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Viel Ärger über das Verfahren - Contra Steinbruch: Die Bürgerinitiative

Manche kämpfen seit Monaten gegen die geplante Biovergärungsanlage. Die BI sieht viele Fakten dagegen – und sind auch enttäuscht, wie das Verfahren derzeit läuft.

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  • Sprechen für die Bürgerinitiative (von links): Ulrike und Eberhard Pfitzner, Ralf Winkler und Michael Grießer. 1/2
    Sprechen für die Bürgerinitiative (von links): Ulrike und Eberhard Pfitzner, Ralf Winkler und Michael Grießer. Foto: 
  • Plakate von Gegnern und Befürwortern werben seit Anfang Juli für ihre Positionen. 2/2
    Plakate von Gegnern und Befürwortern werben seit Anfang Juli für ihre Positionen. Foto: 
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Zu viert sind sie zum Redaktionsgespräch gekommen – und auch ihre Argumente gegen die geplante Biovergärungsanlage im Steinbruch sehen sie als gewichtig an. Und auf die Frage, welches das für sie wichtigste ist, antwortet Ralf Winkler mit einem langen Satz, in den er gleich mehrere Gründe bringt, warum er die Pläne ablehnt. „Die Anlage ist völlig überdimensioniert mitten in einer Wohnbebauung und einem Wasserschutzgebiet – und da besteht wiederum ein Zusammenspiel mit dem Verkehr und vielen weiteren unserer Kritikpunkte“, sagt er. Und Michael Grießer zieht dazu Pläne aus seiner Tasche, die sich mit dem geologischen Untergrund im Steinbruch befassen und aus seiner Sicht beweisen, dass dieser ungeeignet ist im Fall einer Havarie.

Doch es sind nicht nur solche Punkte, die die beiden zur Bürgerinitiative gebracht haben. „Wir sind enttäuscht, wir und viele andere Bürger haben uns vom Gemeinderat im Stich gelassen gefühlt, es gab keine richtige Informationspolitik“, sagt Ulrike Pfitzner. Und ihr Mann Eberhard ergänzt: „Es ist das ganze Verfahren, die Art und Weise, wie da mit dem Bürger umgegangen wird.“ Dazu gehört für Ralf Winkler auch, dass die Befürworter mit falschen Bildern werben, wie er sagt, und viel grüner Fläche dort, wo der Bebauungsplan, um den es am Sonntag geht, noch eine riesige Gewerbefläche vorsah. Für Grießer, der als letzter dazu stieß, sind es vor allem die technischen Fragen, Auslöser war die Informationsveranstaltung Ende Februar im Kronenzentrum. „Da habe ich gesagt, aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Bau- und Anlagenplanung für ein großes Industrieunternehmen ist der Standort Steinbruch aus wasserrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig. Grund ist die Größe der geplanten Anlage.“ Die präsentierten Gutachten gehen seiner Ansicht nach überhaupt nicht auf kritische Themen ein, sagt der Kärntner. Und wie Konsortiumschef Rainer Kübler kann auch er Fakten, Analysen und Zahlen präsentieren. Grießer sieht sich selbst vor allem als Berater auf technischer Seite.

Die vier ärgern sich, dass sie von den Befürwortern als Gegner der Energiewende hingestellt würden. Für Winkler muss diese „mit Augenmaß erreicht werden, und nicht mit einer unausgereiften Technologie und überdimensionierten Anlage“. Es sei wichtig, dass nur gute Stoffe verarbeitet würden, sagt er mit Blick auf die Diskussion vor allem um Plastikreste im Biomüll. „Und man kann ja auch nicht gerade mit der CO2-Einsparung argumentieren, wenn Müll aus anderen Landkreisen angekarrt werden muss, um die Anlage auszulasten“, sagt Ulrike Pfitzner. Doch übertreiben sie nicht zu sehr mit den Schockbildern in ihren Materialien? Nein, sagt Eberhard Pfitzner. „Es gibt derzeit viele Wetterveränderungen. Nehmen wir an, der Blitz schlägt ein, es gibt einen Riss in der Anlage. Die Bodenwanne wird so berechnet, dass sie das Gärgut aufnehmen kann. Aber was ist, wenn es parallel heftig regnet?“ „Die Gegenseite sagt, wir schüren Ängste. Aber wir sagen nur, was mal passieren könnte“, ergänzt seine Frau.

Und was passiert, wenn der Bürgerentscheid am Sonntag das Quorum verfehlt oder eine Mehrheit, die mehr als 20 Prozent aller Stimmberechtigten ausmacht, doch für den Bebauungsplan sein sollte? „Das ist dann eben die demokratische Mehrheitsmeinung, das akzeptieren wir“, sagt Eberhard Pfitzner, „aber immerhin hätten wir zumindest die Bürger für das Thema sensibilisiert“. „Aber wir sind zuversichtlich, dass der Entscheid gut ausgeht“, sagt seine Frau. „Und dass es dann ein dauerhaftes Ergebnis ist und nicht in drei Jahren ein neuer Vorstoß kommt.“

BÜRGERENTSCHEID IN BIETIGHEIM-BISSINGEN Die Argumente sind ausgetauscht, aber wer treibt die beiden Lager im Streit um die Biomüllvergärung an? Zum anderen Annäherungsversuch.

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Themenschwerpunkt

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