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Ein Leben im Sinne der Völkerverständigung

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Ludwig Bez anlässlich seiner Verabschiedung im Jahr 2013 vor seiner Wirkungsstätte, dem PKC in Freudental.  Foto: 

Das Pädagogisch-Kulturelle Centrum ehemalige Synagoge Freudental sei Teil seines Lebens und er werde „das PKC denken, bis das Denken aufhört.“ Mit diesen Worten beschrieb Ludwig Bez im Interview mit der BZ sein Verhältnis zum PKC anlässlich seiner Verabschiedung im Juli 2013. Am Samstag, dem 1. Advent ist Ludwig Bez völlig unerwartet gestorben. Mehr als 30 Jahre lang leitete er das PKC im Sinne eines „Dialogs der Kulturen“, wie er es selbst oft beschrieben hat. Ohne seine Konzeption, seine Ideen und seinen Einsatz wäre die ehemalige Synagoge in dem kleinen Ort am Rande des Strombergs wohl kaum überregional als Stätte bekannt geworden, an der die neuere deutsche Geschichte mit all ihren Schrecknissen im Mittelpunkt stand, aber auch Versöhnung und Toleranz gelehrt und gelebt wurden. „Die Leitung des PKC war für Ludwig Bez kein Job, es war ihm eine Lebensaufgabe“, würdigte Landrat Dr. Rainer Haas den Verstorbenen,

Kurioserweise war es an einem 1. Advent, dass Bez im Jahr 1981 vor dem Gebäude aus dem Jahr 1770 stand und erschrocken über seine Baufälligkeit war. Ende der 70er-Jahre hatten sich Pfarrer aus Nachbarorten im Verbund mit Gleichgesinnten dafür eingesetzt, das Gebäude, das vor dem Abriss stand, zu erhalten und als Kulturzentrum zu gründen. Bez wurde angesprochen und lieferte die Konzeption. Ihm sei es zu verdanken, dass in den Jahren danach aus einem toten Ort „eine Stätte der Begegnung, des Lernens und des Erinnerns“ entstehen konnte, sagte Herbert Pötzsch, der Vorsitzende des PKC-Vereins.

Bez sei davon überzeugt gewesen, dass gegenseitiges Kennenlernen immer zu Verständnis und Toleranz führten, so Pötzsch. Auf Reisen nach Israel und in andere Länder mit Bezugspunkten zu jüdischem Leben habe er für den Gedanken der „Völkerverständigung“ geworben. Bez habe „viele Menschen zusammengeführt“, sagte Landrat Haas. Vor allem die Arbeit mit jungen Menschen sei ihm wichtig gewesen. „Er hat es verstanden, die Menschen zu packen“, sagte Pötzsch.

Bez selbst, der von 1979 bis 1980 in einem Kibbuz im Oberen Galiläa in Israel gelebt hatte, verdankte die Idee zum PKC seinem israelischen Freund Gali Lahar, wie er erzählte. „Mach’ eine Knesset draus“, soll der ihm damals geraten haben, ein Ort des Lernens und des Begegnens. Diese Freundschaft war auch die Basis für die Partnerschaft des Landkreises Ludwigsburg mit dem Oberen Galiläa. Für Haas ist Bez der „Gründervater“ der Partnerschaft.

Die Trennung vom PKC, das er sein Kind nannte, und die Übergabe an seine Nachfolgerinnen Isolde Siegers und Barbara Schüßler, fielen Bez schwer und endeten im Zerwürfnis. Was Bez allerdings für das PKC geleistet habe, sagt Herbert Pötzsch, „das wirkt nach“.

Ludwig Bez wurde 1949 in Kirchheim/Teck geboren und wuchs bei Freudenstadt im Schwarzwald auf. Er studierte an der CVJM-Hochschule in Kassel und war bis 1998 Jugend- und Sportreferent beim Jugendwerk in Stuttgart. 1979 bis 1980 lebte er in Israel in einem Kibbuz. 1980 bis 1987 war er Religionspädagoge an der Realschule Markgröningen. Das PKC leitete er seit 1985, seit 1987 im Hauptamt als Angestellter des Vereins. Ludwig Bez starb am Samstag. Er hinterlässt seine Frau Marlis, die eng mit ihm zusammenarbeitete, und eine Tochter.

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