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Hochkaräter am exponierten Platz

Die Sammlung Zander präsentiert seit Sonntag im Bönnigheimer Schloss zu ihrem 20-jährigen Jubiläum 209 ausgewählte Arbeiten von 27 Künstlern der Naive aus ihrem Fundus von 5000 Werken.

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Ein großes Thema der neuen Ausstellung der Sammlung Zander im Bönnigheimer Schloss sind Portraits, Selbstportraits und Portraits von naiven Künstlern.  Foto: 

"Es gilt, die künstlerischen Positionen, die aus unterschiedlichen Jahrzehnten und Kontexten stammen, nicht unter einem gemeinsamen Nenner zum Verschwinden zu bringen, sondern in ihrer Einzigartigkeit herauszustellen." Mit diesen Worten beschreibt Kuratorin Susanne Pfeffer die neue Ausstellung der Sammlung Zander im Bönnigheimer Schloss. Die Kunsthistorikerin ist Direktorin des Friedericianum in Kassel.

Der Ansatz der Ausstellung mit 209 ausgewählten Arbeiten von 27 Künstlern liege in der Konzentration auf die künstlerische Qualität. "Es geht nicht darum, das Renommee einzelner Künstler herauszustellen, sondern vielmehr darum, rein mit Blick auf ihre ausgestellten Arbeiten zu urteilen", erklärt Susanne Zander, Tochter der verstorbenen Sammlerin und Mäzenin.

Deshalb ist nahezu jedem Künstler zumindest ein eigener Raum gewidmet, im Erdgeschoss beginnend mit dem ersten Werk, das sich die junge Charlotte Zander gekauft hatte. Gezeigt werden künstlerische Positionen, die so verschieden anmuten, dass sie eigentlich kaum unter dem "Sammelbegriff" Naive Kunst rangieren können.

Zu sehen sind Arbeiten, die Charlotte Zander in mehr als 60 Jahren zusammengetragen hat, aus der internationalen Naiven und aus den Bereichen Outsider Art und Art Brut. Das Hauptgewicht der Ausstellung beruht auf Werken der französischen Klassiker wie André Bauchant, Camille Bombois und als eine der wenigen weiblichen Vertreter Séraphine Louis. Dazu gesellen sich Arbeiten von Adolf Dietrich, Adalbert Trillhaase, Alfred Wallis und Vertretern der Outside Art wie Augustin Lesage, Adolf Wölfli.

Wer die Ausstellung in Augenschein nimmt, glaubt kaum, dass es sich bei den Künstlern um Autodidakten handelt. Die Auswahl traf Kuratorin Susanne Pfeffer. Sie legte viel Wert nicht nur darauf, die qualitativ hochwertige Vielfalt ins rechte Licht zu rücken, sondern sie richtete sich auch bei der Hängung nach den Ansprüchen, die jede Arbeit stellt.

Dafür wurden die Ausstellungsräume im Bönnigheimer Schloss extra frisch gestrichen. Der Museumsshop wurde erweitert und bietet Besuchern nun auch eine Auswahl an interessanter Sekundärliteratur rund um den Bereich Naive Kunst. Am Boden in jedem Raum wurden Beleuchtungsfelder installiert, die für indirektes Licht sorgen.

"Eine große Rolle spielte in der Sammlung meiner Mutter Camille Bombois als Maler des heiligen Herzens, betont Susanne Zander, die den Aufbau der Ausstellung begleitet hat. "Ich will mit dieser Ausstellung sicher nicht meine Mutter nachspielen, sondern von außen kommen als jemand, der aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst weitermacht und neu ansetzt", machte Zander deutlich.

Die unterschiedlichen Positionen machen einen Kunstspaziergang durch das Bönnigheimer Schloss zu einem sehr spannenden Erlebnis. Blumenornamentik, die trotz seriellem Stil nichts mit Monotonie zu tun hat, gehört dazu. Bleistiftzeichnungen von filigranen Gebäuden und Städtebilder von Emerik Ferjes, markante Akte und Arbeiten mit psychedelischem Einschlag, die nahe an den Surrealismus herankommen. Die Neue Sachlichkeit spielt mit hinein, ebenso idyllische Malgebärden aus der Landschaftsmalerei. Ein großes Thema sind Portraits, Selbstportraits und Portraits von Menschen, die sich als "gute" oder "schlechte" zum Beispiel in eine Geschichte hinter einer Serie einreihen.

Wer der Vita einzelner Künstler Beachtung schenkt, wird sehen, dass einige ganz normalen Berufen nachgegangen sind, zum Beispiel Fischer oder Industrielle waren, bevor sie sich dem Malen verschrieben haben. Im Bönnigheimer Schloss erlebt man einmal mehr, dass es kein Kunststudium braucht, um Meisterhaftes hervorzubringen.

 

"Sicheres Gespür für Qualität der Kunst"

Susanne Zander führt die Sammlung Naiver Kunst nach dem Tod ihrer Mutter weiter. Im Interview mit der BZ spricht sie über die aktuelle Ausstellung, ihre Ziele und über ihre eigene Arbeit als Galeristin.

Frau Zander, was bedeutet Ihnen die Sammlung an Naiver Kunst, die Ihre Mutter hinterlassen hat?

SUSANNE ZANDER: Ich finde die Sammlung sehr wichtig. Der kulturhistorische Beitrag, den meine Mutter als Mäzenin und Sammlerin geleistet hat, ist toll. Bemerkenswert finde ich, dass sie schon so früh damit begonnen hat, mit 20 Jahren, und ein sicheres Gespür für Qualität bewiesen hat. Ihr ist zu verdanken, dass diese Bilder jetzt sichtbar sind und nicht in Vergessenheit geraten.

Wie wollen Sie das Erbe Ihrer Mutter präsentieren nach dieser Wanderausstellung im Schloss Bönnigheim?

ZANDER: Schritt für Schritt. Für mich ist jetzt dieser Moment wichtig. Nach sehr viel Vorarbeit von der Kuratorin Susanne Pfeffer und ihrem Team aus dem Fridericianum sowie Cynthia Thumm, der Direktorin des Museums, eröffnen wir die Ausstellung, und nur darum geht es mir im Moment.

In wieweit hat Ihre Mutter Ihren eigenen beruflichen Werdegang beeinflusst?

ZANDER: Ich habe selbst zwei Galerien in Köln und in Berlin und befasse mich aber nicht schwerpunktmäßig mit Naiver Kunst, sondern mit Außenseiterkunst. Von Kindheit an habe ich mich für Kunst interessiert. Später habe ich bei meiner Mutter eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht und meine eigenen Vorstellungen von einer Galerie entwickelt. Dann habe ich mich selbstständig gemacht und bin von München, wo sie ihre Galerie seit 1972 hatte, nach Köln gegangen. Meine Mutter hat mich immer darin unterstützt, meinen eigenen Weg zu gehen.

Wie empfinden Sie die Kooperation mit der Bönnigheimer Stadtverwaltung im Zusammenhang mit dieser Ausstellung?

ZANDER: Die Stadt unterstützt uns sehr gut in allem, was wir hier aufbauen wollten. Ich freue mich sehr darüber, dass Bürgermeister Bamberger die Bedeutung der Sammlung zu schätzen weiß und uns bei unserer Arbeit unterstützt. Die Mitarbeiter vom Bauhof sind sehr hilfsbereit und packen immer gern mit ganzer Kraft mit an.

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