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Späte Ehrung für fünf Juden

Lange, lange hat es gedauert. Jetzt haben auch die Namen von fünf jüdischen Freudentalern, die im ersten Weltkrieg gefallen oder gestorben sind, einen Platz auf einer Ehrentafel im Ort erhalten.

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  • Unterhalb der Tafel mit den Namen der gefallenen Freudentaler erinnert jetzt dieses Schild an die fünf Juden aus Freudental, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. 1/2
    Unterhalb der Tafel mit den Namen der gefallenen Freudentaler erinnert jetzt dieses Schild an die fünf Juden aus Freudental, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. Foto: 
  • Vertreter des Landeskommandos der Bundeswehr legen vor der neuen Ehrentafel einen Kranz nieder. 2/2
    Vertreter des Landeskommandos der Bundeswehr legen vor der neuen Ehrentafel einen Kranz nieder. Foto: 
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"Euch zur Ehre, uns zur Mahnung". Dieser Spruch steht auf der großen Gedenktafel in der Aussegnungshalle des Freudentaler Friedhofs. Auf der Tafel, die 1954 angebracht wurde, sind die Namen der Freudentaler Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege verzeichnet. Ausgeklammert waren bisher die Namen von fünf jüdischen Mitbürgern, die als deutsche Wehrmachtsangehörige im Ersten Weltkrieg gestorben sind: Isidor Levi, Robert Neu, Julius Marx, Eugen Jordan und Isidor Manasse. Seit Sonntag sind jetzt auch ihre Namen an der Tafel verzeichnet. Sie wurden bei einer Feierstunde angebracht.

Für die fünf Juden existierte bisher lediglich in der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel. Allerdings sei diese Tafel beim Novemberpogrom 1938 zerstört worden, sagte Bürgermeister Alexander Fleig in der Feierstunde. Zwar startete der Freudentaler Gemeinderat 1987 eine Initiative, um die Gedenktafel mit den Namen der fünf jüdischen Mitbürger zu ergänzen, jedoch scheiterte dieses Vorhaben am Veto des Steinmetzes, der die Tafel gestaltet hatte und sein Urheberrecht auf dem Gerichtswege geltend machte.

Wieder vergingen Jahre, bis es zu einem zweiten Anlauf kam: Auf Anregung des Arbeitskreises "Erinnern und Gedenken in Freudental" stimmte der Gemeinderat schließlich im Mai 2015 zu, eine zusätzliche Ehrentafel mit den Namen der fünf jüdischen Mitbürger anzubringen. Diese wurde von dem Löchgauer Künstler Henning Seemann gestaltet und hängt nun seit Sonntag unterhalb der ersten Ehrentafel.

Steffen Pross - Redakteur, Historiker und Autor der Freudentaler Adressbücher - umriss den historischen Hintergrund und zitierte aus dem "Kriegstagebuch eines Juden" von Julius Marx. Der Tagebuchschreiber, ein gebürtiger Freudentaler, aber nicht verwandt mit dem oben genannten Namensvetter, war während des Ersten Weltkrieges an mehreren Fronten im Einsatz, brachte es als Offizier bis zum Eisernen Kreuz. Wie viele der rund 100.000 Juden, 18 davon kamen aus Freudental, war auch Julius Marx im Ersten Weltkrieg bereit, für Kaiser und Vaterland zu kämpfen. 12.000 Juden ließen im Ersten Weltkrieg ihr Leben, darunter die fünf Freudentaler. Nach vielen Jahren der Verdrängung habe Freudental gelernt, hob Pross bei dem aktuellen Anlass hervor. Außer mit dem Gedenkstein beim Rathaus, der an die deportierten jüdischen Mitbürger erinnert, stelle sich die Gemeinde jetzt mit der neuen Ehrentafel in der Aussegnungshalle ihrer Geschichte, so der Historiker.

Dafür gebühre der Gemeinde Dank und Anerkennung, sagte Utz Remlinger. Der Erste Landesbeamte des Landkreises Ludwigsburg hob dabei auch den Stellenwert und die Verantwortung des Pädagogisch Kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge Freudental (PKC) hervor.

Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von der Kantorin der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin, Avitall Gerstetter, die am Abend noch ein Konzert im PKC gab. Zudem legten Vertreter des Landeskommandos der Bundeswehr unter Trompetenklängen von Ralf Janßen (Musikschule Bietigheim-Bissingen) vor der neuen Ehrentafel einen Kranz nieder.

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