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Fluchtgeschichten von früher und heute

Sein Freiwilliges Soziales Jahr hat Lukas Schultze-Melling genutzt, um Freudentaler Fluchtgeschichten von früher und heute aufzuzeichnen.

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Sie leben seit rund 70 Jahren oder erst ein starkes halbes Jahr in der kleinen Stromberggemeinde. Gemeinsam haben sie eines, sie haben ihrer Heimat aus unterschiedlichen Gründen den Rücken gekehrt: Heimatvertriebene aus der Bukowina, Oberschlesien sowie Flüchtlinge aus dem Kosovo und Syrien. Ihren Fluchtspuren ist Lukas Schultze-Melling nachgegangen. Der junge Mann hat nach dem Abitur im September vergangenen Jahres sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) begonnen, das noch bis Ende August von der Gemeinde Freudental und dem Pädagogisch Kulturen Centrum ehemalige Synagoge (PKC) getragen wird. Die Idee für sein Projekt „Freudentaler Fluchtgeschichten früher & heute“ hatte Schultze-Melling bereits kurz nach seinem Start in Freudental. Auslöser für seine Projektarbeit sei die aktuelle Flüchtlingssituation 2015 gewesen, so der junge Mann, der sich schon während seiner Schulzeit für Geschichte und Gemeinschaftskunde interessierte und die Vertriebenenproblematik auch aus der eigenen Familie kennt. Nicht nachvollziehen konnte der FSJler im Herbst vergangenen Jahres die „akute Aufregung“ in vielen Teilen der Bevölkerung und Sprüche wie: „Das gab’s noch nie.“ Dabei ist Flucht nichts Neues. Ihm habe bei Diskussionen jedoch meist der historische Rückblick gefehlt, zumal es viele Parallelen zwischen Fluchtgeschichten von früher und heute gibt.

Mit seiner Arbeit wolle er zum einen auf Einzelschicksale hinweisen. „Menschen verlassen nicht aus Spaß ihre Heimat“, so Schultze-Melling. Zum anderen interessierte ihn auch die heutige persönliche Situation der Geflüchteten. Und er kann mit seiner Arbeit  gut an die Geschichte der Freudentaler Juden anknüpfen, von denen viele nach der Reichsprogromnacht 1938 aus Freudental flüchteten. Deren Schicksale hat der Journalist und Historiker Steffen Pross in den Freudentaler Adressbüchern festgehalten.

Insgesamt 13 Interviews hat Lukas Schultze-Melling mit Freudentalern Bürgerinnen und Bürgern geführt. Diese hatten eine Flucht oder gar mehrere Fluchten hinter sich, bevor sie in Freudental strandeten. Durch Vermittlung von Bürgermeister Alexander Fleig und des PKC erhielt der  junge Mann Adressen und Kontakte zu den in mehr als sieben Jahrzehnten Geflüchteten. Bei seinen Interviews arbeitete Lukas Schultze-Melling mit den Befragten einen von ihm erstellten Fragenkatalog zu vier Kernthemen ab: Fluchtgründe, Ankunft/Aufnahme/Hilfe, Heimat und Rückkehr. Im persönlichen Gespräch konnte er vieles vertiefen und Vergleiche zwischen früher und heute anstellen. So sind die Heimatvertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg wie die Flüchtlinge heute erst in zentralen Lagern untergebracht worden, ehe sie auf die Gemeinden verteilt wurden. Und dort angekommen, wurden und werden sie nicht immer mit offenen Armen aufgenommen. Alles nachzulesen in der mehrseitigen Broschüre.

Doch eines steht fest: Für die meisten von ihnen ist Freudental inzwischen eine Heimat oder zumindest eine zweite Heimat geworden. Sein Projekt stellt  Schultze-Mellingauch am Mittwoch, 6. Juli um 19.30 Uhr   beim Bietigheimer Geschichtsverein im Gasthaus zum Bären vor.

Projekt engagierter Mitbürger

Arbeitskreis Das Projekt „Freudentaler Fluchtgeschichten früher und heute“ ist eng mit den Vorhaben des Arbeitskreises „Erinnern und Gedenken in Freudental“ verbunden. In dieser Gruppe engagieren sich Bürger, Vertreter des Gemeinderates, die Kirchen, das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge sowie der Journalist und Historiker Steffen Pross, auch Autor der Freudentaler Adressbücher. Ziel des Arbeitskreises ist es, Aspekte der Freudentaler Ortsgeschichte aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit nahezubringen. Erstes Projekt des Arbeitskreises war das Anbringen einer Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallen jüdischen Mitbürger in der Aussegnungshalle des Friedhofs. rr

Kooperation Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein Freiwilligendienst für Jugendliche und junge Erwachsene. Es wird von einem zugelassenen Träger durchgeführt, der  auch die pädagogische Begleitung der FSJler  übernimmt. Neben der individuellen Betreuung der Teilnehmer gehört hierzu insbesondere die Seminararbeit. Das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) und die Gemeinde Freudental haben 2015/2016 erstmals gemeinsam eine Stelle FSJ Kultur geschaffen. Auch 2016/2017 wird es im  PKC eine FSJ-Stelle Kultur geben,  diesmal in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung. Die Stelle – Start ist am 1. September – ist bereits besetzt.

Projekt engagierter Mitbürger

Arbeitskreis Das Projekt „Freudentaler Fluchtgeschichten früher und heute“ ist eng mit den Vorhaben des Arbeitskreises „Erinnern und Gedenken in Freudental“ verbunden. In dieser Gruppe engagieren sich Bürger, Vertreter des Gemeinderates, die Kirchen, das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge sowie der Journalist und Historiker Steffen Pross, auch Autor der Freudentaler Adressbücher. Ziel des Arbeitskreises ist es, Aspekte der Freudentaler Ortsgeschichte aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit nahezubringen. Erstes Projekt des Arbeitskreises war das Anbringen einer Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallen jüdischen Mitbürger in der Aussegnungshalle des Friedhofs.

Gemeinde und PKC
Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein Freiwilligendienst für Jugendliche und junge Erwachsene. Es wird von einem zugelassenen Träger durchgeführt, der  auch die pädagogische Begleitung der FSJler  übernimmt. Neben der individuellen Betreuung der Teilnehmer gehört hierzu insbesondere die Seminararbeit. Das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) und die Gemeinde Freudental haben 2015/2016 erstmals gemeinsam eine Stelle FSJ Kultur geschaffen. Auch 2016/2017 wird es im  PKC eine FSJ-Stelle Kultur geben,  diesmal in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung. Die Stelle – Start ist am 1. September – ist bereits besetzt.

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