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In der Pause bleibt das Handy aus

Für Smartphones heißt es Sendepause - zumindest während der Unterrichtszeit und auch in der großen Pause. Die Handynutzung dürfen die Schulen selbst festlegen. Die Gymnasien in Bönnigheim und Sachsenheim erklären ihre Regeln.

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Menschen, die eifrig auf ihrem Smartphone herumtippen und ihre Augen kaum vom Display abwenden können - ein Bild, das man aus dem Alltag kennt: ob im Bus, der Bahn oder in der Schlange der Supermarktkasse. Die Blicke verharren auf den Geräten.

An den Schulen im Kreis soll dies nicht der Fall sein. Helmut Dinkel, Stellvertretender Schulleiter des Lichtenstern-Gymnasiums in Sachsenheim, möchte, dass an seiner Schule die Schüler von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen: "Uns ist es wichtig dass während der Schulzeit persönlich miteinander kommuniziert wird, da die jungen Menschen in ihrer Freizeit schon viel in sozialen Netzwerken aktiv sind."

Deshalb gelte am Lichtenstern- Gymnasium die Regel, dass Schüler ihre Handys während der Unterrichtszeit und auf dem Schulgelände ausgeschaltet haben müssen. Da die Schule aber auch einen Internatsbetrieb habe, könne das Handyverbot natürlich nicht rund um die Uhr gelten. Außerdem, erklärt Dinkel, gebe es eine leichte Abminderung der Regelung für die Schüler der Kursstufe (Klasse 11 und 12): Diese dürfen in einem festgelegten Raum ihr Handy benutzen. Wo es Regeln gibt, können sie aber auch gebrochen werden. Wird am Lichtenstern-Gymnasium ein Schüler dabei erwischt, wie er sein Handy benutzt, muss er es beim Lehrer abgeben und bekommt es erst nach Unterrichtsschluss im Sekretariat wieder. Werden Schüler zum wiederholten Mal erwischt, kann es für sie unangenehm werden, denn dann müssen die Eltern das Handy abholen, so Dinkel.

Das Land Baden-Württemberg lässt den Schulen in der Frage der Handy-Nutzung weitestgehend freie Hand. Durch das Schulgesetz ist geregelt, dass die einzelnen Schulen selbst dafür verantwortlich sind, Regeln zur Handynutzung aufzustellen, die dazu beitragen, die Ordnung des Schulbetriebes aufrechtzuerhalten und die pädagogischen Aufgaben zu erfüllen. In der Hausordnung des Alfred-Amann Gymnasiums in Bönnigheim, die auch für die Bönnigheimer Sophie-La-Roche-Realschule gilt, ist etwa festgelegt, dass die Schüler keine Handys auf dem Schulgelände benutzen dürfen. Auch andere "bildgebende Medien", wie Audio- und Videogeräte; sind nicht erlaubt. Die Ausnahme seien reine Musikabspielgeräte, wie zum Beispiel MP3-Player. Aber auch diese müssen im Unterricht ausgeschaltet sein, so Schulleiter Steffen Prill. Hält sich ein Schüler nicht an die Regeln, gibt es einen Eintrag ins Klassenbuch, eine Runde Nachsitzen, und das Smartphone wird einbehalten. Die Geräte können dann, wie in Sachsenheim, am Ende des Schultages abgeholt werden.

Prill geht es aber nicht darum, etwas zu verbieten, was "sowieso in aller Hände" ist: "Wir haben kein Handyverbot, um Störungen des Unterrichts zu vermeiden, sondern um gravierende Verstöße zu verhindern, die eben wahrscheinlicher passieren, wenn das Handy angeschaltet sein darf." Mit gravierenden Verstößen meint der Schulleiter beispielsweise das Zeigen von "gewissen Filmchen" und das Aufnehmen von persönlichkeitsverletzenden Inhalten.

Die Regelung dient also vornehmlich der Prävention von Mobbing, im Speziellen dem sogenannten Cyber-Mobbing. Darunter versteht man verschiedene Formen der Belästigung und Nötigung anderer Menschen mithilfe von elektronischen Kommunikationsmitteln, über das Internet oder auch mittels Mobiltelefonen. Prill hat nicht nur einmal mitbekommen, wie der kriminelle Umgang mit einem Handy schwere seelische Schäden hinterlassen hat: "Früher habe ich die Schüler persönlich zu mir kommen lassen, wenn sie ihr Handy doch benutzt haben. Ich habe ihnen dann erzählt, wie einmal ein Schüler unter der Toilettentür durch gefilmt wurde und daraufhin psychologisch betreut werden musste. Damit habe ich versucht ihnen klar zu machen, warum das Handyverbot seinen Sinn hat." Diese Art der Ermahnung habe aber keinen Erfolg gezeigt, "daher musste dann doch eine Strafe her", so Prill.

Sollte ein Schüler Gewaltvideos oder Videos mit pornografischen Inhalten auf dem Handy haben, so sind den Lehrern trotzdem die Hände gebunden. Das Schulgesetz legt fest, dass Lehrkräfte keine Inhalte auf Schülerhandys prüfen dürfen. Es handle sich hier um Inhalte aus dem Privatleben der Schüler. Das Gesetz bezieht sich dabei auf das Grundrecht des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowie das Recht auf informelle Selbstbestimmung.

Am Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim ging man das Thema Dauerkommunikation über Smartphones im Oktober 2013 mit einem Selbstversuch an (die BZ berichtete): Freiwillig verzichteten 30 Schüler des Wirtschaftsgymnasiums fünf Tage auf ihr Handy. Mit dieser Aktion beteiligten sich die Schüler am Schulpreis der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung und belegten den ersten Platz.

Ein weiteres Thema, dass die Schulen bundesweit beschäftigt, ist die Nutzung von sozialen Netzwerken für den schulischen Gebrauch. Eine Vielzahl an Schulen und Lehrkräften meldeten Unsicherheit über den Umgang mit sozialen Netzwerken, denn nicht jedem war klar, was rechtlich erlaubt ist. Auf Grund dessen hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg im Sommer 2013 für alle Schulleitungen eine Vorgabe verfasst, wie mit der dienstlichen Nutzung von sozialen Netzwerken umzugehen ist. Danach ist es Lehrern nicht gestattet, Nachrichten für schulische Zwecke über Kommunikationsmedien wie etwa Facebook oder den Nachrichtendienst Whats-App zu übermittel - weder Schülern noch Kollegen. Das bedeutet, dass es beispielsweise nicht zulässig ist, schulische Termine wie Klassenarbeiten oder Ausflüge über das Internet zu planen oder Lerngruppen einzurichten. Der mangelnde Datenschutz dieser Dienste sei einer der Gründe für das Verbot. Die Nutzungsbedingungen vieler Anbieter seien nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht vereinbar, und da sich die Server der meisten Anbieter außerhalb der EU befänden, gelte dort weder deutsches noch europäisches Datenschutzrecht. Außerdem sei es nicht zulässig, dass Schüler im Unterricht dazu verpflichtet werden, sich in einem Sozialen Netzwerken anzumelden, erklärt das Kultusministerium. Den Umgang mit diesen Medien will das Kultusministerium aber trotzdem unterstützen. Daher heißt es in der Handreichung, dass soziale Netzwerke im Unterricht dazu genutzt werden dürfen, "um Funktionsweise, Vorteile, Nachteile und Risiken medienpädagogisch aufzuarbeiten und zu reflektieren", so das Kultusministerium.

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