Partner der

Radler-Graus Vaihingen

Beim ADFC-Fahrradklima-Test ist Vaihingen in der Kategorie der Städte mit weniger als 50 000 Einwohnern auf dem letzten von knapp 300 Plätzen gelandet. Der Rathauschef spricht indes von einem subjektiven Eindruck.

CAROLINE HOLOWIECKI |

Mehr als 100 000 deutsche Radler haben im Herbst am Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Städte bewertet. Unter die Lupe genommen wurden Faktoren wie Sicherheit, Infrastruktur oder Komfort. Die Ergebnisse sind dieser Tage veröffentlicht worden - mit einem verheerenden Urteil für Vaihingen. Im Reigen der knapp 300 bewerteten Kommunen mit weniger als 50 000 Einwohnern landete der Ort auf dem allerletzten Platz. Die Bürger bewerten die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt mit der Schulnote 5,2, dem bundesweit schlechtesten Ergebnis.

Für den Vaihinger Rudolf Reuter, selbst engagiert im Kreis-ADFC und Mitglied der Prüfkommission des Landesministeriums zur Verleihung des Titels "Fahrradfreundliche Kommune", kommt dies nicht überraschend. In puncto Sicherheit haben die Vaihinger Radler ihrer Heimat eine 5,4 gegeben, und Rudolf Reuter nennt als Beispiel die Verbindungsstrecke zwischen dem Fernbahnhof und dem Zentrum. Als Fachingenieur weiß er: Auf der steilen Franckstraße sind täglich 17 000 Fahrzeuge inklusive Schwerlastverkehr unterwegs, einen Radweg gibt es indes nicht. Mehr noch: "Mir ist kein einziger eigenständiger Radweg in der Stadt bekannt", sagt der 54-Jährige und verweist darauf, dass in der Stadt um die 4000 Schüler täglich unterwegs seien.

Nicht zuletzt deswegen setzt sich Rudolf Reuter als Kopf der Initiative "Fahrradbahn Vaihingen" seit zehn Jahren dafür ein, dass die stillgelegte WEG-Bahntrasse zum Fahrradweg umgebaut wird. Für ihn wäre sie der Schlüssel zur Fahrradstadt. Mit einer minimalen Steigung wäre dieser Radweg bequem befahrbar und würde nahezu alle wichtigen Einrichtungen wie Schulen, Bahnhof, Stadthalle und Geschäfte verbinden, lautet sein Urteil. Zuletzt war das Thema im November 2014 im Gemeinderat behandelt worden. Seinerzeit hatte das Gremium aber eine schnelle Umsetzung abgelehnt und verfügt, dass zunächst ein Fahrrad-Gesamtkonzept vorgelegt werden sollte, um dann eine Priorisierung vorzunehmen, berichtet Oberbürgermeister Gerd Maisch; für ihn ein Knackpunkt. "Dass Diskussionsbedarf da ist, wissen wir", dennoch müsse man das Ergebnis des Tests differenziert sehen. "75 Bürger haben Vaihingen bewertet, das ist eine subjektive Wahrnehmung", sagt der Rathauschef und vermutet: An der Abstimmung haben sich vor allem jene beteiligt, die vom Gemeinderat enttäuscht sind.

Rudolf Reuter zumindest macht daraus keinen Hehl. Für ihn ist das Fazit des ADFC-Tests, "dass die politisch Verantwortlichen zum Wohle der Radfahrer endlich entsprechende Weichen stellen und ihrer Verantwortung gerecht werden" müssen. Bestätigt sieht er sich durch die Note 5,7, die im Testurteil beim Punkt steht, ob in jüngster Zeit viel für den Radverkehr in der Stadt getan worden sei. Rudolf Reuter fügt an, dass vor zwei Jahren ein Radroutenkonzept in Auftrag gegeben worden sei. "Die dabei erarbeiteten Defizite sind sehr umfangreich, die Liste der erforderlichen Maßnahmen entsprechend lang. Die im aktuellen städtischen Haushalt vorgesehenen Mittel zur Maßnahmenumsetzung sprechen hier allerdings nicht für eine Trendwende", urteilt der Radler.

Der Oberbürgermeister betont indes, dass auch die Stadtverwaltung den Ausbau der WEG-Trasse möchte. Er hofft, dass sich der Gemeinderat im April bei der Priorisierung von Fahrrad-Maßnahmen dafür entscheiden wird. In puncto Kosten geht Gerd Maisch von mindestens 1,5 Millionen Euro aus, rechnet aber mit einem Fördersatz von 50 Prozent aus Geldern der Landesregierung für die Radwegeförderung. Was der OB klarstellt: "Es soll keine reine Fahrrad-Autobahn werden. Wenn wir so viel Geld in die Hand nehmen, sollen die Strecke auch Spaziergänger oder Inlineskater benutzen dürfen."

Info In der Hitliste der Städte unter 50 000 Einwohner haben Bietigheim-Bissingen Platz 35, Freiberg Platz 171 und Ditzingen Platz 222 von 292 belegt. Ludwigsburg landete bei 152 Städten mit einer Größe zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern auf Platz 32.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr