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Zielgruppe in Erligheim nicht erreicht

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„Unsere eigentliche Zielgruppe haben wir nicht ganz erreicht“, stellte Bürgermeister Rainer Schäuffele nach einem Blick in die Runde, die sich im Sitzungssaal des Rathauses eingefunden hatte, nüchtern fest. Gemeinsam mit der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz hatte die Gemeinde zum Info-Abend „Wohnraum an geflüchtete Menschen vermieten“ eingeladen.

Unter den 15 Anwesenden befanden sich indes drei Vertreter der Gemeindeverwaltung, drei Damen von Caritas und Diakonie, zwei Pressevertreter und sieben ehrenamtliche Mitarbeiter des Runden Tisches Asyl. Ein potentieller Vermieter war nicht darunter. Rainer Schäuffele machte das Beste daraus und freute sich statt über Vermieter eben über die erschienenen „Multiplikatoren“. Moderiert von Monika Miller, der Leiterin des Bereiches Flüchtlinge und Asyl bei der Caritas, und Martha Albinger, die für die Caritas seit zehn Jahren in der Flüchtlings-Sozialarbeit tätig ist, entwickelte sich der Abend zu einer Art Workshop.

Projekt-Coaching

Im Mittelpunkt stand natürlich die Frage, warum die Vermieter nicht mehr Wohnraum an Flüchtlinge vermieten. Eine Teilnehmerin machte dafür eine „zu mieterfreundliche Gesetzgebung“ verantwortlich und forderte mehr Sicherheit für die privaten Vermieter. Diesem Sicherheitsbedürfnis der Vermieter will die Caritas stärker entgegen kommen. Zusammen mit der Caritas Stuttgart wird man ein Coaching für Vermieter anbieten. Auch die Caritas selbst möchte künftig als Mieter auftreten und Wohnungen für ein Jahr anmieten, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Stellt sich heraus, dass Vermieter und Flüchtling gut miteinander auskommen, soll nach einem Jahr der Mietvertrag auf den Flüchtling übertragen werden.

Vorteil für die Vermieter: sie haben mit der Caritas einen verlässlichen Vertragspartner, der im Falle des Scheiterns dafür sorgt, dass die Wohnungen wieder geräumt werden. Nachteilig ist, dass die Vermieter nur 90 Prozent der Mietobergrenze bekommen; zehn Prozent gehen an die Caritas Stuttgart für deren Leistungen. Monika Miller hofft, dass das Projekt Anfang kommenden Jahres anlaufen kann.

Auch die Gemeinde Erligheim hat jüngst ein Haus angemietet, um darin eine sechsköpfige syrische Familie unterzubringen, berichtete Bürgermeister Rainer Schäuffele. Man sei noch an ein oder zwei anderen Objekten dran.

Hauptamtsleiter Pietro Leonetti berichtete, von den 34 Flüchtlingen, die in Erligheim leben, wohnten elf bereits in privaten Mietverhältnissen, ohne dass Probleme bekannt geworden seien. Die Gemeinde werde niemand in ein privates Mietverhältnis vermitteln, von dem sie nicht glaube, dass er schon so weit ist. Denn auf das Leben mit einem privaten Vermieter müssten die Flüchtlinge vorbereitet werden. Der Runde Tisch Asyl redet deshalb im Deutschunterricht auch über die Gepflogenheiten in Deutschland und beispielsweise darüber, welche Nebenkosten die Menschen durch Heizung und Strom erwarten. Eine Teilnehmerin mahnte den sozialen Frieden an: „Es gibt auch andere Leute, die wenig Geld haben.“ Monika Miller räumte ein: „Im Kreis Ludwigsburg fehlt Wohnraum für alle Menschen mit wenig Geld.“ Die Gemeinde wird weiter versuchen, private Vermieter zu gewinnen. Dankbar griff Bürgermeister Schäuffele die Idee eines Rundbriefes zum Jahresende auf. Auch die Kirchen sollen eingeschaltet werden. Bei ihren Mitgliedern vermutet man die nötige soziale Ader, denn, so Monika Miller: „Mit der Vermietung zur Obergrenze kann man nicht reich werden.“

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