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Gastspiel der "Leipziger Pfeffermühle" in der August-Holder-Halle Erligheim

Kabarett-Truppe "Leipziger Pfeffermühle" ließ am Samstag "Drei Engel für Deutschland" in Erligheim landen. Scharfzüngig nahmen Manja Kloss, Rainer Koschorz und Dieter Richter gesellschaftliche Missstände aufs Korn.

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Politisches Kabarett brachten Manja Kloss, Dieter Richter und Rainer Koschorz (von links) von der "Leipziger Pfeffermühle" auf die Bühne in der Erligheimer August-Holder-Halle.  Foto: 

Nach Einschätzung der "Leipziger Pfeffermühle" gehen im Himmel die Patchwork-Konstellationen in eine neue Dimension. Was es für Konsequenzen mit sich bringt, wenn Gott eine 30 Jahre Jüngere heiratet, die ständig shoppen gehen will, präsentierte das Kabarett-Trio. Drei bissige Geister der Kabarett-Truppe "Leipziger Pfeffermühle" räumen auf mit Rosa-Brillen-Sicht und Beschönigungen im bundesdeutschen Konsum- und Sozialverhalten. Am Samstag kamen sie als "Drei Engel für Deutschland" nach Erligheim.

Es war einmal das Elend der Welt, das seinen Anfang darin nahm, als Gott noch einmal heiratete und zwar eine Frau, die 30 Jahre jünger war als er. Auf ihr Drängen kreierte er für sie eine Welt, in der Frau sich wohlfühlt zwischen Wellness und Shopping. Als Repräsentantin dieser Welt schuf Gott die Bundesrepublik, an der leider trotz "Demokratie, vermeintlicher Gleichberechtigung, gelber Tonne und All-inclusive-Reisen" vieles nach Verbesserung schreit. Dabei helfen Gott, der als seinen verlängerten Arm schnell den öffentlichen Dienst erschuf, genauer den HÖD - den Himmlischen Öffentlichen Dienst - seine himmlisch bissigen Heerscharen aus Leipzig: Manja Kloss, Dieter Richter und Rainer Koschorz - engelsgleiche Mitarbeiter in der Abteilung "D", wie Deutschland.

Als Helferlein vor Ort, sprich auf der Erde, wird den Dreien übel beim Anblick von Unterdrückung und Rassismus. "Was für eine Welt, in der Frau nicht einmal überall selbst entscheiden kann, ob sie sich hinter das Steuer eines Autos setzen will oder nicht", findet Manja Kloss. Zwischen Nazis und IS-Schläfern, Bankern mit einer Spieler-Ausstrahlung und Steuergesetzen mit der Verständlichkeit nordkoreanischer Gebrauchsanweisungen ist im Himmel wie auf Erden, bei den Helfern und den Bedürftigen immerwährend Stress und Überlastung an der Tagesordnung.

In umgeschriebenen Liedern aus verschiedenen Schlager-Zeiten verpacken die drei scharfzüngigen Kabarettisten die bundesdeutsche Wirklichkeit. "Lilly Marleen" kennt jeder. "Doch der Taliban mit dem Infrarot, der trifft auch im Dunkeln ohne Not", hat sich hier als Textzeile eingeschlichen. "Macht schnell die Augen zu", flöten die "Engel" in der August-Holder-Halle im Stil von Marlene Dietrich.

In Erligheim trifft die "Leipziger Pfeffermühle" mit ihrem klaren politischen Kabarett auf ein Kennerpublikum. Zum Wortbiss kommt der Spielbiss, dann wird es irdisch an der himmlischen Front: Begegnung mit einer renitenten Politesse mit dem unwiderstehlichen Charme sächsischer Volkspolizistinnen oder mit einem Hausarzt, der sich die Hand küssen lässt, bevor er auch nur einmal aufsteht, und sich einen Patienten besieht? A-cappella ist das Trio unwiderstehlich - so viel trocken inszenierte Unschuld und vermeintliches Unbeteiligtsein.

Und dann die Kehrtwende zum blinden Aktionismus - sehr irdisch der Gedanke als Truppenbetreuung deutscher Soldaten am Hindukusch mit der neuen Version von "Lili Marleen" einzulaufen. Die menschelnden Engel lassen am Ende keinen Zweifel, dass auch sie die Erde nicht retten können - bleibt nur Hand anzulegen und selbst Lösungen zu finden.

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