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Unter Spezialbeobachtung

Vor 650 Jahren hob ein Schreiber des Kaisers in Prag seine Feder, um Bietigheim per Urkunde zur Stadt zu erheben. Im Hornmoldhaus ist noch bis zum 8. Juli unter strengen Auflagen das Originaldokument zu besichtigen.

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Im Stadtmuseum Hornmoldhaus kann man noch bis 8. Juli einen Blick auf das Original-Dokument werfen. Die Jahrhunderte haben Spuren auf dem Papier sowie dem Wachs-Siegel hinterlassen.  Foto: 

Als bei Feierlichkeiten im Bietigheimer Rathaus vor einem halben Jahrhundert an das denkwürdige Jahr 1364 erinnert wurde, lag sie dem damaligen Bürgermeister Karl Mai nur in Kopie vor. In diesem Jahr ist es der Leiterin des Stadtmuseums Hornmoldhaus, Regina Ille-Kopp, hingegen gelungen, den Bürgern der Stadt einen Blick auf die Original-Stadterhebungsurkunde aus der Feder des Kaisers Karl IV. zu ermöglichen.

Das historische Dokument, für das ein Schreiber des Kaisers Mitte des 14. Jahrhunderts in Prag zur Feder griff, wurde dem Stadtmuseum nur unter einer Vielzahl an aufwendigen Auflagen vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Im Erdgeschoss des Museums können interessierte Besucher die mit einem großen Siegel aus Wachs versehene Urkunde noch bis zum 8. Juli besichtigen. "Ab diesem Zeitpunkt steigt die Temperatur im Gebäude einfach zu sehr an und lässt sich nicht mehr ausreichend kontrollieren", erklärt die Museumsleiterin, warum die Urkunde nicht bis zum Ende der Ausstellung "Stadtluft macht frei?!" Ende September in Bietigheim zu sehen sein wird.

Kontrolle ist mit Blick auf die wertvolle Leihgabe auch das entscheidende Stichwort. Denn um das Dokument wieder unbeschadet an den Leihgeber zurückgeben zu können, muss das Museums-Team aufwendig dafür Sorge tragen "dass es durch den Gebrauch niemals zu einem Verbrauch des Originals kommt", so Ille-Kopp.

Da das Hornmoldhaus - anders als etwa die Städtische Galerie - nicht über eine stabile Klimatisierungsmöglichkeit verfüge, müsse zum Schutz technisch nachgeholfen werden. Gegenüber der Glasvitrine surrt leise ein quadratischer Luftbefeuchter, der dafür sorgen soll, dass es in den Räumlichkeiten nie zu trocken und somit schädlich für die Substanz der Urkunde werden könnte.

Auch mit der Firma, die sich um die Heizungsanlage des Gebäudes kümmert, habe man sich zu dem Thema intensiv ausgetauscht, damit ein Thermohydrograph, der direkt neben der Vitrine steht, zu keinem Zeitpunkt zu stark ausschlägt. Mit dem Gerät, das für einen Laien wie ein Messgerät für Erdbeben-Stöße aussieht, werden mit feinen Nadeln die Schwankungen von Wärme und Feuchtigkeit im Raum aufgezeichnet. Laut der Museumsleiterin besteht das Hauptstaatsarchiv auf dieses Messgerät, um auch nach Rückgabe des Objekts im Detail überprüfen zu können, ob dieses stets optimal gelagert wurde.

Doch nicht nur die komplizierte Art der Lagerung - im unteren Teil der Vitrine kommt zusätzlich ein spezielles Klima-Granulut zum Eisatz - ist ungewöhnlich. Beachtenswert ist auch der lange Vorlauf, mit dem sich die Museumsleiterin mit viel Fingerspitzengefühl in der Landeshauptstadt vortastete, um das Dokument schließlich zusammen mit einem Mitarbeiter des Bauhofs in einem feuerfesten Metallkoffer nach Bietigheim-Bissingen transportieren zu dürfen.

"Zuerst habe ich mir die Urkunde im Archiv auf Mikrofilm mehrmals angesehen", sagt Ille-Kopp. Dies sei die übliche Vorgehensweise, wenn man sich für ein jahrhundertealtes Dokument der Geschichte interessiere. Nach längerem Abwägen habe sie schließlich eine schriftliche Leihanfrage an den zuständigen Referenten des Archivs gestellt und anschließend mit dem Experten darüber verhandelt, ob und zu welchen Bedingungen das wertvolle Objekt das Archiv für begrenzte Zeit verlassen dürfe. Hierbei ging es neben versicherungsrechtlichen Fragen vor allem um den Aufbewahrungsort und die Sorgfalt, mit der das Team des Stadtmuseums sich mit dem Objekt befasse. "Letzten Ende ist dann jedoch immer auch ausschlaggebend, wie groß das Vertrauen ist, das man sich gegenseitig entgegenbringt", sagt Ille-Kopp. Dass das Archiv die Urkunde auf die Reise schickte, zeigt, dass die Arbeit des Stadtmuseums auch in der Landeshauptstadt hohes Ansehen genießt.

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