Partner der

Schachspiel führt zu guten Noten

Seit fast genau einem Jahr gibt es an der Sophie-La-Roche-Realschule eine Schach-AG. Schulleiter Mirko Samietz ist davon überzeugt, dass dadurch die Schüler ihre Konzentrationsfähigkeit steigern können.

JÜRGEN KUNZ |

"Ich bezeichne mich nicht als Schachspieler, weil meine Kinder viel besser Schach spielen als ich", sagt Mirko Samietz, Rektor der Bönnigheimer Sophie-La-Roche-Realschule, im BZ-Gespräch mit einem Augenzwinkern. Durch seinen inzwischen fast 18-jährigen Sohn Jannick - der 2011 deutscher Vizemeister im Schulschach war ("Der erfolgreichste Schachspieler in der Familie") - und seine zwei Jahre jüngere Tochter Leah, die seit einem Alter von vier Jahren das königliche Spiel betreibt und im Lauffener Gymnasium die Schach-AG betreut, sei er wieder zum Schach gekommen. "Schon mit vier Jahren hat sich mein Sohn mit Schach beschäftigt und mit sechs Jahren den Vater besiegt", verrät Samietz.

Pädagoge Samietz ist davon überzeugt, dass Schach zu einer deutlichen Steigerung in den Fächern Mathe und Deutsch führen kann, und er verweist dabei auf eine Studie der Universität Trier. In einem mehrjährigen Feldversuch verglichen Psychologen der Uni Trier Schulklassen der Grundschule Trier-Olewig, der sogenannten Experimentalschule, mit Klassen der Egbert-Grundschule in Trier, der Kontrollschule. Bei der Experimentalklasse der Olewig-Schule wurde eine Stunde Mathematikunterricht in der Woche weniger abgehalten und stattdessen Schachunterricht gegeben. Die Forscher wollten wissen, wie sich das kontinuierliche Schachspielen auf Konzentrationsfähigkeit, Intelligenz, Rechtschreibfähigkeit und die Fähigkeit der Kinder auswirkt, sich in der Schule zu integrieren. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie: Erst- und Zweitklässler profitierten am meisten vom königlichen Spiel: Insbesondere ihre Konzentrationsfähigkeit steigerte sich. Nach der Einschätzung von Sigrun-Heide Filipp, Professorin für Pädagogische Psychologie und Angewandte Entwicklungspsychologie an der Uni Trier, würden gerade leistungsschwächeren Kinder, die in die Grundschule kommen, davon profitieren, wenn sie mit Schach herausgefordert würden. Bei Dritt- und Viertklässlern wirke sich das kontinuierliche Schachspielen vor allem auf die Verbesserung der Sozialkompetenzen und der schulischen Motivation aus, heißt es in der Studie.

In Zusammenarbeit mit dem Schachclub Lauffen wird am Bönnigheimer Schulzentrum seit einem Jahr eine Schach-AG angeboten. Bei einem Stamm von acht Schülern beschäftigen sich bis zu zwölf Kinder und Jugendliche immer mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr mit dem königlichen Spiel. Von der Klassenstufe 1 bis zur neunten Klasse, von der Grundschule bis zum Gymnasium kommen die Schachspieler. "Da zeigt sich auch das verbindende Element von Schach: schulartübergreifend, unterschiedliche Nationalitäten, gesunde und kranke Menschen", sagt Samietz und merkt an, dass in vielen Ländern Osteuropas Schach Schul- und Studienfach sei.

Seiner Begeisterung für Schach in der Schule und die positiven Auswirkungen nicht nur auf das Fach Mathematik, sondern auch in Deutsch, begründet der Rektor der Bönnigheimer SLRR mit einer Veröffentlichung auf dem Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen.

Danach wurde bei der Auswertung von sogenannten Vergleichsarbeiten länderübergreifend die Kompetenzen von Drittklässlern in Deutsch und Mathematik überprüft. Und in Mathematik seien die "Schachschüler" doppelt so gut wie der Landesdurchschnitt in Rheinland-Pfalz gewesen. Auch die Überprüfung der Sprachkenntnisse der Schach spielenden Kinder habe zu einer Überraschung bei den Experten geführt, obwohl die Spieler am Brett nicht sehr gesprächig sind. Das hinderte aber die Schach spielenden Grundschüler nicht daran, bei der Überprüfung ihres Lese- und Sprachverständnisses fast dreimal so gute Testergebnisse hinzulegen wie der Landesdurchschnitt.

Über die wöchentlich eineinhalbstündige Schach-AG wird durch die Kooperation mit dem Schachclub Lauffen den Bönnigheimer und Kirchheimer Schüler die Möglichkeit eröffnet, an Wochenenden an Turnieren teilzunehmen. Die Wettbewerbe, die bis zu acht Stunden dauern, helfen lange Zeit die Konzentration hoch zu halten, betont Samietz. Er nennt dabei etwa die "Nikolaus-Open" in Heilbronn, bei den sich die Spieler im sogenannten Schnell-Schach-Modus, bei dem jeder Spieler 20 Minuten Überlegungszeit hat, beweisen können.

Info Die schulartübergreifende Schach-AG im Bönnigheimer Schulzentrum findet immer mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr statt. Nach Auskunft von SLRR-Schulleiter Mirko Samietz können interessierte Schüler jederzeit dazu kommen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr