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KZ-Friedhof in Vaihingen: Neue Schiefertafeln mit 1342 Namen eingeweiht

Bisher standen schlichte 1342 Grabsteine mit Nummern auf dem KZ-Ehrenfriedhof in Vaihingen. Jetzt stehen dort zusätzlich vier Säulen mit Schiefertafeln, auf welchen die Namen der Opfer zu lesen sind.

MICHAEL A GLEMSER |

Die Häftlinge in den grauenvollen Konzentrationslagern in der Zeit des Nationalsozialismus trugen nur noch einfache Nummern. "Mit ihrem Namen wurden diesen Menschen auch ihre Würde genommen. Diese wollten wir ihnen jetzt zurückgeben, denn bisher waren die Gräber der 1342 Opfer auf dem KZ-Ehrenfriedhof auch nur nummeriert. Allerdings haben manche Angehörige Gedenktafeln angebracht. Aber dies stellte wieder eine Ungleichbehandlung dar, denn einige Gräber hatten eine solche Tafel und andere wiederum nicht", erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins KZ-Gedenkstätte Vaihingen, Jörg Becker, bei der festlichen Einweihung am Wochenende.

Deshalb hat er sich gemeinsam mit den etwa 115 Mitgliedern seines Vereins intensiv darum bemüht, den Opfern auf dem KZ-Ehrenfriedhof ihre Namen zurückzugeben. Nach intensiven Forschungen konnten die Namen der Begrabenen aus den Aufzeichnungen in den Totenbüchern ausfindig gemacht werden. "Sie stammen aus über 22 unterschiedlichen Nationen. Die Opfer, die jetzt noch in Vaihingen liegen, waren damals nicht mehr identifizierbar. Es gab auch 400 Tote, die noch identifiziert werden konnten und schon 1954 in ihre Heimatländer zurückgeführt wurden. Als wir die Namen und die Schreibweisen der noch auf dem KZ-Ehrenfriedhof verbliebenen Opfer festgestellt hatten, dachten wir darüber nach, wie diese aufgezeichnet werden sollten", erläuterte Becker.

Zunächst entwickelten die Vereinsverantwortlichen gemeinsam mit dem Vaihinger Steinbildhauer Lothar Morlock vier Stelen aus schwarzem Basalt, die in alle vier Himmelsrichtungen aufgestellt werden und die Namen der Opfer tragen sollten. Die Umsetzung dieses künstlerischen Konzepts hätte 120.000 Euro gekostet. "Wir haben mit Fördermitteln in Höhe von 77.000 Euro von der Europäischen Union gerechnet. Als diese jedoch nicht bewilligt wurden, mussten wir uns nach einer kostengünstigeren Alternative umsehen. Nachdem wir uns unterschiedliche Gedenkstätten angeschaut hatten, gefiel uns eine Lösung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich sehr gut", schilderte Becker. Dort waren die Namen mit Hilfe einer Lasertechnik von einer Spezialfirma in Vorarlberg in die Tafeln eingraviert worden.

Diese Verfahren habe insgesamt 40.000 Euro gekostet, so Becker. Das Geld konnte mit Sponsoren bereitgestellt werden. 20.000 Euro kamen von der Wüstenrot-Stiftung, 18.000 Euro von der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg und weitere 2.000 Euro von der Berthold-Leibinger-Stiftung. "Ich freue mich, dass alle Hürden und Grenzen überwunden wurden und der lange Wunsch jetzt endlich umgesetzt werden konnte. Die Toten waren in der letzten Phase ihres Lebens lediglich Nummern. Es konnte doch nicht sein, dass sie dies über den Tod hinaus bleiben", betonte Landrat Dr. Rainer Haas, der auch der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung vorsitzt.

Alt-Oberbürgermeister Heinz Kälberer mahnte dazu, dass Vergangenheit aber nicht nur Vergangenheit bleiben dürfe, sondern auch Bedeutung für die Zukunft haben müsse. Dies gewährleistet die Jugendgruppe des Vereins KZ-Gedenkstätte Vaihingen, die den Festakt zur Übergabe der Namenstafeln mitgestaltete und dafür sorgt, dass auch bei jungen Menschen die Opfer des KZ-Ehrenfriedhofs nicht in Vergessenheit geraten.

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