. Es gebe viele kleine Projekte, die auch wichtig seien, die Sache größer zu fassen, sei jedoch sinnvoll. "Tourismus findet nicht nur im Ort, sondern in der Region statt."

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