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Bewusstsein für den Wert der Pflege

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Tanja Dzoja vor ihrer Firma in Bönnigheim. Die gelernte Krankenschwester setzt sich immer noch selbst ins Auto, um alte und kranke Menschen im Raum Bönnigheim und Besigheim zu betreuen.  Foto: 

Zehn neue Mitarbeiter könnte sie sofort einstellen, an Arbeit und Anfragen mangelt es nicht, sagt Tanja Dzoja. Das Problem: Sie sind nicht zu finden, sagt die 49 Jahre alte Chefin des häuslichen Alten- und Krankenpflegedienstes in Bönnigheim. Mit ihren 14 Angestellten besucht und versorgt die gelernte Krankenschwester kranke, alte und sterbende Patienten im Raum zwischen Bönnigheim und Besigheim. Ihre klare Botschaft: „Es muss sich etwas bewegen“ – um den wachsenden Bedarf an Pflege decken zu könnnen, aber auch, um weiter fachlich und menschlich den Patienten gerecht zu werden.

Denn Tanja Dzoja hat ein klares Berufsethos. Pflege, das sei nicht nur die Versorgung mit dem Nötigsten, die körperliche Pflege. Es sei vielmehr ein „umfassender Eingriff auf den Menschen“,  zu der eine seelische Funktion gehört. „Das muss man weitergeben“, ist sie überzeugt.

Stellenwert verbessern

Damit Menschen diesen Beruf ergreifen, braucht es deshalb mehr als eine gute Bezahlung. Die sei mittlerweile mit 2600 bis 2800 Euro, wie sie von Altenpflegeheimen angeboten werden, monatlich gar nicht einmal so schlecht. Mindestens ebenso wichtig sein es, das Bewusstsein für den Wert dieser Berufezu ändern. Mit dem Beruf des Pflegers verbinden immer noch zu viele Menschen die Begriffe Krankheit, Leid und Tod. Es sei nicht damit getan, Menschen aus dem Ausland als Pfleger einzustellen, sagt Dzoja, die selbst 1999 aus dem früheren Jugoslawien nach Deutschland kam. „Wir brauchen die sprachliche Kommunikation mit den Patienten.“

In ihrem eigenen Unternehmen geht es Tanja Dzoja um das Angebot einer hochqualifizierten Pflege. Ganz besonders am Herzen liegt ihr die Begleitung in palliativen und onkologischen Fragen. Sie erhalte viele Anrufe von aufgewühlten Angehörigen, wenn die Patienten das Krankenhaus verlassen sollen, im Pflegeheim aber kein Platz für sie ist, sagt Dzoja, die sich in der Palliativpflege weitergebildet hat.

Dabei wird der Verwaltungsaufwand immer größer, klagt sie. Während die letzte Pflegereform von vielen Beteiligten gelobt wird, sieht Dzoja in den Vorschriften vor allem einen „Dschungel, in dem man sich erst zurechfinden muss“. Viele Kollegen in der Branche seien an der Grenze des Machbaren, um einerseits die hohen Standards der Pflege bieten zu können und andererseits die Vorgaben des Medizinischen Dienstes zu erfüllen. Sie selbst ist in einem Ausschuss des Landkreises Ludwigsburg tätig, wo sie die Probleme und Forderungen der Pflegebranche im Landkreis mit öffentlichen Trägern und privaten Anbietern diskutiert.

Tanja Dzoja hat ihre Entscheidungen getroffen, um mit den Anforderungen an ihr Unternehmen gerecht zu werden. Sie hat ihr Tätigkeitsfeld regional begrenzt und sich verkleinert. Neben der Palliativmedizin hat sie sich weitergebildet, um Menschen mit multipler Sklerose behandeln zu können. Den persönlichen Wünschen der Mitarbeiter versucht sie mit individuell abgestimmten Dienstplänen gerecht zu werden. So gibt es beispielsweise eine eigene Schicht für alleinerziehende Mütter, die bei ihr beschäftigt sind.

Nach wie vor setzt sich die Chefin auch selbst in das Auto, um zu ihren Patienten zu fahren. In der Kooperation mit den Schulen in Bönnigheim versucht sie junge Menschen für den Beruf zu begeistern und ihnen einen sozialen Umgang mit kranken Menschen nahezubringen. Denn eines ist aus ihrer Sicht sicher: Ohne die gesellschaftliche und politische Anerkennung des Berufs wird es künftig noch schwieriger die wachsende Zahl alter Menschen fachlich und menschlich zu beraten, zu betreuen und zu pflegen

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Bönnigheim

Einwohner: 7593 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74357
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 221 m ü. NHN
Bürgermeister Kornelius Bamberger

www.boennigheim.de/

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