Partner der

Künstlerische Brücke zum Jenseits

|
Corinna Ulriche aus Zaberfeld (links) und Leonie Kinner aus Brackenheim bereiten in der Sammlung Zander im Bönnigheimer Schloss die neue Ausstellung mit vor.  Foto: 

Am Sonntag öffnet im Bönnigheimer Schloss eine Ausstellung ihre Pforten, die okkultistisch angelegte Werke und Arbeiten aus der Hand von Künstlern zeigt, die sich als ein Medium verstehen und keine Scheu haben, Geistwesen, mit denen sie kommunizieren, auch abzubilden. Die Ausstellung, die Andreas Fischer und Veit Loers kuratiert haben, schafft unter dem Titel „Be Happy! We do not forget you“ eine Plattform für eine Kunstrichtung, die selten an die Öffentlichkeit dringt. Die Vernissage zur neuen Ausstellung ist an diesem Sonntag, 1. Oktober, um 11.30 Uhr im Bönnigheimer Schloss.

Andreas Fischer und Veit Loers sind Kuratoren, die genau wissen, welche Künstler sich mit denen aus der Sammlung Zander kombinieren lassen. Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung auf drei Etagen im Bönnigheimer Schloss stehen diesmal ganz besondere Arbeiten, Skulpturen und Bilder in verschiedenen Techniken. Es seien Dokumente aus der Geschichte des Okkultismus, und darunter fänden sich auch Mediumskunst, Arbeiten, die Künstler im Dialog mit einem bereits Verstorbenen geschaffen haben. Auch in den Beständen der Sammlung Zander findet sich Mediumskunst, die nun in der Kombination mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler in einem neuen Kontext wirken.

150 Exponate

Neugierige haben ab kommendem Sonntag Gelegenheit, 150 Exponate aus privaten und öffentlichen Sammlungen in einem völlig neuen kulturhistorischen Zusammenhang zu erleben. Wer zum Schauen kommt, wird staunen: Es gibt Künstler, die verewigen ihre übersinnlichen Begegnungen durch das dezente Abbilden von Geistwesen. Übersinnliche und damit geheimnis-
umwitterte Phänomene wie die Kommunikation mit jenseitigen Welten sind ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Thema der „okkulten“ Fotografie und Gegenstand vieler zeitgenössischer Maler. Unterschieden wird hier zwischen einer eher dokumentarisch angelegten „Bestandsaufnahme“ der Geisterwelt und neuen Medien, die das Phänomen ebenfalls aufgreifen, aber weniger als Konstruktion des Irrealen, sondern als kreativer Ausdruck der internationalen Kunstszene.

Namenhafte Kuratoren

Die Ausstellung kam zustande, weil die Kuratoren Andreas Fischer und Veit Loers einen direkten Zugang zum Thema haben. Fischer ist Kurator am „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ in Freiburg. Er zeichnete bereits in der Weltmetropole New York am Metropolitan Museum of Art verantwortlich für eine okkultistisch geprägte Werkschau.

Veit Loers war Bundeskurator der Sammlung Zeitgenössischer Kunst Deutschlands. Vor einigen Jahren war er Drahtzieher für die Ausstellung „Okkultismus und Avantgarde“ in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt. Um im Bönnigheimer Schloss eine so bedeutende Werkschau auf die Beine zu stellen, braucht es Sponsoren. Die fanden die Organisatoren zum Beispiel in der Baden-Württemberg Stiftung, in der Kreissparkasse Ludwigsburg sowie bei der Uniqa Kunstversicherung, der Tilkens Fine Art Insurance Broker und der Stadt Bönnigheim.

Nähe zur surrealen Kunst

Die Nähe zur surrealen Kunst ist in vielen Fällen augenfällig. Spätestens seit der berühmte Surrealist André Breton seine Schrift „La message automatique“ 1933 verfasst hat, ist „mediumistische Kunst“ in das öffentliche Interesse gerückt. Mediumskunst entsteht durch das Dirigat von Geistwesen, die dem Maler suggerieren, dass er kreativ tätig werden soll. Das kann wohl sogar passieren, indem ein Geistwesen, die Hand eines Künstlers führt, sind die Ausführenden überzeugt.

Ein bekanntes Malermedium ist die im Umland von Stuttgart aufgewachsene Margarethe Held, eine der bedeutenden Künstlerinnen in der Sammlung Zander. Sie ließ Portraits von Verstorbenen entstehen, schuf Götter und Elfen, die wegen ihrer „naiven“ Audrucksform besonders authentisch wirken und einen direkten Zugang zum Genre schaffen.

Auch Justinus Kerner

Gezeigt werden unter anderem auch figürliche Zeichnungen zum Beispiel von Madge Gill, „Minutenportraits“ oder visionäre Gemälde von jenseitigen Landschaften. Auch Justinus Kerner, der berühmte Weinsberger Arzt und Dichter hat sich in der Bönnigheimer Schau verewigt mit Kleksografien, Zufallsprodukten, wie sie schon die Kleinsten schaffen, die er kunstvoll in Zeichnungen verwandelt hat. Beliebtes Motiv ist hier der Januskopf, der das Ende des einen und den Beginn des neuen Jahres betrachtet.

Die Wechselwirkung zwischen Bildender Kunst und Okkultismus wurde Gegenstand der Avantgarde, die das Übernatürliche in individueller Form facettenreich abbildete. Die Ausstellung zeigt hier zum Beispiel Arbeiten von Sigmar Polke, die sich teils auch ironisch mit höheren Wesen und übernatürlichen Kräften auseinandersetzen. Ein Erlebnis ist auch das „transzendentale Fototheater“ mit okkulten Themen von Bernhard Blume. Thomas Zipp bespielt die ehemalige Kapelle im Bönnigheimer Schloss mit einer Rauminstallation. Dabei lässt er religiös und kulturhistorisch motivierte Gegenstände wie Lampen, Stühle oder eine Hammondorgel zu einem „Psycho-Environement“ miteinander verschmelzen.

Zur Ausstellung gibt es auch ein Begleitprogramm, das an den kommenden Sonntagen mit besonderen Themenführungen durch die Schau aufwartet. Am Sonntag, 8. Oktober, gibt es um 14 Uhr eine Führung mit Schwerpunkt auf Art Brut und Outsider Kunst, worunter die okkultistische Kunst fällt.

Am darauf folgenden Sonntag, 15. Oktober, um 11.30 Uhr, besteht die Chance, an einer Führung durch die gesamte Ausstellung „Be Happy! We do not forget you“ teilzunehmen. suy

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Bönnigheim

Einwohner: 7593 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74357
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 221 m ü. NHN
Bürgermeister Kornelius Bamberger

www.boennigheim.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Nach Bamberger kandidiert auch Chef nicht mehr

Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin tritt nach 24 Jahren nicht mehr an. Am 4. März wird in Gemmrigheim und am 15. April in Bönnigheim gewählt. weiter lesen