Partner der

Wettbüro lockt neben dem Jugendhaus

|

Ein Jugendlicher, der seinen ersten Lohn im Wettbüro verliert, weil er auf das falsche Ergebnis im Supercup-Spiel zwischen Bayern und Dortmund gesetzt hat – das kann keiner wollen. Um junge Menschen vor einem derartigen Schicksal und drohender Spielsucht zu bewahren, schreibt das Landesglücksspielgesetz einen Mindestabstand von 500 Metern zu Einrichtungen vor, die dem Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen dienen.

Allerdings gilt dieser Abstand bisher nur für Spielhallen und Casinos und nicht für Annahmestellen für Sportwetten. Darum findet man in der Ulrichstraße in Bietigheim-Bissingen, in der Nähe der Kreissparkasse an der B 27, seit Anfang 2016 die Büros der mobilen Jugendarbeit Tür an Tür mit einem Wettbüro. Hier die Jugendförderung Bietigheim-Bissingen „Das Netz“ und nur ein Haus weiter lockt Oliver Kahn im Schaufenster in eine Filiale des Sportwetten-Anbieters Tipico. Von 500 Metern Mindestabstand kann also keine Rede sein.

Aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe (RP), das für Glücksspiel und Wetten in Baden-Württemberg zuständig ist, heißt es: „Im Gesetz werden Sportwetten heute noch anders behandelt als Automatenspiel, aber es wird gerade überarbeitet.“ Schließlich sei eine Pferdewette – für deren Annahmestellen gilt der Abstand – irgendwie auch eine Sportwette, findet Uwe Herzel, Sprecher des RP. Deshalb gäbe es Bestrebungen, die Sportwetten in den Paragraphen mitaufzunehmen. 

Von „Wetten durch die Hintertür“ spricht der Vermieter des Jugendbüros, das in der Ulrichstraße 8 bis 10 liegt. Angeblich habe der Betreiber des Wettbüros einen Antrag bei der Stadt gestellt, dass sie im ehemaligen Internetcafé in der benachbarten Hausnummer 12 das Wettbüro betreiben dürfen. „Doch die Stadt duldet es nur, sie hat die Erlaubnis nie erteilt“, sagt er.

Aus der Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen heißt es, man wisse von dem Mindestabstand, ob dieser verfassungskonform ist, werde derzeit in diversen Gerichtsverfahren geklärt. Eine Nachfrage im Wettbüro ergibt, dass der aktuelle Betreiber vor zwei Jahren das Wettbüro übernommen hat. Für weitere Auskünfte steht er nicht zur Verfügung. Er verweist auf die Firma Tipico. Der Anbieter von Sportwetten und Casinospielen mit Sitz in Malta betreibt die lokalen Wettbüros im Franchisesystem – ähnlich wie McDonalds. Dominic Sauer, PR-Chef bei Tipico: „Wir gehen davon aus, dass unser Partner vor Ort die Erlaubnis der Stadt bekommen hat.“ Zudem stelle das Wettbüro keine Gefahr da, weil der Betreiber dazu angehalten ist, sich an rechtliche Gegebenheiten zu halten – sprich nach dem Ausweis zu fragen bevor Wetten angenommen werden.

Nicht hoch im Kurs

Kai Schrauth arbeitet bei „Das Netz“ in der Ulrichstraße. Seiner Erfahrung nach sei es bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerade nicht angesehen in Spielcasinos und vergleichbare Einrichtungen zu gehen. „Ihnen ist bewusst, dass sie durch Glücksspiel weniger Geld zur Verfügung haben“, sagt der Sozialarbeiter. „Wir haben nicht das Gefühl, dass unsere Besucher auch nebenan ins Wettbüro gehen“, ist sich Schrauth sicher. Dennoch thematisieren der Sozialpädagoge und seine Kollegin Rahel Werner die Gefährlichkeit von Spielsucht in der mobilen Jugendarbeit. „Es ist schon reizvoll für Jugendliche und junge Erwachsene eine Sportwette zu machen, aber wir hatten bisher noch keinen Fall, der deshalb in Schulden geraten ist.“

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Ein stabiler Ausbildungsmarkt

Aufs Ganze gesehen, sieht es gut aus auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis. Nachwuchssorgen gibt es im Handwerk – und in einem Beruf, der eigentlich nicht unbeliebt ist. weiter lesen