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"Motor und Moderator sein"

Eine Ober- und eine Bürgermeisterwahl stehen am Wochenende an. Die Bürger entscheiden über einen Posten mit beachtlicher Machtfülle. Dazu ein Gespräch mit Kirchheims Rathauschef Uwe Seibold, seit 1999 im Amt.

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    Über seine 15-jährige Erfahrungen als Bürgermeister sprach der Kirchheimer Rathauschef Uwe Seibold mit der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung. Foto: 
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"Der Bürgermeister ist Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderats, Leiter der Gemeindeverwaltung und gesetzlicher Vertreter der Gemeinde", so definiert die baden-württembergische Gemeindeordnung das Amt des ersten Mannes in der Kommune. Dabei wird im das Recht des Widerspruchs bei gesetzeswidrigen Gemeinderatsbeschlüssen eingeräumt, er kann Eilentscheidungen treffen und er hat ein Ersatzbeschlussrecht, das es ihm ermöglicht, wenn wegen Befangenheit oder zu geringer Anzahl von stimmberechtigten Gemeinderäte kein Beschluss möglich ist, unter bestimmten Voraussetzungen eine Entscheidung selbst zu treffen. Als Verwaltungschef sorgt der Bürgermeister für die Erledigung der laufenden Geschäfte, übernimmt Weisungsaufgaben und hat das Organisationsrecht für den Aufbau der Verwaltung und die Arbeitsabläufe. Weiterhin sorgt der Rathauschef für den Vollzug der Gemeinderatsbeschlüsse, ist Vorgesetzter der Gemeindemitarbeiter und wirkt mit bei Personalentscheidung.

"Wichtig ist, dass man diese Machtfülle nicht missbraucht und verantwortungsvoll damit umgeht", sagt Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold im BZ-Gespräch auf die Frage, wie man es erreicht, dass man nicht nur kraft Amtes beziehungsweise Gesetzes als prägende Persönlichkeit im Ort wahrgenommen wird. Man müsse sich Zeit nehmen und Partner sein für die Bürger, für Vereine und Organisationen im Ort. "Partner im Rathaus sein, das bedeutet auch mit deutlichen Worten sich für die Interessen der Gemeinde und ihrer Bürger stark zu machen", betont der 46-Jährige, der seit 1999 im Amt ist.

Der Gemeinderat gilt als "Souverän" in der Kommune. Letztendlich gibt aber der Bürgermeister (und die Verwaltung) den Takt und die Themen vor, darüber hinaus hat der Bürgermeister das Recht und die Pflicht, nicht gesetzeskonforme Abstimmungen zu revidieren. Wie erreicht man es dennoch, dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gemeinderat möglich ist? Die Antwort darauf hat Uwe Seibold sofort parat, in dem er auf zwei gleichwertige Funktionen hinweist: "Motor und Moderator in der Gemeinde sein." Das partnerschaftlich Miteinander wachse über die Jahre hinweg. "Man muss dem Gemeinderat Respekt entgegenbringen, im Gremium auch nachfragen, aber auch einmal beschlossene Dinge konsequent umsetzen", erklärt Seibold, der vor 15 Jahren als 31-Jähriger zum Bürgermeister in der Neckargemeinde gewählt wurde, und zuvor als Hauptamtsleiter in Walheim tätig war.

Die mangelnde Bereitschaft kompetenter Verwaltungsfachleute, sich um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben, zeigt sich auch bei den Wahl an diesem Sonntag, 6. Juli (siehe untenstehenden Kasten). Die Amtsinhaber in Vaihingen und Erligheim müssen keine Konkurrenten fürchten. Den Oberbürgermeister-Posten in Remseck - immerhin eine Große Kreisstadt mit rund 24 500 Einwohner und "hoher Lebensqualität vor den Toren der Landeshauptstadt Stuttgart", wie es im Stadtprospekt heißt - und die Nachfolge von Karl-Heinz Schlumberger wollen gerade einmal zwei Bewerber übernehmen. "Ein ganz großer Teil der Arbeit findet in der Freizeit statt", sagt Seibold. Am Anfang seiner Amtszeit habe er einmal die Termine gezählt und sei auf zwischen 250 und 300 pro Jahr gekommen. "Entwender man ist im Ort, dann aber mit 100-prozentigem Einsatz, oder man muss weg sein", erklärt er. Als Bürgermeister sei man oft fremdbestimmt durch Termine der Region, des Landkreises oder der Vereine. Bürgermeister als Full-time-Job, das sei sicherlich ein Grund für viele, sich nicht darum zu bewerben. "Außerdem sind eine ordentliche Karriere und gute Bezahlung auch innerhalb der Verwaltung möglich", so Seibold mit einem Augenzwinkern.

Für den erfahrenen Rathauschef zeichnet sich inzwischen ab, dass der Umgang miteinander oft schwieriger wird und man werde mit immer mehr Themen konfrontiert. Auch die Verantwortung, die man als Bürgermeister tragen müsse, werde immer größer. Die Sicherheit auf den Spielplätzen, für Baustellen in der Gemeinde oder den Datenschutz nennt er als Beispiele und erinnert nur an die notwendige Sperrung des Neckartalradwegs, nachdem dort vom Naturdenkmal "Trauf" etwa 450 Tonnen Gestein abgerutscht waren. Unbekannte hatten dann die Sperrung entfernt und später Nachfolgende konnten die bestehende Gefahr nicht erkennen. "Nicht auszudenken, was da hätte passieren können", merkt er an.

"Mit der Machtfülle geht eben auch eine große Verantwortung einher", betonte der 46-Jährige, für den die Aufgaben eines Bürgermeister nur mit guten Mitarbeitern zu bewältigen sind. Im Gespräch mit ihm aber wird deutlich, Uwe Seibold ist Bürgermeister mit Leidenschaft, was in seinem Resümee deutlich wird: "Das Amt macht auch unheimlich Spaß. Man kommt mit so vielen unterschiedlichen Themen und Menschen in Berührung."

Drei Rathauschefs werden am Sonntag gewählt

In Erligheim stellt sich am Sonntag, 6. Juli, Amtsinhaber Rainer Schäuffele (46 Jahre) nach einer Amtsperiode erneut zur Wahl. Chancenreiche Gegenkandidaten gibt es bei der Erligheimer Bürgermeisterwahl nicht: Mit dem 53-jährigen Ulrich Raisch aus Stuttgart stellt sich ein Vielfachbewerber dem Wählervotum, für die "Nein"-Partei kandidiert der 41 Jahre alte selbstständige Handwerksdienstleister Heiko Gold aus Böbingen, der gar nicht Bürgermeister werden will. Zwischen 19 und 20 Uhr will der Wahlausschuss - Joachim Obert (Vorsitzender), Gustav Schabinger, Torsten Loy, Ingrid Daub, Horst Stähle, Frank Tiedemann, Susanne Zultner und Leonie Stephan - das Wahlergebnis im Rathaus bekannt geben.

In Vaihingen ist seit 2006 Gerd Maisch Oberbürgermeister. Maisch ist 50 Jahre alt und verheiratet, seine vier Kinder sind zwischen 13 und 21 Jahre alt. Ohne Gegenkandidat hofft er auf ein gutes Ergebnis, als Bestätigung seiner bisherigen Arbeit. Im Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses soll das Wahlergebnis zwischen 18.30 und 19 Uhr bekannt gegeben werden.

Auch in Remseck wird am Sonntag, 6. Juli, der neue Oberbürgermeister gewählt. Ein Duell zwischen Dirk Schönberger und Klaus Jürgen Weber gibt es dort um die Nachfolge des scheidenden Stadtoberhaupts Karl-Heinz Schlumberger. Der 42 Jahre alte Schönberger ist in Ötisheim im Enzkreis aufgewachsen und lebt seit 2008 mit seiner Familie im Remsecker Stadtteil Aldingen. Seit dem Jahr 2001 ist der Jurist in der Finanzverwaltung des Landes Baden-Württemberg beschäftigt und arbeitet bei der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe als Abteilungsleiter. Der 46-Jährige Weber wohnt mit seiner Familie in Backnang im Rems-Murr-Kreis, arbeitet aber in Berlin als Abteilungsleiter der Gewerkschaft Verdi. Der Betriebswirt ist unter anderem für die Mitglieder zuständig, die als Beamte für Bund, Länder oder Kommunen arbeiten. Weber ist in Ettenheim im Ortenaukreis augewachsen. knz

SWP

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