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Segelschiffromantik

Die Württembergische Landesbühne inszeniert den "Fliegenden Holländer" in einer Konfrontation von Romantik mit der Gegenwart. Gesehen am Donnerstagabend im Kronenzentrum in Bietigheim.

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Ralph Hönicke (links) als Holländer und Reinhard Froboess als Daland spielten im Kronenzentrum.  Foto: 

Der Reiz, den "Fliegenden Holländer" heute auf die Bühne zu bringen, liegt darin die Realität mit einfließen zu lassen - zumindest für die Württembergische Landesbühne aus Esslingen. Am Donnerstagabend brachte sie eine humorvolle und durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem bekannten Stoff in das Bietigheimer Kronenzentrum.

Wie man weiß, ist der "Fliegende Holländer" dazu verbannt, bis zum Jüngsten Tag die Weltmeere zu umsegeln, findet er nicht eine Frau, die ihn von seinem Fluch durch ihre treue Liebe erlöst. Nun ist das heute mit der Treue so eine Sache.

In der Inszenierung von Andreas Marber frei nach dem historischen Stoff nach Wilhelm Hauff und Richard Wagner erzählen sich die Mädchen am Spinnrand, wie sie sich am Kieselstrand gleich mit mehreren Männern vergnügen. Nur Senta, die bekanntlich heilige Erlöserin des gequälten überirdischen Seemanns bleibt außen vor und singt lieber in herzzerreißenden Arien über ihre Liebe.

Die Besetzung ist gut gewählt. Ralph Hönicke in der Rolle des Helden überzeugt durch sein Auftreten und seine Optik: groß, schlank, ruhig und in sich ruhend mit langem grau-meliertem Zopf bringt er Senta zum Beben. Erik, Sentas Verlobter entlarvt sich herrlich selbst als Gallionsfigur - man bleibt an dieser Inszenierung gerne dran und schnuppert den Geruch des ewig wogenden Meeres.

In unbestimmter Liebe hat sich Senta vor dieser Begegnung bekanntlich nach dem Fremden gesehnt, dessen Bild sie mit sich trägt. Ist dieses schwärmerische Verhalten noch zeitgemäß? Der Zuschauer darf selbst entscheiden.

Auf der Bühne vermischen sich die Welten in antiquierten Kostümen und teils Dialogen, die so auch in der U-Bahn geführt werden könnten. Die Schlüsselfigur zur Begegnung der beiden ist Sentas Vater, der Seefahrer Daland. Mit seinem Reichtum ködert der fliegende Holländer Daland, der sich bestechen lässt, und ihm seine Tochter verspricht. Das frühe Wagner-Werk rüttelt zupackend an Grundgefühlen wie Liebe, Glaube, Angst, Hoffnung und der Sehnsucht nach Erlösung.

Passend zur Seefahrerstimmung begleitet ein Akkordeonensemble fürs Publikum teils sichtbar die dramatische Handlung. Akkordeon zu Sentas gesungenen Sehnsuchtsbekenntnissen? Das passt und ist ein guter Schachzug von Marcel Keller, der das Ganze inszeniert, geht es doch auch darum, dem Holländer Facetten abzugewinnen, die noch nicht abgenutzt sind. Das ist keine leichte Aufgabe, und doch gelingt sie.

Die Markanz der Schauspielcharaktere tut das Ihrige. Reinhard Froboess als Seefahrerkollege des Holländers und Sentas Vater verkörpert den charakterlosen Galantier treffsicher, der für Geld und Gold ohne mit der Wimper zu zucken mal eben die Tochter verkauft. Dass sich diese den fliegenden Holländer ohnehin gewünscht hätte, passt ins romantische Bild. Die Inszenierung der Württembergischen Landesbühne bietet in ihrer Verstrickung von Segelschiffromantik und Realität genügend Stoff, um neu über Werte und deren Zerfall nachzudenken. In Bietigheim kam die Begegnung mit dem fliegenden Holländer sehr gut an.

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