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Wo Bietigheim die Autofahrer bremsen will

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Grundsätzlich sind sich Verwaltung, Rat und Bürger einig: Eine entscheidende Maßnahme zum Lärmschutz ist die Geschwindigkeitsbeschränkung.  Foto: 

Städte und Gemeinden müssen einen Lärmaktionsplan entwerfen. Dazu sind sie ebenso verpflichtet, wie dazu, die Bürger bei dem Entwurf mit einzubinden. Diese Einbindung erfolgte am Dienstagsabend bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Rathaus, bei der neben den bereits im Rat beschlossenen Lärmschutzvorschlägen weitere hinzukamen.

Den Bürgern gegenüber saßen Bürgermeister Joachim Kölz, Wolfgang Schröder von den planenden BS-Ingenieuren, einige Gemeinderäte sowie die Vertreter des Stadtentwicklungsamts.

Dass Bietigheim-Bissingen mehr Zeit für das Verfahren in Anspruch nehme, liege daran, dass hier keine alten Verkehrszahlen, sondern aktuelle aus den Zählungen des Verkehrsentwicklungsplans zugrunde gelegt würden, so Kölz einleitend. „Bei dem Thema sind wir nicht so frei, sondern gebunden an klare gesetzliche Grundlagen wie die EU-Bestimmungen und das Bundesemissionschutzgesetz“, führte der Bürgermeister aus. Das bedeutet, dass die Stadt bei der Erstellung keine Wahl hat. Darüber hinaus hat sie  – wie aus anderen Orten bekannt – im Verfahren selbst auch keine Garantie, dass die im Rat beschlossenen Vorschläge genehmigt werden.

Im Rat hatte man sich etwa auf Tempo 40 in der Löchgauer Straße, der Geisinger Straße, der Schwarzwald- und Großingersheimer Straße sowie der Karl-Mai-Allee geeinigt. Tempo 30 nachts soll in den Ortsdurchfahrten von Untermberg, Metterzimmern, der Kammgarnspinnerei sowie in der Großsachsenheinmer Straße gelten.

Von Tempo 50 auf 40

Dauerhaft Tempo 30 will die Stadt in der Bietigheimer Straße in Metterzimmern. In Bissingen in der Ludwigsburger Straße, der Wörthstraße und der Bahnhofstraße soll das Tempo von 50 auf 40 gedrosselt werden. Wolfgang Schröder vom beauftragten Ingenieurbüro stellte klar, dass dort keine Lärmmessungen den Vorschlägen zugrunde liegen, sondern theoretische Annahmen, die aus Verkehrszahlen und Gebäudebestand resultieren. Die betroffenen Straßen hätten danach allesamt hohe Dezibelwerte (dB) erreichten, die bei 70 dB tagsüber und 60 dB nachts ein „erhöhtes gesundheitliches Risiko“ bedeuteten und vordringlichen Handlungsbedarf hätten, so Schröder. Um gegenzusteuern, gibt es seiner Ansicht nach mehrere Möglichkeiten: straßenbauliche Maßnahmen wie neue Flüsterbeläge, verkehrsrechtliche Maßnahmen wie Temporeduzierungen sowie aktiver und passiver Lärmschutz (Lärmschutzfenster) sowie begleitende Maßnahmen wie die Verbesserung der Fahrbahndecken, etwa bei Schachtdeckeln. Eine enge, dichte Bebauung bedeute drei Dezibel mehr, denn dort  werde der Schall mehr reflektiert. Von Tempo 50 auf 30 bringt, so die Messungen, 2,5 Dezibel weniger an Lärmbelastung – bei „gleichmäßiger, stetiger Fahrweise“, so Schröder.

Absage an mehr Kontrollen

Dass diese Fahrweise im staugeplagten Bietigheim kaum vorkommt, war nur ein Einwand der Bürger am Dienstagabend. Einige von ihnen forderten die Ausweitung von Tempo 40 bis ans Ortsschild. In Metterzimmern sollte Tempo 30 durch den ganzen Ort gelten, forderte eine Besucherin. Auch die Großingersheimer Straße sei stark lärmgeplagt und brauche Tempo 30, war ein weiterer Wunsch. Die angenommenen Werte seien nur theoretisch, beklagte ein Teilnehmer, der ein Stück von der Löchgauer Straße entfernt wohnt. Er habe in seiner Wohnung in der Mergenthaler Straße schon Werte um 80 Dezibel gemessen.

An diesen Punkten mehr Blitzer aufzustellen oder die Tempomessungen an Fremdfirmen zu vergeben, stieß auf Kritik seitens der Verwaltung. Dies seien hoheitliche Aufgaben, für die auch zusätzliches städtisches Personal benötigt werde. „Wir haben eine sehr hohe Kontrolldichte“, sagte Joachim Kölz, der vor einem Überwachungsstaat warnte. 80 000 Verfahren jährlich gebe es jetzt bereits bei den Temposündern. „Wir kontrollieren mehr als die Kommunen drumherum.“

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