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Auf bay­e­risch in Bönnigheim

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Im Kulturkeller in Bönnigheim spielte Hans Well mit seinen Kindern als „Wellbappn“.  Foto: 

Die Zensi von der Alm greift zur Zitter – von wegen. Auch wenn Sarah Well, die Tochter des legendären Biermösl-Blosn-Mitglieds Hans Well aussieht, als könnte sie kein Wässerchen trüben, so hat sie es wie ihr Bruder Jonas Well und natürlich auch der Vater faustdick hinter den Ohren. Der Verein Kulturfenster hatte das Trio am Freitagabend in den Bönnigheimer Kulturkeller eingeladen.

Kontrabass, Trompete, Tuba, Scherrzither, Ukulele, Bouzouki, Gitarre und Alphorn – für Jonas Well sind das alte Freunde. Er ist halt der Spross einer Familie, der die Multiinstrumentalität in die Wiege gelegt wurde. Scharfzüngig zerpflückte das Trio Wellbappn am Freitagabend heikle Themen im bayerischen Melodiengeflüster.

Betreutes Singen zu Dritt

Hans Well war mit 24 plötzlich in aller Munde durch seine Umtextung der Bayernhymne in „Gott mit Dir Du Land der BayWa“. Er rief die Wellbappn auf den Plan mit den Disziplinen dilettantische und virtuose Gitarre, Rumsbass – für den sogar eine Sinfonie geschrieben wurde – Steirischer, Alphorn oder Tuba. Sein Nachwuchs wollte die gemeinsame CD aus ihm unerklärlichen Gründen „Betreutes Singen“ betiteln.

Genügend „Betreuer“ hatten die Wellbappn im Kulturkeller am Freitag. Das deutlichste Instrument des Abend war wohl ihre spitze Zunge. Als Einheizer schon dichteten sie ein Lied über Bönnigheim, in dem sie angefüttert von Einheimischen, mit heiklem Gesprächsstoff aus dem Vollen schöpften: Die Granitblöcke, die den Platz vor dem Schloss in ein Wasserspiel verwandeln sollen, kamen aufs Tablett und anderes, das die Wellbappn vorher aufgeschnappt hatten.

Im Andante con Rumsbass ritt der Vater, frei nach dem Erlkönig, mit dem Sohne geradewegs in die Katastrophe. Nein er ritt nicht, er fuhr und ignorierte die Tempovorgabe von 130 Kilometern pro Stunde nur zu gern. Visionen wurden laut, was wohl alles passiert, wenn der Meeresspiegel steigt: „Dann gibts in Stuttgart Dorsche statt Porsche.“

Das Trio bemühte ironisch, augenzwinkernd im Sinne der Tourismus-Industrie die Perlen des Alpenlandes auch im Zeitalter von Umgehungsstraßen und Lärmschutzwänden, Industriegebiet und S-Bahn-Anschluss noch idyllisch wirken zu lassen. So mancher Politiker müsste sich warm anziehen, um dieses Massaker live zu ertragen.

Und dabei nannten die Wellbappn nur Wahrheiten und bissige Beispiele, wo überall in der Menschheitsgeschichte der Wurm drin ist. Die drei huldigten dem bayrischen mehrstimmigen Gesang zu Zitter und anderem Zupf- und Blechwerk und sie beanspruchten hohe Aufmerksamkeit, als sie zunehmend immer politisch-kritischer wurden. Über zwei Stunden wurde „fein gschimpft“ auf Bayrisch im Kulturkeller. In der Pause erinnerten sich viele an Zeiten, als die Biermösl Blosn mit Gerhard Polt auf der Bühne standen.

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