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Endlich: Bönnigheim ehrt Bruno Diemer

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Sehr kurzfristig, nämlich Ende Januar diesen Jahres, bekam die Stuttgarter Kuratorin Marjatta Hölz von Bönnigheims Bürgermeister Kornelius Bamberger den Auftrag, eine Ausstellung im Schloss zu konzipieren. Die Vernissage der Ausstellung mit Werken des Bönnigheimer Künstlers Bruno Diemer sollte schon einen Monat später, am 26. Februar, sein. Im Schloss soll die Ausstellung stattfinden, genau gegenüber von dem Haus, in dem Diemer aufgewachsen ist. „Ich kam leicht ins Schwitzen, denn ich kannte zwar den Namen Bruno Diemer, aber nicht dessen Werke“, sagt Marjatta Hölz im Gespräch mit der BZ. Sie fuhr nach Bönnigheim und schaute sich die 60 Werke an, die eine Leihgabe der Familie Diemer sind. „Als ich die Bilder sah, fielen mir sofort Themenkomplexe ein“, sagt die Kuratorin. Und so wird die Stadt Bönnigheim einen ihrer begabtesten Söhne vom 26. Februar bis zum 21. Mai zum ersten Mal in einer großen Ausstellung ehren – 55 Jahre nach seinem Unfalltod.

Bruno Diemer, 1924 in Brackenheim geboren, wuchs ab seinem dritten Lebensjahr, in dem auch sein Vater starb, in Bönnigheim auf und hatte zeitlebens ein enges Verhältnis zu der Stadt und zu seiner Mutter, die dort lebte. Auch ein Atelier hatte er anfangs in der Ganerbenstadt, bis er 1950 nach Paris zog. Studiert hatte er Malerei an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart bei Willi Baumeister. Diemer ist auch in Bönnigheim begraben worden, nachdem er 1962 auf dem Weg nach München und Bönnigheim mit dem Auto verunglückte.

Die Bönnigheimer Ausstellung „Bruno Diemer (1926 bis 1962) Am Abgrund entlangschwebend. Beziehungen, Stillleben, Stadtansichten“ würdigt sein künstlerisches Schaffen und setzt es in Beziehung zu seiner bohemianhaften Biografie. Zu den Werken aus dem Nachlass Diemers und seiner Frau, die 2010 verstarb, die zum Teil 2014 in der Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen gezeigt wurden und in Besitz der Familie Diemer sind, bekam Hölz Leihgaben aus der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, die dem Künstler 2002 eine Ausstellung widmete, als ihr 36 Werke von der Familie als Schenkung überlassen wurden.

2014 bot die Familie die Gemälde Diemers in einer Verkaufsausstellung in der Galerie Bayer an. Alle nicht verkauften Werke, so sagt Bürgermeister Bamberger, kamen zur Zwischenlagerung ins Schloss Bönnigheim – auch, um sie eventuell dort zu zeigen. Einige Werke bekam die Stadt als Schenkung überlassen, so dass sie nun acht Diemer-Gemälde in ihrem Besitz hat. „Es gab noch nie eine Ausstellung Diemers in Bönnigheim und schon zu Anfang meiner Amtszeit war mir klar, dieser Künstler ist eine Nummer in der Kunst und somit auch wichtig für die Stadt und nun ergab sich die Gelegenheit, ihn zu präsentieren“, so Bamberger. Nachdem Ende 2016 eine Kuratorin abgesprungen war, musste er „auf die Schnelle“ eine neue finden, um seinen „Traum von einer Ausstellung“ wahr werden zu lassen. 10 000 Euro lässt die Stadt sich die Diemer-Schau kosten und verspricht, „Diemer die Anerkennung zukommen zu lassen, die dieser große Künstler verdient“, so Bamberger.

Der Titel der Bönnigheimer Ausstellung geht auf ein Zitat  des Bruders von Diemers Frau Martina Kaessler, Paul Nizon, zurück, der auch über den Künstler sagte, dass er „über der Bordsteinkante schwebte“, so erzählt Hölz. Damit war die künstlerische und persönliche Suche Diemers nach der idealen Komposition, der perfekten Harmonie, gemeint, die Ausdruck einer Art „Sehnsucht nach Asyl und Heilung“ sei, wie der Galerist Rudolf Bayer es in seiner Einführung zu seiner Ausstellung im Jahr 2014 sagte.

Die Stillleben sind eine der Gruppen, in die Hölz die Schau aufteilte. „In den Stillleben hat Diemer seinen charakteristischen Stil ausgebildet“, sagt die Kuratorin. „Hier entwickelte er die äußerste Reduktion dessen, was ihm wichtig erschien, selbst Licht und Schatten wurden ausradiert.“ Diemer sei dann zu einer ganz eigenen künstlerischen Handschrift gekommen. Diemers Stadtansichten von Bönnigheim, eine große Gruppe in der Ausstellung, sind menschenleer. „Die Gruppe der Stadtansichten wird der Bedeutung der Stadt für den Künstler gerecht“, sagt Hölz.

Info Die Ausstellung „Bruno Diemer. Am Abgrund entlangschwebend. Beziehungen, Stillleben, Stadtansichten“ wird am Sonntag, 26. Februar, 11.30 Uhr, im Schloss Bönnigheim eröffnet und bis zum 21. Mai gezeigt.

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