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Vielfältige Ansichten – dieselbe Begeisterung

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Die Schreibwerkstatt in der Sandschule. Vorne v.l.: Fatema Sarwari, Atefeh Ahmadi, Sima Alimardani; hinten v.l.: Schreibdozentin Gabriele Szczegulski, Andelka Lovric, Emily Beyer, Viktorija Keisa.  Foto: 

Wenn die 14-jährige Emily an Heimat denkt, dann verbindet sie damit „Licht und Wärme. Und die Farbe Grün“. Ihre Freundin Viktorija sieht das genauso und blitzschnell sind die Elfchen zu diesem Thema niedergeschrieben. In den kurzen Gedichten von Atefeh und Fatema hingegen wird der Begriff „Heimat“ anders aufgegriffen – für die beiden afghanischen Schülerinnen bedeutet Heimat ein Ort ohne Krieg, ein Ort, an dem Frieden herrscht.

Auch wenn die vier Mädchen doch alle unterschiedliche und vielfältige Ansichten haben, teilen sie die Begeisterung  für die Schreibwerkstatt – einem Workshop, der im Rahmen von „Deutsch geht gut“ in diesem Jahr nun schon zum 15. Mal an der Schule im Sand stattfindet. Geleitet wird er von der Kulturredakteurin der Bietigheimer Zeitung, Gabriele Szczegulski.

Das schulartenübergreifende Literaturprojekt hat das Ziel, das Interesse der Jugendlichen an der deutschen Sprache zu wecken und sie vor allem den Schülern näherzubringen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Dafür kamen Autoren wie Zehra Cirak oder Najem Wali, die Deutsch selbst erst als Zweitsprache gelernt haben, für Autorenlesungen an die Schulen, nachdem sich die Schüler im Vorfeld bereits mit einigen deren Werken im Unterricht beschäftigt haben. Diesen Autorenlesungen folgen dann die zehnwöchigen Workshops, welche die Schüler nachmittags freiwillig besuchen können.

Neben der Gemeinschaftsschule im Sand nehmen mit der Realschule im Aurain, der Realschule Bissingen und der Waldschule Bissingen noch weitere Schulen aus Bietigheim-Bissingen an „Deutsch geht gut“ teil.

Nachdem jeder sein Elfchen vorgelesen hat, geht es mit dem Thema „Heimat“ weiter. Es ist mucksmäuschenstill im Klassenzimmer und die Füllerfedern fliegen über das Papier, als die Schüler ihren Lieblingsort beschreiben sollen. Man merkt, wie viel Spaß es ihnen macht, so ganz ohne Noten- und Leistungsdruck einfach ihre Gedanken auf Papier zu bringen.

Hier ist es egal, ob mal ein Wort falsch geschrieben ist oder der Satzbau nicht 100-prozentig stimmt, denn „Deutsch geht gut“ soll keine Ergänzung zum Deutsch­unterricht sein. Vielmehr sollen die Schüler dazu gebracht werden, Neues auszuprobieren, sich mit ihren Gedanken und Gefühlen auseinandersetzen und sich dabei kreativ ausleben.

Dass dieses Konzept  die Schüler begeistert, zeigen auch die hohen Teilnehmerzahlen des Projekts: Hunderte von Schülern nahmen in den vergangenen Jahren an „Deutsch geht gut“ teil und entdeckten so ihre Begeisterung für das Entwickeln und Verfassen von Texten.

Gesucht: Eine Heldin

Die vier Schülerinnen in der Schule im Sand sollen nun gemeinsam eine Geschichte erfinden. Dazu braucht es aber eine Hauptperson, eine „Heldin“. Wie alt ist die Hauptperson wohl? Und was macht sie gerne in ihrer Freizeit? Mit viel Freude tragen die Schüler ihre Ideen vor und spinnen sich so die Geschichte selbst zusammen.

Wie sehr „Deutsch geht gut“ von den Schülern eigentlich geschätzt wird, wird besonders am Ende der Stunde klar: Nur zögernd werden die Stifte aus der Hand gelegt, die letzten Wörter noch schnell hingepinselt. Fast hat es den Eindruck, die Schüler wollten gar nicht gehen. Dabei gibt es noch keinen Grund zur Traurigkeit. Denn bis zur öffentlichen Schülerlesung der Endprodukte am 1. Juni in der Gemeinschaftsschule im Sand in Bietigheim haben die Jugendlichen noch ein paar Wochen und viele Geschichten Zeit.

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