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Bewaffnete „Zöllner“ verwehren den Zugang

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  • Das ehemalige Rathaus in Hofen. Heute hat es keine Funktion mehr, die Entscheidungen werden in Bönnigheim getroffen. Es steht leer und ist sanierungsbedürftig. 1/2
    Das ehemalige Rathaus in Hofen. Heute hat es keine Funktion mehr, die Entscheidungen werden in Bönnigheim getroffen. Es steht leer und ist sanierungsbedürftig. Foto: 
  • Das offizielle Wappen Hofens bis zum Jahr 1972. 2/2
    Das offizielle Wappen Hofens bis zum Jahr 1972. Foto: 
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In Bönnigheim wie überall im Land Baden-Württemberg griff die Gemeindereform im Jahr 1973: Nach ihr sollten handlungsfähige Kommunen entstehen, kleine Ortschaften wurden in größere eingemeindet, und die Ortsverwaltung wurde in solchen Fällen verlagert. Erligheim, das eine historische Beziehung zur Ganerbenstadt hatte, blieb selbstständig, Hohenstein wurde damals stark von Kirchheim umworben, entschied sich dann aber doch für Bönnigheim.

Den Bönnigheimern wurde es aber damals bei den Einheitsfeierlichkeiten nicht leicht gemacht. In Hohenstein wurde anlässlich des dreitägigen Festes ein mächtiges Stadttor aufgebaut, das den mit Pferden und Musik anrückenden Bönnigheimern symbolisch den Eingang versperrte. In Hofen verwehrten bewaffnete „Zöllner“ den Zugang für die Bönnigheimer, denen erst mal die „Schmuggelware“ abgenommen wurden. Ausgiebig gefeiert wurde erst anschließend, nachdem der damalige Bürgermeister Gottlob Stierle alle Prüfungen bestanden hatte.

Was hat die Reform gebracht? Ganz sicher eine Einsparung der Verwaltungsebene, auch wenn beide Teilorte noch einige Jahre einen Ortschaftsrat hatten. Im Verbund war es einfacher, Kräfte zu bündeln und so auch Kosten zu sparen. Beide Ortschaften wurden auch mit dem Bau einer teuren Halle belohnt, die sie sich selbst so nicht ohne Weiteres hätten leisten können. In Hohenstein wurde später die Wiesentalhalle gebaut, und Hofen bekam seine Rainwaldhalle.

Aus Tradition gibt es nach wie vor einen jährlichen Besuch des Bönnigheimer Gemeinderats in Hofen und Hohenstein. Und dort bekommen die Räte, denen Vertreter beider Orte angehören, schon manchmal auch Gegenwind für ihre Politik, da sich Hofen und Hohenstein zuweilen vernachlässigt fühlen. Die Kirbesitzungen in beiden Orten drehten sich insbesondere um den Verkehr, der den Einwohnern zu schaffen macht.

Als „völlig eingespielt“, so beschreibt Bürgermeister Kornelius Bamberger das Zusammenleben heute. Er kam zwar erst rund 30 Jahre nach der Kommunalreform als Bürgermeister nach Bönnigheim, weiß aber um die Bemühungen, Verbesserungen für die Teilorte zu erreichen. „Wir haben versucht, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die Infrastruktur zu verbessern“, so der Rathauschef. Spielplätze wurden angelegt, es gab eine bessere Anbindung an das Hofener Neubaugebiet und der dortige Verkehr wurde durch bauliche Maßnahmen beruhigt.

Derzeit stehen beide Friedhöfe zur Umgestaltung an, und auch das frühere Hofener Rathaus soll saniert werden. „Was sich gut entwickelt hat, war der Wandel der früheren Hofener Feuerwehr zum heutigen Bürgerverein“, lobt Bamberger das Engagement der Hofener. Zudem gibt es die Arbeitsgemeinschaft der Bönnigheimer Vereine, die alle einbindet und eine Einheit bildet, auch wenn sich bei vielen Vereinen ein Generationenwechsel bemerkbar macht.

„Im Gemeinderat hat jeder Rat die Verantwortung für alle drei Orte“, sagt Bamberger, auch wenn drei Stadträte aus Hofen und zwei aus Hohenstein kommen und natürlich mehr über ihre Orte Bescheid wissen. „Jeder Stadtteil ist so stark vertreten, wie er starke Kandidaten aufstellt und in den Gemeinderat bringt“, ist seine Überzeugung.

Die Hofenerin Dorothea Bechtle-Rüster gehört seit 23 Jahren dem Gemeinderat an und ist Mitglied im Technischen Ausschuss, im Ältestenrat sowie Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gremium. Sie hat die Einheitsfeierlichkeiten im Jahr 1973 und die anschließenden Veränderungen erlebt, die beim Zusammenwachsen kamen. Größtes Problem für die Hofener sei die Verkehrssituation, sagt die Lehrerin. Der Lärmaktionsplan sei noch in der Bearbeitung, so Bechtle-Rüster, „wir sind dran, dass etwas passiert“.

Doch auch sie ist skeptisch, dass die Verkehrszahlen für eine Tempo-30-Regelung ausreichen. Optimal findet sie die kurzen Wege zur Schule, die zusammen mit Erligheim entstand. Zur Grundschule Erligheim-Hofen können die Kinder mit dem Fahrrad fahren, sie würden früh selbstständig und „Elterntaxis“  seien hier eher die Ausnahme. Und Hofen könne wachsen, erklärt die Gemeinderätin: Im Flächennutzungsplan ist für den Teilort eine Fläche ausgewiesen, der zum Baugebiet werden könnte. Ob es kommt, sei noch nicht sicher, doch für die Hofener sei dies sehr wichtig, so die Gemeinderätin.

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