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Neuauflage des Buchs "Asperg - Ein deutsches Gefängnis"

Mit seinem Buch über den Hohenasperg von 1978 gilt der Autor Horst Brandstätter als einer der Wegbereiter für ein Museum auf dem "Demokratenbuckel". Er sollte dessen Eröffnung nicht mehr erleben. Jetzt gibt es eine Neuauflage.

UWE MOLLENKOPF |

Die Reihe der prominenten Gefangenen auf dem Hohenasperg ist lang. Joseph Süß Oppenheimer, der Ratgeber des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, der 1738 Opfer eines Justizmordes wurde, saß hier ebenso ein wie der "Remstalrebell" und "Bürgerrechtler" Helmut Palmer (27. März bis 16. Mai 1963 und noch einmal 22 Jahre später), der Vater des heutigen Tübinger Oberbürgermeisters. Der Autor, Antiquar, Galerist und Dramaturg Horst Brandstätter, zeitweilig in Marbach wohnhaft, hat ihnen 1978 ein Buch ("Asperg - Ein deutsches Gefängnis") gewidmet und damit eine Debatte angestoßen: die Diskussion um die Einrichtung eines Museums auf dem "Demokratenbuckel", wie der Hügel mit seinem Gefängnis spöttisch genannt wurde.

Es sollten mehr als 30 Jahre vergehen, bis aus dem Wunsch Wirklichkeit wurde. Erst 2010 konnte das Museum "Hohenasperg - Ein deutsches Gefängnis" eröffnet werden. Brandstätter erlebte es nicht mehr mit. Er starb 2006 im Alter von 56 Jahren. Nicht nur der Name seines Buches sei wegweisend für das Museum gewesen, hebt Franziska Dunkel, die Kuratorin des Museums, hervor. Brandstätter habe auch "hartnäckig und leidenschaftlich für den Hohenasperg als Erinnerungsort und für die Institutionalisierung dieses Gedenkens in einem Museum" gekämpft. Dies war Anlass für das Haus der Geschichte in Stuttgart, das für die Konzeption der Ausstellung zuständig ist, das vergriffene Werks neu herauszubringen.

"Der Band aus dem Jahr 1978 ist ein Pamphlet im besten Wortsinne: klar Position beziehend, historisch und immer noch aktuell", schreibt Museumsleiter Dr. Thomas Schnabel im Vorwort. Das damals im linken Wagenbach-Verlag erschienene Büchlein ist ein typisches Produkt der politisch aufgeladenen 70er-Jahre. Brandstätter ergreift Partei für die Gefangenen und prangert das Gebaren der Obrigkeit an. "Was dem Asperg, auch über die württembergische Geschichte hinaus, exemplarische Bedeutung zuweist, ist die nahezu lückenlose Praxis der jeweils Herrschenden, ihn vorzugsweise für ihre politischen Gegner zu nutzen", stellt er einleitend fest. So lasse sich, zumindest von den Bauernkriegen an, "am Beispiel Asperg die Geschichte der Niederlagen dokumentieren, die Freiheitsbestrebungen in der deutschen Geschichte widerfahren sind".

Das Buch schildert, warum die politischen Gefangenen den Mächtigen bedrohlich erschienen und zeigt deren Schicksale auf. Es handelt von Unbequemen wie dem Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart, politisch Missliebigen wie dem Ökonomen Friedrich List, Revolutionären wie dem Redakteur Adolph Majer, Widerstandspolitikern wie Eugen Bolz und Kommunisten wie Emil Bechtle.

Die Neuauflage wurde durch Farbfotos und ein lesefreundlicheres Format optisch aufgewertet. Manche Aussagen des Autors mussten laut Kuratorin Franziska Dunkel korrigiert werden. So wisse man nun, dass keiner der Teilnehmer am "Spartakusaufstand" 1919 auf dem Hohenasperg inhaftiert war. Auch der Besuch Friedrich Schillers bei dem eingekerkerten Christian Friedrich Daniel Schubart habe nie stattgefunden. Andere Vermutungen Brandstätters hätten sich indes erhärten lassen. So sei nachgewiesen, dass 1924/25 der Redakteur der "Süddeutschen Arbeiterzeitung" Fritz Rau dort einsaß.

Etliche der Namen, die Brandstätter nennt, finden sich heute im Museum in der Festung wieder. Franziska Dunkel schreibt in ihrem Beitrag für das Buch allerdings, dass die 23 Biografien, die dort dargestellt sind, nicht nur von politischen Gefangenen handeln. Diese hätten nur zehn Prozent der Häftlinge ausgemacht. Daher sei das Museum keine reine Gedenkstätte für Freiheitsbewegungen geworden, wie sie dem Autor vorschwebte.

Dennoch ist auch Jürgen Walter, Kunststaatssekretär der Grünen aus Asperg und seit Mitte der 1990er-Jahre Mitstreiter für die Einrichtung einer Erinnerungsstätte, sehr zufrieden. Es sei "ein kleines, aber feines Museum" geworden, stellt er in seinem Vorwort fest, und die erfolgreichste Außenstelle des Hauses der Geschichte. "Daran zeigt sich, wie viele Menschen das Interesse an der Historie des Hohenaspergs teilen." Dass jetzt auch das Buch zum Berg wieder aufgelegt wurde, sei man dem "Kultur-Menschen und Menschenfreund Horst Brandstätter" schuldig gewesen.

Info
Die Neuauflage von Horst Brandstätters "Asperg - Ein deutsches Gefängnis", herausgegeben vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Verlag Regionalkultur, 216 Seiten, kostet 14,90 Euro.

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