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Das amerikanische Phänomen

Die Amerikanerin Ann Marie Ackermann lebt seit 20 Jahren in Deutschland, der Sersheimer Gerd Renno seit 1993 in den USA. Beide versuchen Donald Trump zu erklären.

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  • Der Sersheimer Gerd Renno lebt seit 1993 in den USA. Vom republikanischen Politiker Donald Trump hält der 58-Jährige nichts. 1/2
    Der Sersheimer Gerd Renno lebt seit 1993 in den USA. Vom republikanischen Politiker Donald Trump hält der 58-Jährige nichts. Foto: 
  • Ann Marie Ackermann ist in den USA geboren. Sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland und ist in Bönnigheim auch als Vogelkundlerin bekannt. 2/2
    Ann Marie Ackermann ist in den USA geboren. Sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland und ist in Bönnigheim auch als Vogelkundlerin bekannt. Foto: 
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Der amerikanische Unternehmer Donald Trump ist auf bestem Weg der republikanische Präsidentschafts-Kandidat zu werden. In Europa ist sein bisheriger Erfolg bei den Vorwahlen nur schwer verständlich. Unter anderem sorgte er mit seinen umstrittenen Aussagen über illegale Einwanderung sowie mit seinem Vorschlag, vorübergehend allen Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern, für weltweite Aufmerksamkeit.

Die US-Amerikanerin Ann Marie Ackermann lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Mit zwei Schwestern, Cousinen, Tanten und Onkeln, die in den USA leben, steht die 57-jährige ehemalige US-Staatsanwältin im engen Kontakt. Sie sei stark an der Politik in ihrem Geburtsland interessiert, dennoch ein Erklärungsversuch über den Erfolg von Donald Trump fällt der Bönnigheimerin nicht leicht. "Ich glaube, dass Trump Dinge sagt, die die Leute denken, aber nicht den Mut haben zu sagen", vermutet Ackermann im BZ-Gespräch. "Political Correctness" - Ausdrücke und Handlungen zu vermeiden, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können - habe in der amerikanischen Bevölkerung immer noch eine große Bedeutung. "Die Leute fühlen sich gehemmt, ihre Meinung zu sagen", so die Bönnigheimerin. Was ihr Sorgen mache? "Ich spüre in seinen Reden, es gibt Gewalt", sagt Ann Marie Ackermann und merkt an: "Die Leute werden ermutigt andere auszuspielen."

Nach ihrer Einschätzung zur Politik in den USA, gehe es auf beiden Seiten des politischen Spektrums in die Extreme. "Ich verstehen die amerikanische Politik zurzeit nicht", sagt Ackermann, die davon überzeugt ist, dass beide Parteien Kandidaten ausgewählt haben, die nicht beliebt sind. Die Amerikaner seien im Konflikt, weil sie weder Trump noch Hillary Clinton wählen wollen, denn normalerweise müsse ein Politiker in den USA "sehr gute soziale Kompetenzen" haben. Ann Marie Ackermann: "Trumps Wahlkampf ist außergewöhnlich. Es gibt nichts in der Vergangenheit, mit dem man es vergleichen kann."

"Trump spricht aus, was viele denken. ,Political Correctness' spielt für ihn keine Rolle", sagt auch der Sersheimer Gerd Renno, der 1982 als Austauschstudent in die USA ging, in Madison seine spätere Ehefrau Kathy kennenlernte und seit 1993 dort lebt. In Amerika lege man üblicherweise in der Politik jedes Wort auf die Goldwaage, "Trump aber poltert ohne Rücksicht". "Die Mehrheit seiner Anhänger fühlt sich von den etablierten Politikern vernachlässigt", sagt der 58-Jährige, der seit 2001 als Ingenieur in Tucson in Arizona arbeitet, zwei Kinder und vier Enkel hat. Trump spiele mit den Ängsten der benachteiligten Amerikaner, meint Renno: "Er findet viele Schuldige für deren Situation: Einwanderer, etablierte Politiker und linke Gruppen."

Trump habe die Vorwahlen gewonnen, weil er von den anderen Politikern unterschätzt wurde. Renno: "Er hat die Not und die Ängste von Grenzgruppen schamlos ausgenutzt." Darüber hinaus habe ihm die Presse eine Plattform gegeben, "weil er immer für eine Schlagzeile gut war". Dem 58-jährigen Sersheimer macht Sorge, dass man in der Außenpolitik, in der Diplomatie berechenbar sein müsse. "Trump will nicht berechenbar sein", konstatiert Renno: "Trump hat keine politische Vision, er hat eine Vision von sich." Er fühle sich als der Besten von allen, sagt Renno und merkt abschließend an: "Viele Republikaner wissen nicht, was die politische Substanz von Trump ist."

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