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Wenn der Schokoriegel ruft

Kabarettist Torsten Sträter ist am Freitagabend im Kleinkunstkeller in der Bietigheimer Altstadt aufgetreten. Er begeisterte sein Publikum mit jeder Menge Alltagshumor und Improvisation.

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Torsten Sträter, Kabarettist aus Dortmund, ist am Freitagabend in Bietigheim-Bissingen aufgetreten. Die Karten für die Show im Kleinkunstkeller waren ausverkauft.  Foto: 

Es ist auch für ihn eine Erleichterung. Drei Wochen ohne einen Auftritt, weil zum Jahreswechsel überall der Betrieb ruht, da fehlt ihm etwas. Im restlos ausverkauften Kleinkunstkeller in Bietigheim-Bissingen kann Torsten Sträter am Freitagabend erstmals im neuen Jahr wieder auf die Bühne - zu einem Rückblick der komischen und persönlichen Art.

Da ist die Sache mit Tuttlingen, die ihm nicht aus dem Kopf geht. Ein Senioren-Publikum mit "Metallic-Dauerwelle", das den ganzen Auftritt über still war. Wieder daheim in Dortmund kam die Nachricht, dass er eine "Tuttlinger Krähe" gewonnen hat, und Sträter war fassungslos. So kann man sich irren.

In Bietigheim-Bissingen lotet der Mann aus dem tiefsten Ruhrgebiet erst mal sein Publikum aus. Was kommt an, was nicht? Die erste Reihe wird zum Testpublikum, und das auf witzige Weise. Sträter macht das spontan, sehr ausgiebig und dabei zu keiner Minute langatmig, er ist einer, der die Interaktion braucht. So wurde aus dem Speditionsmitarbeiter im elterlichen Betrieb vor wenigen Jahren einer, der gleich die großen Poetry Slams in NRW gewann. Geschichten gibt es da zuhauf, die es zu erzählen lohnt. Und hat man wie er die passende Stimme und das lockere Auftreten, ist vieles leichter. Sträter plaudert urkomisch über Zugfahrten und Toiletten in der Schweiz, wo man zwar acht Franken für einen Kaffee bezahlt, aber auf der drehbaren Klobrille auch viel erleben kann. Hat man in der Minibar im Hotelzimmer den Schokoriegel auch nur angefasst, meldet das ein elektronischer Kontakt sofort an den Computer. Alles wahr, er hat es selbst erlebt.

Er sammelt später Begriffe aus dem Publikum, die er behandeln soll, und er wird auch fündig. Aber Politik? Das sollen lieber die anderen machen, Pegida und Paris sind kein Thema. Er ist der Mann der Alltagsgeschichten, in denen so viel Wahrheit und Humor steckt. Die besten Geschichten, weiß Sträter, schreibt immer noch das Leben, und witzig wird es erst, wenn man sich darin wiederfinden kann. Sein Leben, und damit ist er beim späten ersten Text aus seinem Buch, dreht sich mit zunehmendem Alter immer mehr ums Abnehmen. Sein Diät-Tagebuch beschreibt unterhaltsam und hintergründig, wie es einem dabei ergehen kann und dass man auch Banane mit Remoulade essen kann, wen man genügend Appetit entwickelt hat.

Im zweiten Teil ist er wieder bei der Improvisation, die er so mag. Sein Leben als Single, ohne schlechte CDs im Regal, ohne Zwangsbesuche bei Douglas und mit einem Sohn, der nur am Wochenende kommt. Ihm will er Werte vermitteln, aber auch dem Publikum. Und er hält ein Plädoyer für den lokalen Buchhandel und gegen das Geschäft im Internet. Wer weiß wie lange es das noch gibt, fragt er, und kommt zum letzten Text des Abends. Sein Sportprogramm als "Rocky", der sich beim Metzger zu Trainingszwecken eine Schweinehälfte bestellt, ist komisch und wunderbar vorgetragen. Viel Applaus für den Dortmunder bei seinem unterhaltsamen Ersatztermin im Kleinkunstkeller.

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Regierungsbezirk: Stuttgart
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Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

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