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Weingärtner Stromberg-Zabergäu starten die Lese mit gemischten Gefühlen

Die Herbstversammlung der Weingärtner Stromberg-Zabergäu stand am Mittwochabend im Zeichen der außergewöhnlichen Schädlingsbekämpfung: Die Kirschessigfliege macht Sorgen.

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Diesmal gleichen die vergangenen Wochen vor der Hauptlese für die Weingärtner Stromberg-Zabergäu eher einem Hindernislauf als einem Endspurt in der Zielgeraden. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Lang der WG Stromberg-Zabergäu und der Vorstand Albrecht Hauber ließen bei der Herbstversammlung im Bürgerzentrum in Brackenheim am Mittwochabend das besondere Weinjahr 2014 Revue passieren und gaben rund 500 Mitgliedern letzte Instruktionen vor der Lese im Umgang mit der gefürchteten Kirschessigfliege und witterungsbedingten Gefahren wie Schimmel und Fäulnis.

Nach der ungewöhnlichen Wärme im Winter und dem darauf folgenden überdurchschnittlich warmen Frühjahr richteten Knospenschädlinge wie Erdraupen und Rombenspanner bereits Augenschäden an. Die Vegetation hatte einen Vorsprung von zwei bis drei Wochen gegenüber dem langjährigen Mittel. "Der Juni entpuppte sich als trockener hitziger Sommermonat, so dass sich Trockenstress-Symptome im Weinberg abzeichneten und bewässert werden musste", blickte der Vorstandsvorsitzende Rainer Lang bei der Herbstversammlung auf ein bewegtes Dreivierteljahr zurück. Das Gegenstück dazu stellte sich im Juli und im August ein mit sehr ausgeprägten Regen- und Feuchtigkeitsperioden. "Dennoch schien sich alles in Richtung eines guten unkomplizierten Jahrgangs zu bewegen, doch dann brach auf uns alle das Thema Kirschessigfliege herein. Es folgten Beratungsgespräche mit Forschungsanstalten, dem Regierungspräsidium und dem Genossenschaftsverband", brachte Lang auf den Punkt, was die Gemüter nachhaltig bewegt.

Lang: "Erste Befallsmeldungen aus Rebflächen sind bereits vor Kurzem eingegangen. Angesichts drohender Mengen- und Qualitätseinbußen ist das Thema sehr ernst zu nehmen." Dann beschrieb er genau, wie die Kirschessigfliege vorgeht, wie sie ihre Eier in gesunde Beeren legt und dies einen Fäulnisprozess auslöst, wie sie rote Sorten wohl bevorzugt und wenig entlaubte Lagen. Sie lebt wohl gerne im Dunklen und Feuchten und lässt im Moment noch Wengerter und Weinforscher im Dunkeln tappen. In einem sind sich die Verantwortlichen in der WG einig. Es darf nicht so weit kommen, dass wir tagsüber die Frühsorten lesen und abends die Spätsorten spritzen", so Lang. Es bedürfe einer festgelegten Wartezeit zwischen letztem Spritzvorgang und der Lese, die unbedingt eingehalten werden müsse, appellierte Vorstand Albrecht Hauber an die Mitglieder. Bis Donnerstag durften Spätsorten noch behandelt werden. Die Einhaltung der Wartezeit beträgt sieben bis 14 Tage je nach eingesetztem Mittel. Seit vergangenem Wochenende sei noch ein weiteres Mittel zugelassen, mit einem Tag Wirkungsdauer, aber auch nur einem Tag Wartezeit.

Lang und Hauber teilten beide mit, dass durch den Vegetationsvorsprung und die kräftigen Niederschläge der vergangenen 14 Tage und den lokalen Hagelschäden vor vier Wochen sowie Befall durch Wespen und Vögel der Schimmelpilz Botrytis um sich greift. Die Ertragsaussichten seien im Moment sehr gut, wobei nicht überall die optimale Reife erreicht sei. Lang: "Die Hauptaufgabe ist für uns alle, den Spagat zu schaffen zwischen der Mengensicherung und dem Erreichen von guten Qualitäten."

Konkrete Tipps für die Vorlese und für den richtigen Zeitpunkt der Lese gab Hauber. Der Vorstand für Önologie und Technik riet den Wengertern intensiv zu beobachten, immer wieder Beeren zu testen, um die Dicke der Beerenhaut und die Konsistenz des Fruchtfleisches festzustellen.

Die aktuellen Lagermengen der genossenschaftlichen Kellerei: Derzeit betrage der Gesamtbestand an Offenwein und Flaschenwein 4,79 Millionen Liter. Hauber: "Beide Keller sind damit nur zu 25 Prozent belegt, das heißt wir haben genügend Platz für die neue Ernte." Vom Gesamtbestand seien 89 Prozent Rotweine und elf Prozent Weißweine. 70 Prozent des Gesamtbestandes sind vom aktuellen Jahrgang 2013, 16 Prozent von 2012 und 14 Prozent belaufen sich auf ältere Jahrgänge.

Info Die derzeitige Gesamtrebfläche der Weingärtner Stromberg-Zabergäu umfasst 782 Hektar, das sind fünf Hektar mehr als im Vorjahr. Davon sind zehn Hektar zur Zeit unbestockt. Es werden 36 Sorten angebaut, 20 rote und 16 weiße.

Kennzahlen der aktuellen Traubenreife

Die aktuellen Messungen der physiologischen Reife gab Vorstand Albrecht Hauber bei der Herbstversammlung am zurückliegenden Mittwoch bekannt:

Acolon (zum Teil schon gelesen), 78 bis 83 Öchsle, Säuregehalt: zwischen 8,5 und 9;

Dornfelder 75 bis 80 Öchsle, Säuregehalt: 7,5 Prozent;

Portugieser: 67 bis 77 Öchsle, Säuregehalt: 8,8;

Regent: 77 Öchsle, "etwas enttäuschend in der Qualität";

Schwarzriesling: 69 bis 77 Öchsle, Säuregehalt: 11,2;

Spätburgunder: 78 Öchsle, Säuregehalt: 13,2,

Trollinger: 58 bis 72 Öchsle, "Steillagen schon in fortgeschrittener Reife";

Lemberger: 75 Öchsle, Säuregehalt. 11,4;

Müller-Thurgau: 68 bis 75 Öchsle, Säuregehalt: 7,8;

Kerner: bei 80 Öchsle, Säuregehalt: 10,6;

Grauburgunder: 75 bis 85 Öchsle, Säuregehalt: 11,0, "sehr kompakte Beeren";

Weißburgunder: 75 bis 80 Öchsle, Säuregehalt: 12,7;

Riesling: 71 bis 78 Öchsle, Säuregehalt: 12,5 bis 13,5.

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