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Soirée in der Städtischen Galerie Bietigheim mit der Schauspielerin Cora Chilcott

100 Jahre Dadaismus: Dada-Soirée zur Ausstellung "Zweiklang. Sophie Taeuber und Hans Arp" in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen.

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Die Berliner Schauspielerin Cora Chilcott als Dadaistin mit einer ganz besonderen Soirée in der Galerie.  Foto: 

100 Jahre alt wird Dada, jene ins Groteske tendierende Extreme des Expressionismus in der Kunst und in der Literatur. Angelehnt an die Ausstellung "Zweiklang. Sophie Taeuber und Hans Arp" gestaltete eine der wenigen Schauspielerinnen, die heute noch den Nerv des Dadaismus treffen, Cora Chilcott aus Berlin, eine Dada-Soirée mit einschlägigen Texten großer Dada-Literaten wie Kurt Schwitters.

Die zierliche blonde Erscheinung im schwarzen Anzug ist nicht etwa ein Gemälde von Otto Dix, auch wenn sie so aussieht. Cora Chilcott mustert ganz seelenruhig ihr Publikum, schweigend, minutenlang, bevor sie plötzlich lossprudelt wie ein Wasserfall. Berlins bekannteste Dadaistin wagt etwas sehr Unmodernes, sie macht sich stark für die Gradwanderung zwischen Absurdität und realem Wahnsinn, webt kleine amüsante Beobachtungen großer Dada-Literaten ein und schafft es, mit trockenem Charme an einer Tür zu rütteln, die den meisten Menschen heute verschlossen scheint. Sie lässt skuriles Gedankengut von Hans Arp, Hugo Ball, Tristan Tzara, Max Ernst und Kurt Schwitters lebendig werden und weckt vor einem Kennerpublikum sehr schnell erneut die Begeisterung für all das, was auf den ersten Blick in keinen logischen Kontext passt. Dazu gehört Mut und Können. An beidem fehlt es Cora Chilcott nicht.

Sie überhöht gekonnt ausgeleierte Gesprächsmuster bis zum Singsang, zeigt sich auch als Sängerin mit fein ausgebildeter Stimme, und verhaspelt sich auch dann nicht, wenn sie scheinbar gedankenversunken abgleitet in abgehackte, bewusst leise ausgestoßene Gedanken, die immer schneller werden bis hin zur reinen Reihung von Silben. Dada stellt Ansprüche an Akteure und Publikum. Das macht die Soirée zu etwas ganz Besonderem. Die Werke Hans Arps lassen sich sicher besser verstehen, wenn man den zeitlichen Kontext, den die Literatur dieser Kunstrichtung gab, parallel erlebt.

Dada heute auf die Bühne zu bringen ist gewagt. Dass das Experiment funktioniert ist letztlich einem Publikum zu verdanken, das aufgeschlossen ist und die Absurdität, das Ausbrechen aus konventionellen Gedanken- und Verhaltensmustern liebt und den Humor dahinter begreift. Wort- und Lautmalerei gehen parallel mit dem Inhalt und entwickeln letztlich ein Eigenleben, wie man es heute kaum mehr kennt.

Der Gipfel ist bei Hugo Balls Lautgedichten erreicht. Als Cora Chilcott mit Papagei Schacko, auch Frauenbeißer genannt, herrlich zu krächzen beginnt, lacht jeder. Als Cora Chilcott allerdings mit den Extremdadaisten die reine Lautmalerei betreibt, wird der Grenzgang perfekt. Cora Chilcott nimmt kein Blatt vor den Mund, steigt genauso eloquent in die Vekalsprache hinab wie hinauf in die Kantilenen der Sprachmelodie. An diesem Abend erleben rund 100 Zuhörer die Hinrichtung unserer immer inhaltsreichen Sprache und genießen sie.

Dada hat seinen eigenen Tiefgang und bringt vieles ans Licht, was direkt und ungeschminkt einfach mal gesagt gehört: "Meine Mutter schenkte mich meinem Vater, damit er sich freute. Dann wuchs ich heran zur Freude anderer. Wenn sie sich manchmal aufregen, dafür kann man ja nichts. Mein Lehrer freute sich immer, wenn er mich ohrfeigen konnte. Und die Schule war froh, als ich mit ihr fertig war". zitierte sie aus der "Kurzen Lebensbeschreibung" von Kurt Schwitters.

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