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Verbales Gemetzel

Ein Unterhaltungsstück im engsten Sinne gaben fünf Schauspieler am Mittwoch beim Gastspiel im Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen zum Besten: In "Der Vorname" von Matthieu Delaporte und Alexandre Patellière wurde nonstop geredet und gekeift.

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Beleidigung türmt sich auf Beleidigung in der französischen Erfolgskomödie "Der Vorname", die im Kronenzentrum in Bietigheim aufgeführt wurde: "Du bist das Konzentrat des Egoismus!", "Geizhals!", "Tunte!" Schnell und scharf wird beim gemeinsamen Abendessen unter Freunden um sich geschossen, mit der verbalen Waffe der Bildungsbürger. Dabei wollte Vincent, der Bruder von Gastgeberin Elisabeth, nur einen Witz machen, indem er vorgab, seinen noch ungeborenen Sohn Adolphe nennen zu wollen.

Und wie Schwester und Schwager darauf anbeißen. Von "nicht dein Ernst" bis "Schau mal den rechten Arm - ich glaube, er macht schon den Hitler-Gruß" reichen die Kommentare. Als Vincent - Martin Lindow gibt den Spaßvogel mit wechselnder Gesichtsfarbe und verräterischer Schnute - seinen Gag aufdeckt, ist es schon zu spät, die Verbal-Eskalation am marokkanischen Buffet nimmt ihren Lauf. Grabenkämpfe zwischen erfolgreich angepasstem Immobilienmakler und Literaturprofessor tun sich auf: zwischen Gattin und Gatte, zwischen Jugendfreunden. Jeder kommt mal an die Reihe, darf Opfer spielen oder Angreifer.

Manches, das bis zu diesem Dinner unausgesprochen blieb, wird an die Oberfläche gespült, erhitzt die Gemüter, sorgt für neuen Streit. Zeigt unerbittlich die Egozentrik moderner Menschen, streut schon Salz in eben erst entstandene Wunden. Ja, Vincent hat mit seinem Witz die Stimmung versaut, und damit einen fruchtbaren Boden geschaffen für weitere Verbal-Zerfleischungen.

Das Quintett der Euro-Studios Landgraf liefert sich einwandfrei hitzige Debatten, so glaubhaft wie gut getimt - neben Lindow noch Julia Hansen als entrüstet paffende Schwangere, Anne Weinknecht in der Rolle der echt verbitterten Hausfrau, Christian Kaiser als Streithahn Pierre und Benjamin Kernen als Jugendfreund und erster Posaunist Claude, der sich im Nachhinein (leider) als doch nicht so schwul herausstellt, wie sein Getue vermuten lässt. Das Autorenteam Matthieu Delaporte und Alexandre Patellière spielt hervorragend mit Erwartungen und Vorurteilen, führt auf bitterböse Art vor, wie Familien und Freunde sich gegenseitig zerfleischen, im Stil Jasmina Rezas ("Kunst", "Der Gott des Gemetzels"). "Der Vorname" wurde 2010 uraufgeführt und 2012 bereits verfilmt. Selbst wenn am Ende alles gut ausgeht: eine glänzend sarkastische Komödie.

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