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Klarinettistin Elisabeth Brose fordert die Fantasie des Publikums

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Elisabeth Brose und ihr „Kleztett“ aus Stuttgart begeisterte beim Gastspiel im PKC in Freudental.  Foto: 

Es wabbelt ein Pudding an der Wand. Er schmiert nicht, sondern steht in der Senkrechten wie eine Eins. Weil der Pudding festgenagelt ist.“ Wie genau das funktionieren oder aussehen könnte – mit diesen Gedanken darf sich jeder Besucher alleine befassen. Eins hat Elisabeth Brose definitiv erreicht: Kopfkino.

Die Klarinettistin war mit ihren fünf „Kleztett“-Kollegen am Sonntagabend ins Pädagogisch-Kulturelle Centrum (PKC) für ein Klezmer-Konzert nach Freudental gekommen und führte selbst durch das Programm. Den Ehrgeiz, Dinge, die konventionell als unmöglich gelten, zu widerlegen, begegne sie in ihrer realen Welt als Kunststudentin, erzählte sie. Diese Herausforderung nahm sie als Inspiration für eine Eigenkomposition, der sie einen ebenso unkonventionellen Titel gab: „Der Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln.“

Nun wabbelte freilich nicht wirklich ein genagelter Pudding an der Wand. Und auch der Versuch, wackelige Analogien in der Musik zu suchen, ist wohl müßig. Programmatische Züge konnte man in diese Komposition allerdings hineininterpretieren – wenn die eigene Fantasie mitspielte. Dann klangen kratzende, schleifende Töne wie grunzende Seufzer eines naiven Handwerkers; die ausgedehnten und überblasenen Noten skizzierten sein genervtes Schnauben, das sich langsam zu einem ungeduldigen Schnaufen erhob. Das schneller werdende Tempo in der Musik wurde zum Sinnbild des in seinem Ehrgeiz verbohrten Handwerkers, der sich in sein absurdes Vorhaben regelrecht hineinsteigerte.

Meist handelte es sich um traditionelle Tänze, die Elisabeth Brose arrangiert hatte. Weitere Stücke hatte sie selbst komponiert, andere stammten aus der Feder von Helmut Eisel, einem Freund des Sextetts. Immer wieder konnten die Instrumentalisten solistisch auf sich aufmerksam machen, so zum Beispiel Werner Dürr auf der Violine als er eine Hinführung zum flotten „Odessa Bulgar“ spielte. An anderer Stelle trat Elisabeth Broses Klarinette in einen Dialog mit der Bassklarinette von Walter Kämmer und der B-Klarinette von Hellmar Weber. Das kreative Ensemble komplettierten Irmgard Brose am Cello und Herma Paul am Flügel.

Obwohl der charakteristische wie dominante Klezmer-Sound kaum Einflüsse anderer Stilrichtungen zulässt, versuchten die Musiker durch ihre Programmzusammenstellung Kontraste zu erzeugen. So folgte auf den „Odessa Bulgar“ – mit viel russischem Temperament in der Kompositions-DNA – ein getrageneres, schwerfälligeres Stück. Dies kombiniert das „Kleztett“ gerne mit dem „Hahnenkampf“, wobei der Titel schon vermuten lässt, dass es hier querbeet kräht und kiekst. Musikalisch ein Ausbruch aus dem linearen Klangkonstrukt – aber stets kultiviert und von hoher musischer Qualität.

Mit fast 80 Besuchern war die Ehemalige Synagoge im PKC am Sonntagabend ausverkauft. Dass das Publikum große Freude am Konzert hatte, zeigte sich nicht nur durch regelmäßigen Applaus, sondern auch durch eine Szene gegen Ende des Konzerts. Elisabeth Brose erklärte, dass jetzt nur noch ein Stück auf dem Programmzettel stehe. Ein Herr im Publikum vermutete lautstark: „Das kann nicht sein!“ Und er hatte Recht: Das „Kleztett“ spielte zwei Zugaben.

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