Partner der

Vorwurf: Renkonen verharmlost

|

Gut ausgeteilt hat der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen vor zwei Wochen im BZ-Interview. So warf er zwei Bürgerinitiativen aus Horrheim und Schwieberdingen Panikmache vor. Diese wehren sich gegen die Lagerung des freigemessenen Bauschutts aus dem Akw Neckarwestheim in den Deponien vor Ort. Der Grünen-Politiker Renkonen verteidigte den vollständigen Rückbau des Kraftwerkes und stellte sich entschieden gegen eine nicht völlig abgebaute „Atom-Ruine“, wie er einen Vorschlag der beiden Bürgerinitiativen kritisierte.

Renkonens deutliche Worte stoßen auf Kritik. So sagt Dierk-Christian Vogt, promovierter Mediziner und einer der Anführer der Schwieberdinger Initiative: „Wenn Renkonen unser Engagement als Panikmache bezeichnet, muss man seine Worte in Ihrem Interview als Verharmlosung bezeichnen.“ Vielmehr versuche die Bürgerinitiative, die Debatte sachlich zu führen.

Absage ans Landratsamt

Freigemessener Akw-Bauschutt darf wie normaler Müll auf Deponien landen, wird allerdings verpackt und eingegraben. „Die Lagerung des Bauschutts in den Deponien ist ein niedriges Risiko, aber die Strahlenschutzverordnung besagt, jedes Risiko bedürfe einer Rechtfertigung“, sagt Vogt. Und die sehe er nach wie vor nicht gegeben. Auch kritisiert er, dass Umweltministerium und Landratsamt sich zu sehr auf diese Lösung versteift hätten. „Was mich stört ist, dass keine Alternativen geprüft werden.“ So sei er zwar kein Anhänger davon, den Schutt in einem Salzstock zu lagern, doch solle man das prüfen.

Das hat der Landkreis: Bereits im Dezember stellte das Landratsamt eine Anfrage an die Südwestdeutschen Salzwerke mit Sitz in Heilbronn. Die Salzwerke bestätigen die Anfrage des Landratsamtes – und die Ablehnung dieser Anfrage: Derartige Rückstände nehme man in den firmeneigenen Salzstöcken nicht an, so eine Sprecherin.

Dierk-Christian Vogt von der Schwieberdinger Bürgerinitiative kritisiert die Lagerung des Bauschutts auf den Deponien im Landkreis, die von der kreiseigenen Müll-Tochter AVL betrieben werden, mit einem Versagen der AVL in der Vergangenheit: Gegen Ende des Jahres 2015 wurde dort Asbest unsachgemäß gelagert, weshalb nun laut Vogt zu befürchten ist, dass die Lagerung des Bauschuttes ebenfalls nicht streng genug erfolge.

Vieles richtig gemacht

Wenn lang erkämpfte Ziele erreicht sind, zeigt sich die Geschichte gern von ihrer ironischen Seite. Im Fall des Rückbaus der Atomkraftwerke in Baden-Württemberg zeigt sich diese Ironie darin, dass die Grünen jetzt regieren und mit dem Atomausstieg eines ihrer größten Ziele erreicht haben, dass sie nun aber den Dreck wegräumen müssen. Das Umweltministerium und in der Folge das Landratsamt müssen den freigemessenen Bauschutt pragmatisch entsorgen. Da ist es durchaus hinderlich, wenn es kürzlich Ärger um die AVL gegeben hat, weil nachlässig mit Asbest auf der Müllhalde umgegangen worden war. Doch im Fall des Akw-Bauschutts wurde vieles richtig gemacht: Mehrere Gutachten zur Strahlenbelastung wurden eingeholt, Landrat wie Landtagsabgeordnete stellten sich den Anwohnern. Ein Rest Sorge wird von Seiten der Anwohner immer bleiben – und die Bürgerinitiativen verstehen es, diese Sorgen immer wieder aufs Tableau zu bringen. Aber letztlich erscheint es verantwortungsvoll, den als normalen Abfall freigegebenen Müll zusätzlich verpackt und eingegraben auf der Deponie zu entsorgen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Trinkwasserverunreinigung in Bissingen

Bei einer Routineuntersuchung des Trinkwassers in Bissingen und Untermberg wurden Keime festgestellt. Das Trinkwasser wird nun mit einer zusätzlichen Chlorzugabe desinfiziert. weiter lesen