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Viele Gefahren - oder eher Chancen? Die Knackpunkte für eine Biovergärungsanlage im Steinbruch

Weniger Natur, mehr Verkehr, Lärm und Geruch, sagen die einen. Die anderen widersprechen. Einige besonders diskutierte Punkte des Bioanlagen-Standorts in der Übersicht.

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Am Steinbruch warnt ein Schild warnt vor einer Gefahrenstelle. Davon sehen auch die Gegner viele, sollte die Biovergärungsanlage dort entstehen.  Foto: 

Viel diskutiert wird derzeit über die geplante Biovergärungsanlage im Steinbruch Fink. Dabei geht es – neben der Debatte um Fremdstoffe in den Gärresten – vor allem um den Standort, und die Fragen, wie viel Verkehr die Anlage und der ebenfalls dort geplante Häckselplatz verursachen werden, wie laut der Betrieb sein und wie viel Natur zerstört wird. Eine Zusammenfassung.

Artenschutz
Für die Gegner des Steinbruchs ist der seit Jahren stillgelegte Steinbruch mittlerweile ein Biotop mit einer „für die biologische Vielfalt europäischen Bedeutung“, wie es unlängst der BUND mit Blick auf ein vor Jahren beauftragtes Gutachten gemeldet hatte. Der aufgestellte Bebauungsplan, über den am 17. Juli abgestimmt wird, durchkreuze die in Ansätzen begonnene Rekultivierung, so die Gegner. Die neuen „Nutzer“ waren auch der Grund, weshalb die Stadt ihre ursprünglichen Pläne für eine landwirtschaftliche Nutzbarmachung überdachte. „Ein ganzheitlich angelegtes Konzept für den Artenschutz wäre bei Umsetzung der Bebauungsplanziele nicht mehr möglich“, schreibt die Bürgerinitiative. Das Betreiberkonsortium erklärt hingegen im jüngsten „Bürgerbrief“, dass nur 15 Prozent der Fläche für Anlage und Häckselplatz benötigt würden, der Rest stünde der Natur und Landwirtschaft zur Verfügung. Der BUND zweifelt das an. Denn auch wenn das Unternehmen Fink überraschend das Aus für seine Pläne und das Makadamwerk verkündet hatte, weise der Bebauungsplan an deren Stelle ein riesiges Gewerbegebiet aus – wo das getan sei, würden Kommunen das auch umsetzen, sagt der Kreisvorsitzende Stefan Flaig. Die Anlage gehöre in ein Industriegebiet. Dass man diese bei den Suchläufen nicht so sehr berücksichtigt habe, liege nur daran, dass die Flächen dort teurer seien. „Aber dann müssen wir für die Leerung der Biotonne halt mehr zahlen. So viel ist das auch nicht.“ Er kritisiert zudem, dass mit dem Label der Energiewende für das Projekt geworben werde. Doch wo ein guter Teil des Mülls von außerhalb komme und Biotope zerstört würden, könne man davon nicht sprechen, ebenso wenig, weil der Anteil der Fremdstoffe immer noch zu hoch sei. Selbst mit dem von den Betreibern festgesetzten Grenzwert komme man auf einen wert von 6,6 Kilogramm pro Hektar und Jahr. „Ich weiß nicht, ob man das will.“ Die Grenzwerte seien nur daran orientiert, was wirtschaftlich-technisch machbar sei. Er fordere deshalb auch bei seiner Organisation, dass diese sich künftig für eine Senkung einsetzt. Bei der Kontrolle des eingesammelten Biomülls sei vor allem der Kreis und die AVL gefordert. Es sollte mehr Öffentlichkeitsarbeit geben und Kontrollen bei der Abholung – sollten dann Fremdstoffe drin sein, sollte dieser Müll nicht kostenlos mitgenommen, sondern als Restmüll deklariert werden.

Verkehr
Für die Biovergärungsanlage wird laut Gutachten mit täglich 70 Lastwagenfahrten gerechnet. Dazu kämen an Spitzentagen bis zu 1200 Autofahrten zum Häckselplatz – hier sagt die Stadt, dass es diesen Verkehr bereits gebe, und zwar zum Häckselplatz in einem Landschaftsschutzgebiet. Entfallen werden künftig die Lastwagenfahrten im Zusammenhang mit dem Betrieb des Schotter- und Makadamwerks sowie weiterer Anlagen, zumindest dann, wenn der Steinbruch entsprechend verfüllt ist. Die Gegner werfen ein, dass in den 70 bis 80 Fahrbewegungen pro Tag noch keine Biomüll-, Kompost-, Gülle- oder Servicefahrzeuge einbezogen seien. Sie sehen zudem den Anteil an Großtraktoren bei 30 Prozent – und die seien lauter und langsamer als Lkw. Bei diesem Punkt kritisieren sie auch, dass Biomüll aus Karlsruhe transportiert werden soll, weil nur so die Anlage die Chance habe, an ihre Auslastungsgrenze zu kommen. Auch der BUND fordert, dass generell nur Müll aus dem eigenen Landkreis oder maximal Nachbarkreisen verwertet werden solle. Die Gegenseite argumentiert, dass man schon jetzt Biomüll transportiere, und zwar zur Verwertung in den nördlichen Landesteil. Zudem erwarten die Gegner auch drei Mal so viele Autofahrten, weil der Häckselplatz auch drei Mal so groß werde. Die Stadt wies das als „Unsinn“ zurück, der Platz werde größer, um besser anliefern, sortieren und verwerten zu können.

Grundwasser
Für das Grundwasser sehen die Gegner „vielfältige Bedrohungen“ bei Störfällen sowie Unfällen beim An- und Abtransport. Schließlich führe die Enz in unmittelbarer Nähe an der Anlage vorbei und das Gebiet liege in einer „fachtechnisch abgegrenzten Wasserschutzzone“. Konsortiumschef Rainer Kübler widerspricht dem. Es habe lediglich mal eine Planung dafür gegeben. Für das Grundwasser bestehe keine Gefahr: „Wir wären die ersten, die da intervenieren würden“, sagt er auch mit Blick auf seine Funktion als Stadtwerke-Chef. Unterstützung kommt vom Fachverband Biogas. Seit Jahrzehnten würde man für solche Anlagen Betonbehälter verwenden, ohne Probleme. Die könne es eher bei Anschlussteilen und offenen Schiebern geben. Für diese Havariefälle gebe es  aber einen Wall, eine Art Wanne. Sollte tatsächlich ein Behälter auslaufen, wird das Gärprodukt aufgefangen und zeitnah abgepumpt, so dass es dort keine Zeit für Korrosion gibt. Zudem unterliegen Abfallanlagen der regelmäßigen Dichtheitsprüfung, teilt der Verband weiter mit.

Lärm und Geruch
Die Gegner monieren einen Dauerbetrieb bei der Anlage und extrem hohen Pegeln durch den Häckselplatz, die „Pressluftmeißeln in geschlossenen Räumen“ entsprächen – all das auch vor dem Hintergrund eines aus ihrer Sicht zu geringen Abstands zu Wohngebieten, den es sonst nicht gebe – dem widerspricht jedoch der Fachverband Biogas. 300 Meter seien durchaus üblich. Und die Gegenseite sagt, dass man die Lärmwerte so nicht behaupten könne, entscheidend sei hier der Lärm, der an einer Hauswand ankomme. Sie verweist zudem auf entsprechende Gutachten, die Werte ergeben hätten, die einem normalen Gespräch entsprächen. Die Gegner rechnen zudem mit starken Geruchsbelästigungen durch die Anlieferfahrzeuge, vor allem, wenn diese Lecks hätten. Als besonderen Schwerpunkt sehen sie den Grotztunnel und die dortigen Ventilatoren, die die Luft in die Umgebung abgeben. Auch hier verweist die Gegenseite auf entsprechende Gutachten, die keine wahrnehmbaren Gerüche außerhalb des Steinbruchs ergeben hätten. Und davon habe man sich auch bei den Infofahrten zu bestehenden Anlagen informieren können.  Der Bioabfall werde in abgeschlossenen Hallen verarbeitet und die Abluft gefiltert.

Wie die BZ über den Bürgerentscheid berichtet

BZ-Countdown Im Countdown zum Bürgerentscheid am 17. Juli berichtet die BZ in dieser Woche täglich rund um das Thema. Die Argumente von Befürwortern und Gegnern der Anlage werden gegenübergestellt und das Prozedere bei der Abstimmung erläutert. Am Montag lesen Sie dann natürlich die Abstimmungsergebnisse sowie Reaktionen und vieles mehr in der Bietigheimer Zeitung. Und schon am Sonntag gibt es alle wichtigen Nachrichten aktuell auf Facebook und Twitter. Nach diesem Bericht über die Knackpunkte geht es in der Ausgabe am Donnerstag um die im „Wahlkampf“ eingesetzten Informationsmaterialien.

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Themenschwerpunkt

Bioanlage

In Bietigheim-Bissingen soll eine Biomüllvergärungsanlage entstehen. Über den Standort wird aber noch diskutiert. In diesem Schwerpunkt sind alle bisher erschienenen Artikel rund um die Bioanlage in Bietigheim-Bissingen zu finden.

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