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Was der Ausbau der Kinderbetreuung den Kommunen abverlangt

Kein Thema hat die Kommunen zuletzt so auf Trab gehalten wie der Ausbau der Kinderbetreuung. Was die Städte und Gemeinden leisten mussten und müssen, zeigt das Beispiel Bietigheim-Bissingen.

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Mehr Plätze für Mädels und Buben unter drei Jahren: In Untermberg, wo derzeit noch fleißig gebaut wird, soll im Herbst das dritte von bald vier Kinderhäusern in Bietigheim eröffnet.  Foto: 

An diesem Donnerstag tritt der gesetzliche Betreuungsanspruch für Kinder ab einem Jahr in Kraft. Ein Stichtag, auf den die Städte und Gemeinden im Land jahrelang hingearbeitet haben. Millionen Euro wurden investiert, neue Einrichtungen wurden gebaut, zusätzliche Stellen wurden geschaffen. Ein Kraftakt, der spätestens in den Jahren 2008 und 2009, als das Gesetz auf den Weg gebracht wurde, seinen Anfang nahm. Wir zeigen am Beispiel Bietigheim-Bissingen, welche Anstrengungen über mehr als fünf Jahre hinweg unternommen wurden. Die Chronologie.

Die Kinderhäuser: Der Startschuss für den Ausbau der Kinderbetreuung fiel in der Stadt an Enz und Metter bereits im Januar 2008, also ein Jahr, bevor das neue Kinderförderungsgesetz in Kraft trat. Seinerzeit wurde das Kinderhaus Mikado in den Kreuzäckern - das erste von bald vier - eröffnet. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der örtliche Gemeinderat den Weg für das Projekt geebnet. Bürgermeister Joachim Kölz erklärt: "Wir wussten ja nicht erst seit gestern, dass wir im U3-Bereich etwas tun müssen." In anderen Kommunen und Bundesländern habe es solche Angebote damals schon gegeben.

Im September 2010 folgte mit dem Kinderhaus Malefiz, das ebenfalls in den Kreuzäckern liegt, der zweite Streich. Und damit nicht genug: Ende dieses Jahres wird Bietigheim-Bissingen satte vier Kinderhäuser unterhalten. Im Herbst soll jenes in Untermberg eröffnen, im Dezember dann das im Buch. Auch dabei wird es jedoch nicht bleiben. Kölz: "Vier Kinderhäuser sind nicht das Ende der Fahnenstange." Auf dem Valeo-Areal, das neu gestaltet werden soll, könnte mittelfristig ein weiterer Hort entstehen, kündigt er an. Er geht davon aus, dass der Bedarf an Plätzen für unter Dreijährige irgendwann bei 50 Prozent liegen werde.

Die Kosten: Parallel zum Bau der Kinderhäuser rüstete die Stadt in etlichen ihrer 19 Kindergärten baulich nach. Alles in allem häuften sich so in den vergangenen Jahren allein rund 8,5 Millionen Euro an Investitionskosten an, zählt man die Kosten für das Kinderhaus im Buch hinzu, sind es sogar über zwölf Millionen Euro. Aus dem Investitionsprogramm des Bundes stehen der Kommune dabei rund 1,7 Millionen Euro zu, auf die sie teils noch wartet.

Das Personal: Eine Menge Geld gibt man in Bietigheim-Bissingen auch für die Erzieher aus. Es gebe kaum einen personalintensiveren Bereich, sagt Kölz. Waren es im Jahr 2008 noch 108 Mitarbeiter, die in den Kitas parat standen, werden es bis Ende dieses Jahres 186 sein. Sie werden zum einen benötigt, weil es schlicht mehr Plätze gibt, zum anderen aber verlangt der U3-Bereich nach mehr Unterstützung als der Ü3-Bereich. Auf dem Konto der Stadt spürt man das freilich auch: Jährlich gibt die Kommune etwa 6,5 Millionen Euro dafür aus. Vor dem Bau der Kinderhäuser waren es noch 4,1 Millionen Euro gewesen. Kosten, die abgefedert werden müssen, weshalb die Gebühren in den vergangenen Jahren immer mal wieder angehoben worden. Wenngleich man sich nach wie vor in einem moderaten Rahmen bewegt.

Die Plätze: Im Jahr 2008 gibt es zusammen 1.458 Kindergartenplätze, davon sind damals 48 für Kinder unter drei Jahren gedacht. Mittlerweile zählt man 1.562 Plätze (mit Reserve), darunter 284 für unter Dreijährige. Das entspricht einer Versorgungsquote von derzeit knapp 26 Prozent. Zur Erinnerung: Gesetzlich empfohlen sind 34 Prozent. Bis Ende des Jahres möchte man 395 U3-Plätze zur Verfügung stellen. Mit im Boot sind dabei nicht nur die städtischen, sondern auch die freien Kindergärten (Infobox) sowie die Tagesmütter.

Die Betreuungszeiten: Viele werden sich noch daran erinnern: Früher ging man von 8 bis 12 Uhr und mittags von 14 bis 16 Uhr in den Kindergarten. Ein Modell, das längst von diversen Varianten abgelöst worden ist. Heutzutage gibts in Bietigheim wie andernorts zum Beispiel die Regelgruppe mit verlängerten Öffnungszeiten, man kann sein Kind also sechs oder sieben Stunden am Stück betreuen lassen. In den Kinderhäusern gehts sogar noch länger: Die zwei in den Kreuzäckern haben von 7 bis 18 Uhr geöffnet, die beiden neuen werden den Nachwuchs von 7 bis 17 Uhr beherbergen, wie Kölz ankündigt. Diese flexible Palette werde stark nachgefragt, sagt er.

Die Zukunft: Der Ausbau der Kinderbetreuung habe die Kommune nicht nur in der Vergangenheit schwerpunktmäßig beschäftigt, sagt Kölz, er werde es - zusammen mit dem Thema Schule - wohl auch künftig tun. Ein Aspekt dabei sei die stetige Suche nach Personal. Es komme weniger nach, als man brauche - momentan sind in Bietigheim vier Stellen unbesetzt, berichtet Kölz. Der Bürgermeister weiß dabei um den Konkurrenzkampf: "Das geht allen Kommunen so."

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Bietigheim-Bissingen

Einwohner: 42968 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74321
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 211 m ü. NHN
Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

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